Im Interview mit FORMAT: Mirko Kovats wehrt sich gegen Klagen und Gerüchte

Das Jahr begann nicht gut für A-Tec-Aktionäre. Bei Kursen über 90 Euro starteten die Papiere des Industrie­unternehmens, das in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Kupferverarbeitung, Umwelt- und Kraftwerkstechnik tätig ist, ins Jahr 2008. Damit notierte die Aktie zehn Prozent unter dem Emissionskurs vom Dezember 2006 und 50 Prozent unter den Höchstständen vom Juni. Doch drei Wochen später lagen die Nerven der A-Tec-Teilhaber endgültig blank. In einem beispiellosen Ausverkauf fiel der Kurs auf 50 Euro.

Gründe für den Absturz der Aktie gibt es viele. Zum einen kursieren in Börsenkreisen Gerüchte um massive Liquidi­täts­­probleme sowie eine zu niedrige Eigenkapitalquote. Letztere ist wegen einer von A-Tec begebenen Anleihe über 100 Millionen Euro von Bedeutung. Die Obligation kann laut Emissionsprospekt von den Gläubigern getilgt werden, wenn bei einer EK-Quote unter 20 Prozent eine Dividende gezahlt wird. Das, so die Kritiker, brächte das Unternehmen weiter unter Druck. Ende des dritten Quartals lag diese Kennzahl mit 17,7 Prozent unter dieser Grenze, dennoch kündigte Konzerngründer und Mehrheitsaktionär Mirko Kovats eine Ausschüttung an. Seine Beteiligungen an den Kupferkonzernen Cumerio (25 %) und Norddeutsche Affinerie (13,75 %) wurden von einem Investor sogar zum Anlass für eine Klage genommen.

Vorwurf: Die Hauptversammlung hat den Deals nicht zugestimmt. Kovats bezahlte für die beiden Pakete fast 400 Millionen Euro und wurde dadurch wichtiger Spieler am euro­päischen Kupfermarkt. Der Hintergrund: Die NA legte ein Übernahmeangebot von 30 Euro je Aktie für die belgische Cumerio. Kovats kann den Deal mit ­seiner Sperrminorität verhindern. Ein weiterer Baustein im Kupferimperium der A-Tec soll demnächst die serbische RTB Bor werden. Bei der Privatisierung der Mine hatte sich Kovats gegen den russischen Oligarchen und Strabag-Partner Oleg Deripaska durchgesetzt.

Zu guter Letzt muss sich der A-Tec-Chef derzeit auch noch in einer anderen Sache vor Gericht verteidigen: Ihm wird wegen der Pleite einer Disco betrügerische Krida vorgeworfen. Nächster Prozesstermin ist der 25. Februar. Kovats ist zuversichtlich.

Mit FORMAT sprach der streitbare Unternehmer erstmals ausführlich über die A-Tec-Klagen, die Liquiditätssitua­tion und die wirtschaftlichen Ziele seines verzweigten Konzerns.

Format: Die A-Tec-Aktie ist im Jänner dramatisch abgestürzt. Am Markt kursie­ren Gerüchte über massive Liquiditäts­probleme Ihres Konzerns, und einige An­leger wollen Sie wegen der Beteiligungen an NA und Cumerio sogar verklagen. Schlafen Sie noch gut?
Kovats: Die Klage halte ich für sehr eigenartig. Nach österreichischem Aktien­recht ist klar, dass die Entscheidungen der Vorstand trifft und im erforderlichen Falle die Bewilligung des Aufsichtsrats einholt. Was da eine HV soll, ist mir schleierhaft. Eigenartig ist auch, wer hinter dieser Klage steckt. Das ist kein Investmentfonds, son­dern einfach eine Firma mit Sitz auf den Cayman-Inseln. Das kann auch irgendein Geldwäscher sein, ich weiß es nicht.

Format: Haben Sie Vermutungen?
Kovats: Wir haben den Anwalt, der die Klage eingebracht hat, aufgefordert, uns Eigentümer oder Begünstigte dieser Firma bekannt zu geben und uns einen Depotauszug zu zeigen. Darauf haben wir immer noch keine Antwort bekommen. Meiner Meinung nach ist das der Versuch einer plumpen Kursmanipulation.

Format: Neben dieser Klage gibt es auch einen Brief von Anwalt Georg Vetter, der im Namen einer Anlegergruppe von Ihnen mehr Transparenz fordert, insbesondere im Hinblick auf die Eigenkapital­situation der A-Tec.
Kovats: Das Aktienrecht erlaubt es nicht, einer Aktionärsgruppe bevorzugt Auskünfte zu geben. Als Rechtsanwalt müsste er das eigentlich wissen, sonst soll er seine Befugnis zurücklegen.

Format: Aber Sie könnten diese Informationen ja auch als „Ad-hoc-Meldung“ publizieren.
Kovats: Dazu gibt es keinerlei Veranlassung. Es gibt ein Aktiengesetz, an das wir uns halten.

