Ja: Lokale brauchen Charakter, um zu überleben

"Der Genuss von erlesenen Weinen und Speisen passt nicht zu massiver Rauchentwicklung."

Wahrscheinlich wird nichts anderes übrig bleiben, als das Rauchen in Lokalen generell zu verbieten, denn wenn man diese Entscheidung den Gastronomen überlässt, werden es nur wenige wagen, und ich kann diese Zurückhaltung auch verstehen. Lokale ohne starken eigenen Charakater, wie zum Beispiel die Wein-&-Co-Bars und -Restaurants, riskieren nämlich wirklich, Umsatz zu verlieren, solange es genügend gibt.

In unseren Lokalen hat sich innerhalb von drei Monaten ein dreißigprozentiger Gästewechsel vollzogen. Die militanten und per­sönlich beleidigten Raucher sind nach Einführung des Rauchverbotes sofort weggeblieben und die Gäste, die dieses An­gebot zu schätzen wissen, (etwas langsamer) hinzugekommen. Jetzt hat sich das wieder ausgeglichen, Tendenz steigend, und solange es keinen politischen Konsens gibt – und das ist ja nicht zu erwarten –, werden wir immer mehr neue Gäste gewinnen.
Siebzig Prozent aller Menschen sind ja Nichtraucher, und sogar viele Raucher fühlen sich durch Rauch beim Essen und Trinken belästigt. Mindestens genauso wichtig ist aber der Mitarbeiterschutz: In den Wein-&-Co-Lokalen herrscht seit 1. Jänner dieses Jahres totales Rauchverbot, und die positiven Veränderungen für die Mitarbeiter sind das auffälligste Ergebnis dieser Maßnahme: Die oft zehn Stunden am Stück arbeitenden Kellnerinnen und Kellner berichten über weniger Kopfweh, sind weniger müde und freuen sich über eine bessere Haut – all das schon nach drei Monaten. Unsere Lokalität wendet sich an Menschen, die sich für Wein interessieren. Und der Genuss von edlen Weinen und erlesenen Speisen passt einfach nicht zu massiver Rauchentwicklung. Außerdem glaube ich, dass es sehr bald einen gesellschaftlichen Konsens geben wird, dass das Rauchen an Orten, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten, nicht passend ist. Im Theater, in der Oper oder in den Massenverkehrsmitteln ist das schon passiert; was Lokale betrifft, wird das – vor allem in Österreich – noch ein wenig dauern.

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