HTC: Taiwanesische Schattenboxer

Noch vor zwei Jahren flog Peter Chou viermal pro Jahr nach Seattle und besprach sich mit Bill Gates. Denn der Chef der taiwanesischen Firma HTC war so etwas wie der kaiserlich-königliche Handy-Hofmanufakteur des weltgrößten Softwarekonzerns. Microsoft will im Markt für Firmenhandys, sogenannte Smartphones, mit seinem mobilen Betriebssystem reüssieren, und HTC baut seit 2002 die passende Hardware dazu.

Die Bilanz ist beeindruckend: 70 Prozent der weltweit verkauften Windows-Telefone baut HTC. Der Umsatz des Unternehmens hat sich von 2004 bis 2007 auf 2,6 Milliarden Euro vervierfacht. Und das trotz des extrem harten Wettbewerbs unter tai­wanesischen Auftragsfertigern und sinkender Margen. Zu verdanken hatte das HTC vor allem ihrem Mitarbeiter Nr. 2, Chou, der als visionärer Stratege schon bei der Firmengründung 1997 er­kannte, dass die Lohnfertigung von Computern „eigentlich langweilig ist“. Er trimmte die Ingenieure einer ehe­maligen Digital-Equipment-Filiale in Taipeh auf Inno­vation und Produktqualität. Und wenn Design oder Haptik eines neuen HTC-Geräts seinen hohen Ansprüchen nicht genügen, kann der bescheiden-zurückhaltende Chou auch cholerisch werden.

Diesen Drang nach Inno­va­tion schätzt auch HTCs treues­ter Kunde, T-Mobile, das seine Smartphones seit sieben Jahren ausschließlich von HTC be­zieht. Eva Wimmer, Chef­einkäuferin von T-Mobile Inter­national: „Sie hatten das erste Gerät mit integrierter Kamera, das erste UMTS-Ge­rät. Sie waren immer die Ers­ten, die am Markt waren, und das bei gleich bleibend hoher Qualität.“ HTC erkannte auch den Trend zu Touchscreen-Dis­plays früh und war die ers­te Firma, die letztes Jahr eine Antwort auf das neue iPhone hatte.

Allein, die wenigsten Kunden wissen , dass sie ein HTC-Telefon in Händen halten, denn meist steht das Logo des Netzbetreibers drauf.
Genau das möchte Chou nun ändern und die Marke auch im Massenmarkt bekannt machen. Dazu baut er derzeit weltweit eigene Vertriebsniederlassungen auf, auch im deutschsprachigen Raum, und holt sich dafür erfahrene Telekommanager.
Doch der Visionär Chou hat schon weitergedacht und sich für die tektonischen Verschiebungen am Telekommarkt in Position gebracht: Für den Eintritt in den Massenmarkt intensivierte er seine Kontakte zu Google und trat der „Open-Handset-Allianz“ bei, einem Zusammenschluss von Firmen, die am offenen Google-Handybetriebssystem Android mitarbeiten.

„Google hat die historische Chance, die auf Linux basierenden Plattformen zu vereinen“, schätzt Telekomanalyst Martin Gutberlet die Lage ein. Der Marktanteil von mobilen Open-Source-Systemen liegt derzeit bei knapp zehn Prozent, Microsoft hat zwölf. Die ersten Android-Geräte werden zwar erst Ende des Jahres auf den Markt kommen, dass HTC aber einer der Front­runner sein wird, scheint ausgemacht.
Hinter den Kulissen tüftelt man nämlich schon seit zwei Jahren gemeinsam. Für Chou ist die Google-Partnerschaft ein „wichtiger Schlüssel zum Massenmarkt“, wie er dem Branchendienst „The Engadget“ sagte. „Man wird das mobile Internet viel besser erleben.“ Und dass Microsoft sauer sein könnte, ficht ihn nicht an. Chou: „Unser Be­kenntnis zu Microsoft ist stärker denn je, die sind bei ­Firmenhandys gut.“

Barbara Mayerl

AUVA-Vorstand winkt Sparpaket durch

Politik

AUVA-Vorstand winkt Sparpaket durch

Auto & Mobilität

Test Drive: Mitsubishi Eclipse Cross - Exzentriker mit Rallye-Technik

Wirtschaft

Nachfolger gesucht - ein Weg zum Unternehmertum