Helga Rabl-Stadler: "Ein Tigerkind reizt man nicht“

Helga Rabl-Stadler: "Ein Tigerkind reizt man nicht“

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele

Helga Rabl-Stadler ist heuer 20 Jahre als Präsidentin der Salzburger Festspiele im Amt. Sie ist Gastgeberin, Außenministerin und unermüdlicher Motor des Festivals. Ein Gespräch über Durchschlagskraft, Sponsorengelder und Schönheitsoperationen.

Format: Mittlerweile ist die Zahl der Festivals weltweit angestiegen. Worin liegt die Aufgabe der Salzburger Festspiele?

Helga Rabl-Stadler: Die Anzahl der Festivals irritiert mich überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie erhöht die Aufmerksamkeit für die Kunst. Zudem kommt uns zugute, dass die Menschen durch den Religionsverlust die Sinnfrage immer mehr mit Kunst und Kultur verbinden.

Sie waren für die ÖVP im Nationalrat, waren Bundesobmann-Stellvertreterin. Sind Sie froh, nicht mehr in der Politik zu sein?

Ich bin froh, dass ich jetzt nicht in der Politik bin, denn ich kenne die Antworten auf Griechenland und auf die Flüchtlingsproblematik nicht. Aber ich möchte meine politische Tätigkeit nicht missen. In der Politik habe ich das Gefühl für die gegenseitige Zumutbarkeit gelernt.

Sie haben eben Budget und Programm für 2016 vorgelegt. Theoretisch müssen durch die Mehrwertsteuererhöhung die Kartenpreise um drei Prozent angehoben werden, um gleiche Nettoerlöse zu erzielen.

Natürlich haben wir gehofft, dass es nicht zu dieser Mehrwertsteuererhöhung kommt. Die kostet uns 750.000 Euro. Es war die letzten 20 Jahre unser Erfolgsrezept mit den Höchstpreisen von 430 Euro die günstigeren Karten zu finanzieren. Mehr als 50 Prozent unserer Karten kosten bis zu 105 Euro. Das würde ich gerne beibehalten, ohne die Höchstpreise zu erhöhen. Ich hoffe, dass ich dafür einen Sponsor finde.

Kunst bezieht ihre Rechtfertigung nie aus ihrer Rentabilität, gerade im Fall der Salzburger Festspiele spricht man dennoch gerne von einem Wirtschaftsfaktor und der Umwegrentabilität.

Wir zahlen im selben Jahr mehr an Steuern und Abgaben, als wir an Subventionen von der öffentlichen Hand bekommen. Man kann solche Subventionen gerne als Investitionen bezeichnen. Aber eigentlich sind sie ein Kredit, den wir mit Wucherzinsen zurückzahlen.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges, selbst in wirtschaftlich harten Zeiten neue Gelder und Sponsoren zu lukrieren?

Die Hälfte des Sponsoring-Erfolges ist selbstverständlich das gute Produkt. Es ist uns gelungen, alle Hauptsponsoren zu erhalten. Siemens, Audi, Nestlé, Rolex. Nur JTI Japan Tobacco International, die dankenswerterweise vier Jahre lang mit 600.000 Euro die zeitgenössische Oper unterstützt haben, sind wegen des Tabakwerbegesetzes, Paragraf 11, nicht mehr dabei. Viele Sponsoren sind längst meine Freunde geworden.

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Zur Person. Helga Rabl-Stadler wurde am 2. Juni 1948 als Tochter der Modehaus-Resmann-Chefin Rosl Stadler und des ehemaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher in Salzburg geboren. Sie studierte Jus, Publizistik und Politikwissenschaften und hatte als erste Journalistin eine Innenpolitikkolumne. Um das Familienunternehmen zu erhalten, kehrte sie 1978 dem Journalismus den Rücken und engagierte sich für die Haute Couture. In den 1980er-Jahren saß die Mutter zweier Söhne für die ÖVP im Nationalrat und war Bundesobmann-Stellvertreterin. 1995 wurde sie zur Präsidentin der Salzburger Festspiele ernannt. Ihr Vertrag läuft bis September 2017.

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