Inflationsabgeltung führt zu langfristigen Problemen

Seniorenvertreter fordern eine kräftigere Erhöhung der Pensionen, ist dieser Wunsch berechtigt?

Die aktuell hitzige Diskussion über die Anwendung des Verbraucherpreisindex oder des Preisindex der Pensionistenhaushalte fördert eine Regelung zutage, die bislang in den Einschätzungen der jüngsten Pensionsreformen vernachlässigt wurde: das System der jährlichen Pensionsanpassung (Valorisierung).

Seit 1993 galt in Österreich das Prinzip der Nettoanpassung, d. h., die durchschnittliche Nettopension stieg mit der gleichen Rate wie der durchschnittliche Nettolohn. Damit hatten die Pensionen zum einen am Realeinkommenszuwachs der LohnempfängerInnen teil, und durch die Koppelung an die Nettolohnentwicklung trugen sie zum anderen auch ihr Scherflein zur Finanzierung der Sozialsysteme bei.

Im Zuge der jüngsten Pensionsreformen kam es zu Änderungen in der Pensionsanpassung: Die Reform 2003 legte fest, dass die Neupensionen erst im zweiten Jahr des Pensionsbezugs angepasst werden. Mit dem Pensionsharmonisierungsgesetz 2004 wurde die Inflationsabgeltung bei der Pensionsanpassung eingeführt, was in jüngster Vergangenheit gegenüber dem alten System zu stärkeren Pensionserhöhungen führte.

Die mittel- und langfristigen Probleme, die sich daraus ergeben: (1) Der Warenkorb der Pensionshaushalte verteuert sich zurzeit stärker als der Verbraucherpreisindex. (2) Je länger eine Pension bezogen wird, desto größer ist ihr Zurückbleiben hinter der allgemeinen Wohlstandsentwicklung. Damit besteht die Gefahr, dass langfristig die Armutsgefährdung der Hochbetagten durch das System der Pensionsvalorisierung steigt.

Das 2004 eingeführte System der Inflationsabgeltung bedeutet eine grundsätzliche Abkoppelung der Pensionen vom Wohlstand der Beschäftigten. Produktivitätssteigerungen, also höhere Produktion bei gleichem Arbeitseinsatz in Verbindung mit einer dynamischen Lohnentwicklung, kann nicht mehr an die PensionistInnen weitergegeben werden. Mag diese Entwicklung aus Sicht der Finanzierung des Pensionssystems als positiv beurteilt werden, so ist es aus verteilungspolitischer Sicht problematisch.

Telekom Austria COO Alejandro Plater (li.) und CEO Thomas Arnoldner

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