Industrie 4.0 - Bauteil, Übernehmen Sie!

Industrie 4.0 - Bauteil, Übernehmen Sie!

Neue Format Serie Teil 1: Wie Industrie 4.0 nicht nur die Fabrikshallen, sondern auch die Arbeitswelt verändert.

Produkte steuern ihre eigene Herstellung, flexibel und fehlerlos. Mit dieser Vision erobert Industrie 4.0 die Fabriken. Und wo bleibt der Mensch?

Den Anfang machten ein Sportschuh und ein Seifenspender. Unspektakuläre Produkte, die für einen spektakulären Umbruch stehen. Schon seit zehn Jahren bietet der US-Sportartikelkonzern Nike seinen Kunden an, sich im Onlineshop Sportschuhe individuell zu designen. Die Farbe der Schuhbänder, das Muster der Sohle, ein eigener, kurzer Schriftzug - über NIKEiD ist vieles möglich.


Mit dieser Individualisierung der Serienfertigung war Nike der Konkurrenz um einige Längen voraus und ist es jetzt noch immer. Denn statt die Bestellung des Kunden auszudrucken und per Fax zur Fabrik nach Indien zu schicken, hat die extra gegründete Digital Division die Systeme so ausgerichtet, dass der Webkonfigurator den Auftrag direkt in die Produktion übermittelt und auch den Versand steuert.


Ein weitgehend automatisierter, digitaler Bestell-, Produktions-und Versand-Prozess wie beim Nike-Schlapfen ist die Basis der viel diskutierten Vision von Industrie 4.0. Aber es ist nur die Basis. Den nächsten Schritt kann man im deutschen Kaiserslautern bewundern. Das dortige Forschungswerk ist derzeit das Mekka der Industrie-4.0-Propheten. Produziert werden, wenig aufregend, Seifenspender. Das Besondere daran ist, dass das Produkt selber die Produktion steuert. Der Rohling wird dafür mit einem elektronischen RFID-Etikett ausgestattet.

Dahinter verbirgt sich ein Mini-Chip, der über Funk Daten austauschen kann. Dieser Smart Tag ist mit allen relevanten Produktionsdetails versehen, von der Farbe der Flasche über den gewünschten Duft - Rose oder Vanille - bis zum passenden Deckel und der Beschriftung in der jeweiligen Landessprache. Über diesen Smart-Tag steuert der Seifenspender also selber seine Färbung, Befüllung, Beschriftung und Verpackung. Frei nach dem Motto "Bauteil, übernehmen Sie!“ sagt das Werkstück den Maschinen, was zu tun ist. Die Seife im Spender ist flüssig, der Mensch bei der Produktion überflüssig.


Nachdem die Dampfmaschine die Grundlage für eine industrielle Fertigung legte (Industrie 1.0), das Fließband die massenhafte Produktion von Ford-T-Modellen ermöglichte (Industrie 2.0) und mit der Automatisierung der Fabrikshalle die Produktion neu gesteuert wurde (Industrie 3.0), jetzt also der nächste Schritt: Maschinen, Roboter und Produkte, die vernetzt sind und miteinander kommunizieren und so die Produktion steuern - das ist die Vision von Industrie 4.0.

Kosten runter. Die Erwartungen an diesen nächsten technologischen Schritt sind gewaltig. "Industrie 4.0 bringt drei wesentliche positive Effekte: Die Produktivität steigt, die Kosten werden minimiert, Ausfallzeiten gesenkt“, sagt Klaus Schmid, CEO des Beratungsunternehmens Capgemini Österreich. "Und es wird möglich, individualisierte Produkte kostengünstig herzustellen, es wird eine individualisierte Serienfertigung geben.“

=> Lesen Sie den ganzen Artikel im FORMAT Nr. 29/30 2015
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