Herbeigeredete Krisen finden nicht statt

Quotenschwund, Zuschauerproteste, die Werbewirtschaft will weniger bezahlen: Ist der ORF trotz (wegen) der Programmreform am Ende?

Der ORF war in der Krise. Unter Lindner/Mück herrschte nur mehr der Schrecken, wie es Armin Wolf ausgedrückt hat. Dem Herzstück des Unternehmens – den Mitarbeitern – wurde die Motivation geraubt, in den Redaktionen herrschte die Schere im Kopf. Alexander Wrabetz hat den komatösen Patienten wieder zurück ins Leben befördert. In der umfassendsten Reform aller Zeiten haben Wrabetz und sein Team 30 Projekte umgesetzt. In 80 % der Fälle ist der Turnaround gelungen. Deshalb muss die Reform weitergeführt werden – lassen wir Wrabetz und sein Team arbeiten.

Aber natürlich kennen wir die Problemzonen, die für eine perfekte „Bikini-Figur“ des ORF angegangen werden müssen. Bei „MiA“ und „szene“ muss intensiv, konsequent und beharrlich verändert werden. Beim „Extrazimmer“ müssen die Redakteure stärker eingebunden werden, um politisch-historische Lücken zu schließen.

Es gilt, die Reform konsequent fortzuführen und sich auch mutig den Hauptabendquoten im Herbst zu stellen. Auch bei der Information, wo niemand mehr die Durchschaltung fordert – bis auf einzelne Politiker – und Elmar Oberhauser und sein Team tolle Arbeit leisten, sind Adaptionen notwendig. Die „ZiBs“ brauchen – neben dem Ende der unverständlichen Hintergrundstreifen – die Erkenntnis, dass einige Beiträge nicht Radio zum Sehen sein dürfen. Hier müssen ausgezeichnete TV- und Radiomacher schneller zusammenfinden und gemeinsam ein Programm machen, das die Möglichkeiten nutzt und den Anforderungen entspricht. Aber auch „Im Zentrum“ ist noch nicht im Zentrum des öffentlichen Interesses angekommen – im Unterschied zum ORF, der doch endlich wieder das zentrale Leitmedium des Landes ist.
Völlig gegen die Interessen des ORF ist es, wenn Vertreter aus der Politik den pechschwarzen Old-Style-Schizo-Punk anstimmen. Was Morak mit seinen Wortmeldungen bezweckt, zielt darauf ab, den ORF zu zerschlagen, Mitarbeiter abzubauen, und Teile des ORF zu privatisieren. Das Schwert ist die Gebührendiskussion.

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