Höhenflug der Wiener Börse:
Sturm auf die Traummarke 2000

Im Jänner 2000 schlenderte der Cheftrader einer österreichischen Großbank über den Graben und meinte resigniert zu seinem Begleiter: „Die Wiener Börse ist einfach ein toter Hund.“ So kann man sich irren.

Nur wenige Wochen danach begann der Crash der Tech-Aktien. Der heimische Aktienmarkt dagegen erlebte eine unglaubliche Renaissance. Drei Jahre in Folge – von 2001 bis 2003 – war die Wiener Börse der beste EU-Aktienmarkt, 2003 sogar Bestperformer der OECD-Staaten. Und auch heuer scheint die Hausse der Austro-Stocks nicht zu stoppen. In den 13 Monaten seit März 2003 legte der ATX, in dem die marktbreiten Titel zusammengefasst sind, um 806 auf 1.948 Punkte zu – ein Plus von 71 Prozent. Die ominöse 2.000er-Marke ist damit in greifbare Nähe gerückt.

Allein seit Jahresbeginn beträgt das Plus des Börsenbarometers 26 Prozent, verglichen mit zwei Prozent im deutschen Dax. Wer die richtigen Einzeltitel auswählte, konnte noch weit beeindruckendere Gewinne verbuchen. Allein acht der etwa 40 Aktien im ATX Prime Market schafften dreistellige Gewinne, wobei das Cyber-Wettbüro BetandWin und die Softwareschmiede JoWood mit 634 beziehungsweise 230 Prozent Kurszuwachs die Liste anführen.

Ostphantasie, günstige Bewertung und steigende Liquidität beschleunigten den Aufschwung. Der Wiener Börsenboom hat mehrere Ursachen. Für Andreas Treichl, Generaldirektor der Erste Bank, deren Aktie am meisten zum Indexplus beigetragen hat (siehe Grafik Seite 13), ist die Ostphantasie einer der wesentlichen Faktoren: „Drei Viertel der ATX-Unternehmen haben eine Investmentstory im CEE-Raum, und mit Direktinvestitionen in diese Region in Höhe von 6,2 Prozent des BIP liegt Österreich klar an der Spitze. In Deutschland liegt dieser Satz bei nur 1,7 Prozent.“ Für sein eigenes Unternehmen sei der Stellenwert Osteuropas selbsterklärend: „Wir haben 80 Prozent unserer Kunden in dieser Region.“ Auch andere Großkonzerne sind im Osten aktiv. Wienerberger erwirtschaftet dort 30 Prozent seines Umsatzes, Semperit 20 und OMV 18 Prozent. Treichl: „Was bei der ersten von Ostphantasie getragenen Hausse 1989/1990 noch Vision war, schlägt sich jetzt in echten Ergebnissen nieder.“ Das Marktpotenzial dieses Wirtschaftsraums ist enorm: Liegt der Papierverbrauch in der EU bei 125 Kilogramm pro Person, so sind es in Osteuropa 29 Kilo, bei Stahl lautet die Relation 410 zu 180 Kilo, bei Versicherungsprämien gar 1.542 US-Dollar pro Kopf und Jahr zu 68 Dollar. Auch wenn das nicht in wenigen Jahren, sondern eher in Jahrzehnten aufgeholt wird, haben Österreichs Unternehmen eine Insel verstärkten Wirtschaftswachstums vor ihrer Haustüre.

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