Hitze-Biz

37 – 38 – 39 Grad: Österreich schwitzt, und viele Branchen freuen sich über die Hitzewelle. Dauert sie zu lange, wird aber die Liste der Verlierer immer länger.

Endlich reagiert auch die Politik auf die außergewöhnliche Hitze der letzten Tage. Die Gesundheitsministerin meldet sich persönlich zu Wort und stellt es den Beamten in öffentlichen Ämtern frei, auf Krawatte und Anzug beziehungsweise Kostüm zu verzichten. Politik als Vorbildwirkung für die Privatwirtschaft sozusagen. Und aufgrund der zunehmenden Stromausfälle sollen die Klimaanlagen in den Büroräumen des Landes heruntergefahren werden, sagt die Ministerin.
Die Rede ist von Italien, wo bereits im Juni Temperaturen von über 35 Grad Celsius nicht ungewöhnlich waren und einen Run auf Klimaanlagen auslösten. Allein im Juni legten die Verkaufszahlen um 45 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr zu – und dementsprechend stieg auch der Stromverbrauch und die Gefahr von partiellen Stromausfällen. Aber mit dem Ende der Krawattenpflicht erhofft sich die italienische Regierung nun Einsparungen beim Stromverbrauch der Klimaanlagen von neun Prozent. Eine etwas blauäugig anmutende Kalkulation.

Von den italienischen Verhältnissen ist Österreich im Moment freilich noch ein gutes Stück entfernt. Einzig der prominenteste Angeklagte des Landes, Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner, wird bislang im Gerichtssaal von den strengen Kleidungsvorschriften entbunden und darf – aus Rücksicht auf seinen hitzebedingt besonders geplagten Kreislauf – ein Bein schuhlos hochlagern.
Aber auch hierzulande hinterlässt die Hitzewelle der vergangenen Woche bereits ihren ökonomischen Fußabdruck in Handel, Gastgewerbe und im Freizeitverhalten der Österreicher.

Zu den größten Gewinnern der Hitze zählen verständlicherweise die heimischen Getränkehersteller. Um die empfohlene Flüssigkeitszufuhr von 2–3 Litern täg-lich abzudecken, laufen die Abfüllgeräte der Mineralwasserhersteller auf Hochtouren. Vöslauer bereitet sich bereits seit Ende Mai auf die heißen Sommermonate vor und hat an Samstagen einen zusätzlichen Produktionstag eingeschoben. „So können wir mit bis zu zwei Millionen Liter ausgeliefertem Mineralwasser pro Tag den Durst der Österreicher stillen“, sagt Vöslauer-Vorstand Alfred Hudler. Generell sprechen die Abfüller von Mineralwasser und Fruchtsäften und auch die großen Handelsketten wie Rewe und Spar von einem Umsatzplus zwischen 30 und 35 Prozent. Aber auch das Bier-Geschäft zieht an heißen Tagen deutlich an. Obwohl Markus Liebl, Generaldirektor der Brau Union (Zipfer, Gösser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger), veränderte Konsumgewohnheiten wahrnimmt: „Der Bierkonsum verändert sich bei steigender Hitze nicht, nur die Zeiten verschieben sich. Die Österreicher gehen am Abend erst um 20 Uhr in den Gastgarten, dafür bleiben sie aber auch länger.“

Bestätigt wird das vonseiten der Gastronomie. Alexander Kaiser, gastronomischer Leiter der Strandbar Herrmann am Wiener Donaukanal, versorgt täglich 2.000 Gäste, die sich an lauen Abenden vor allem mit Bier und Hollerspritzer erfrischen. Überraschenderweise setzt sich dieser Trend bei den Eisverkäufern nicht fort. Die umsatzstärksten Monate sind demnach April, Mai und Juni. Während der heißen Sommermonate würden nur knapp unter 1.000 Tüten pro Tag verkauft, sagt Luciano Zanoni, Inhaber der gleichnamigen Eistheke in der Wiener Innenstadt. Und dennoch: „Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir eine Umsatzsteigerung von 15 Prozent erzielen.“

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