Interview: ,,Uns entgeht viel Geld, klar“

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über seine Vision einer globalen Enzyklopädie, das Reisen und das Qualitätsbewusstsein der deutschen Community.

In einer Woche um die Welt gereist. Als sich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nach einem zweistündigen Vortrag auf der Multimediakonferenz MAPEC, in dem er seine Visionen für Wikipedia („Freier Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit“) skizziert hatte, saß FORMAT einem sichtlich erschöpften Gründer gegenüber, der beim Erzählen seiner „Mission“ dann aber doch noch richtig auf Touren kam.

FORMAT: Mister Wales, Sie haben eine kleine Tochter. Wird sie Encyclopaedia Britannica oder Brockhaus kennen lernen oder nur mehr mit Wiki aufwachsen?
Wales: Also für die Britannica ist sie mit fünf Jahren definitiv zu jung. Aber ich werde ihr sicher eine Kinderausgabe des Weltalmanach kaufen.
FORMAT: Sie haben im Bereich des Online-Lexikons Pionierarbeit geleistet und ein weltweites „basisdemokratisches“ Nachschlagewerk geschaffen. Böse Zungen bezeichnen Wikipedia aber auch als Totengräber des Brockhaus ...
Wales: Soweit ich weiß, gehen die Verkäufe von Brockhaus nach oben. Es sieht also nicht so aus, als würden wir ihnen wirklich wehtun.
FORMAT: Brockhaus nutzt dem Vernehmen nach jetzt sogar Ihr Softwaresystem für die Online-Version ...
Wales: Das habe ich auch gehört, weiß aber nicht wirklich was darüber. Ich sehe das – ehrlich gesagt – nicht als Wettbewerb. Wir sind eine Community, die das aus Spaß und Interesse macht. Sie sehen uns als Konkurrenz, aber wir nicht.
FORMAT: Wie fühlt sich das an, wenn man in Wikipedia den Eintrag zur eigenen Person liest? Sie haben ja auch Korrekturen in eigener Sache vorgenommen; ist das legitim?
Wales: In der Vergangenheit habe ich offen unter meinem Namen eingetragen, und das war in der Community kein Problem. Argwohn kam eher von der Presse. Es waren halt einfach nur die in der Öffentlichkeit bekannten Fakten drin, und die ziemlich konfus. Andere Bereiche meines Lebens sind komplett unbekannt. Manchmal scheint dir die Person in der öffentlichen Biografie fremd zu sein. Du kennst dich selbst, und denkst dir, wow. Für berühmte Leute wird das wohl immer ein bisschen sonderbar sein, was die Öffentlichkeit über dich denkt. Für mich war das jedenfalls neu.

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