Format: Ist der Einstieg bei der Norddeutschen Affinerie (NA) beziehungsweise bei der belgischen Cumerio im Nachhin­ein betrachtet richtig gewesen? Der Kurs der NA ist seit Juli von 32 auf 24 Euro gefallen.
Kovats: Wir sind bei der NA unter 30 eingestiegen, bei Cumerio weit unter dem heutigen Kurs. Aber hier geht es ja nicht um Spekulation, sondern um strategische Investments, hinter denen ich voll stehe.

Format: Haben Sie derzeit unterm Strich einen Buchgewinn oder einen Buchverlust eingefahren?
Kovats: In dieser Eindimensionalität kann ich das nicht beantworten. Für Cumerio gibt es ein Übernahmeangebot der NA bei einem Kurs von 30 Euro. Das haben die Behörden diese Woche ohne Auflagen freigegeben. Man wird sehen, ob das dem Kapitalmarkt genügt, oder
ob nachgebessert werden muss. Ich habe natürlich ein Interesse, die Cumerio-Papiere an die NA abzugeben.

Format: Als Cumerio-Aktionär müsste sich die A-Tec über einen möglichst ho­hen Übernahmekurs freuen, als Aktio­när der NA gilt dagegen: je billiger, desto besser. Was überwiegt?
Kovats: Ob die NA billig kauft und ich eine höhere Dividende bekomme, oder ob sie mehr bezahlt und ich so einen höheren Preis für das Cumerio-Paket erhalte, ist mir egal. Die NA hat leider keine erkenn­bare klare Strategie. Jetzt haben sie erst eine ­Kapitalerhöhung über 98 Millionen Euro gemacht, und dann zah­­­­­len sie 56 Millionen Dividende aus. Das verstehe ich einfach nicht. Da mache ich eben keine Kapitalerhöhung und zahle auch keine Dividende, bevor ich das Geld herumschiebe.

Format: Apropos Dividen­de: Die von Anwalt Vetter ver­trete­nen Anleger machen sich Sor­gen wegen der A-Tec-An­lei­he. In deren Prospekt heißt es, Dividenden dürften nur be­zahlt werden, wenn die Eigenkapitalquote 20 Prozent be­trägt. Sie haben eine Dividen­de angekündigt, die EK-Quote liegt allerdings unter dieser Grenze.
Kovats: Wir werden zum Bilanzstichtag bei etwa 18 Pro­zent liegen. Wenn die ersten Monate gut laufen, dann soll­ten wir bis zum Dividendenbeschluss darüber liegen. Wenn nicht, dann wird die ­Dividende eben geringer sein oder ausfallen. Bestimmen werden das wie im Vorjahr die Emissionsbank der Anleihe und ein Wirtschaftsprüfer.

Format: Am Markt gibt es nach ihren zahlreichen Zu­käufen Gerüchte über eine ­beklemmend enge Liquiditäts­lage. Verkaufen Sie deshalb Teile der Kupferproduktion in Brixlegg?
Kovats: Das ist völliger Un­sinn. Der Verkauf der sauerstofffreien Kupferproduktion ebenso wie eventuell der Schmelze soll die Bedenken der Kartellbehörden gegen eine Aufstockung unseres NA-Pakets auf über 20 Pro­zent zerstreuen. Die A-Tec hat genug Liquidität, um alle Pro­jekte finanzieren zu können. Außer­dem bringt der Verkauf der Produktion vielleicht zehn Millionen Euro. Das ist doch lächerlich.

Format: Sie verhandeln ge­rade den Kauf der serbischen Kupferhütte RTB Bor, für die Sie 460 Millionen Dollar bie­ten. Brauchen Sie dafür eine Kapitalerhöhung?
Kovats: Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich um et­was mitbiete, ohne die Finanzierung zu haben. Außerdem kommt eine Kapitalerhöhung bei diesen Kursen gar nicht erst infrage. Wir werden aller­dings einen Partner hereinnehmen. Ob wir 76 Prozent oder 51 Prozent an der RTB behalten, weiß ich noch nicht.

Format: Wie laufen die Geschäfte? Ist die Konjunkturabschwächung für Sie spürbar?
Kovats: Das Geschäft geht wie die Hölle. Wir hatten in den vergangenen vier Wochen einen Auftragseingang von 700 Millionen Euro und peilen 2008 drei Milliarden Umsatz bei gleichzeitig höheren Mar­gen an.

Format: Wie sieht Ihr Er­geb­­nis für 2007 aus?
Kovats: Dazu darf ich Ihnen nichts sagen. Die Analysten schätzen über zwei Milliarden Euro Umsatz und 65 Millio­nen Euro Gewinn. Damit fühle ich mich wohl.

Interview: Stephan Klasmann

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