„Ich finde das sehr schade“

Flughafen-General Herbert Kaufmann spricht im FORMAT-Interview über die Absage des Bratislava-Takeovers, aktuelle Geschäftszahlen und die Folgen der Terrorangst.

Format: Der Flughafen steht derzeit im Fokus. Da ist erstens die Absage der Übernahme des Airports Bratislava, zweitens die verschärften Sicherheitsvorschriften nach dem Terroralarm in London, und zum Dritten haben Sie eben Ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht. Die Umsätze wachsen kräftig, doch unterm Strich ging der Gewinn leicht zurück (siehe Kasten). Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?
Kaufmann: Wir sind damit sehr zufrieden. Das erste Halbjahr hat immerhin einen Zuwachs im Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 8,3 Prozent gebracht. Dass das Ergebnis unterm Strich etwas schwächer als in den vergangenen Jahren ausgefallen ist, liegt an den großen Vorhaben, die wir derzeit realisieren. Flughäfen sind immer vom Investitionszyklus abhängig. Das ist typisch für die Branche.
Format: Das Finanzergebnis ist nach Plus 1,2 Millionen Euro im Vorjahr heuer 2,2 Millionen ins Minus gerutscht.
Kaufmann: Das spiegelt die hohen Investitionen wider, die ja auch finanziert werden müssen. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel Geld verdient und die bestehenden Kapazitäten geschickt ausgenutzt und immer weiter optimiert. Aber irgendwann müssen Sie eben wieder investieren und erweitern.
Format: Aber die Marge ist auch vor Abschreibungen zurückgegangen. Sinkt die Profitabilität?
Kaufmann: Das ist eine temporäre Phase. Wir haben als langfristiges Ziel eine EBITDA-Marge von 35 Prozent. Im ersten Halbjahr lagen wir sogar leicht darüber. Das ist ein im Branchenvergleich wirklich sehr hoher Wert, den wir für das Gesamtjahr nicht werden halten können. Das liegt einfach an den Ineffizienzen, die sich aus der gigantischen Baustelle ergeben. Es ist kaum möglich unter diesen Umständen, die Abläufe so zu optimieren wie ohne diese Behinderungen. Aber das ist ja nur eine Übergangszeit, und danach sind wir durch die neue Infrastruktur umso besser aufgestellt.
Format: Eine andere Investition, an der Ihnen viel gelegen ist, werden Sie nicht umsetzen können, nämlich die Akquisition des Flughafens Bratislava. Das wurde nun von der slowakischen Regierung abgedreht. Wie sehr schmerzt Sie das?
Kaufmann: Ich finde das sehr schade, denn es wäre nicht nur für uns, sondern auch für den Airport Bratislava eine große Chance gewesen. Die ist nun vertan. Wir erwägen nun auch, rechtliche Schritte einzuleiten.
Format: Welche Schritte sind denkbar?
Kaufmann: Im Vertrag ist ein Schiedsgerichtsverfahren vor der Chamber of Commerce in Paris vorgesehen.
Format: Wann wird das eingeleitet?
Kaufmann: Zwischen Ende September und Mitte Oktober. Da gibt es in der Auslegung einer Vertragsklausel noch Unklarheiten in der Interpretation der Fristen.
Format: Was würde Ihnen ein positiver Schiedsspruch bringen? Ist es vorstellbar, als Unternehmen, das in so vielen Bereichen auf behördliche Genehmigungen angewiesen ist, gegen den Willen der örtlichen Regierung erfolgreich zu arbeiten?
Kaufmann: Da haben Sie schon Recht. Aber das Schiedsverfahren soll ja zu einer von beiden Seiten akzeptierten Einigung führen und nicht eine Konstellation von Sieger und Besiegter hinterlassen.
Format: Sollten Sie sich in Paris nicht durchsetzen, ist dann eine andere Art von Kooperation mit Bratislava denkbar? Laut slowakischer Presse soll ein weiterer Anlauf zur Privatisierung erfolgen, etwa in Form eines Betreibermodells. Ist es vorstellbar, sich daran zu beteiligen?
Kaufmann: Das muss man sich durchrechnen, wenn das Angebot am Tisch liegt. Zunächst setzen wir darauf, im Schiedsgerichtsverfahren zu einer Einigung zu kommen. Die Kooperation der Flughäfen Wien und Bratislava ist logisch so zwingend, dass ich überzeugt bin, dass es früher oder später dazu kommen wird. Zwingende Ideen können Sie verschieben, aber Sie können sie letztlich nicht verhindern.
Format: Das kann allerdings noch dauern. Wie sehen denn die aktuellen Alternativen zu Bratislava aus?
Kaufmann: Wir sind absolut gut gerüstet, den Markt auch ohne Bratislava bedienen zu können. Wien war immer unter den Top-3-Flughäfen in Europa, was die Servicequalität betrifft, und selbst jetzt im Umbau sind wir noch unter den Top 10. Mit dem neuen Terminal steht unseren Passagieren ab Ende 2008 eine ganz neue Qualität von Infrastruktur zur Verfügung, die uns auch wieder unter die Top 3 bringen wird.
Format: Der Flughafen Kosice in der Ostslowakei, für den Sie ja die kartellrechtliche Genehmigung bekommen haben, ist wohl kein Ersatz für Bratislava. Welche Rolle spielt dieser Flughafen für Ihr Unternehmen?
Kaufmann: Das soll man nicht unterschätzen. Das ist ein kleiner Airport mit unter zehn Millionen Euro Umsatz, aber mit einem großen Einzugsbereich. Da gibt es sicherlich interessante Wachstumschancen. Alleine im ersten Halbjahr 2006 sind die Passagierzahlen um 30 Prozent gestiegen. Wir wollen dort elf Millionen Euro investieren und den Flughafen ausbauen.

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