Heiße Ware

Er stahl europaweit 236 Bilder. Gelernt haben die Museen nichts daraus. Im Gegenteil. Die Sicherheitsvorkehrungen werden nach- lässiger, wie Kunstdieb Stéphane Breitwieser im FORMAT-Interview ankreidet.

Es war alles so einfach“, erinnert sich Stéphane Breitwieser an die Diebeszüge seiner aktiven Zeit. „Manche Museumsvitrinen wurden von nur einer einzigen Schraube gesichert, auch die Bilder aus ihrem Rahmen zu lösen nahm höchstens ein paar Sekunden in Anspruch. Von Kameras kaum eine Spur.“ Auf intelligente Sicherheitsvorkehrungen traf der Elsässer mit der fanatischen Liebe zur Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts selten, wenn er sich im Designeroutfit von Armani auf seinen Besuchstouren selbst die schönsten Geschenke machte. Getrieben von der Lust an Schönheit und Ästhetik und dem Thrill der Gefahr, hat der Meisterdieb modernen Zuschnitts im Zeitraum von 1994 bis 2001 236 Gemälde im Gesamtwerk von geschätzten 20 Mio. Euro für seine Privatsammlung erbeutet.

Eine Sammlung die sich sehen lassen konnte, auch wenn sie der ehemalige Kellner mit abgebrochenem Jura-Studium – nur für sich selbst zugänglich – im Haus seiner Mutter hortete. Ob bei Antiquitätenmessen, Auktionshäusern, in Museen, Schlössern oder Kirchen, Breitwieser trug europaweit zusammen, was er für gut befand, stahl Brueghel ebenso wie Cranach, Statuen, Silber, Porzellan und antike Waffen. Als er verhaftet wurde, warf die Mutter „den Krempel“ in den Rhein-Rhône-Kanal, um den Sohn zu schützen. Ein folgenschwerer Fehler. Ein Teil konnte gerettet werden. Für die Restsumme von drei Mio. Euro wird Breitwieser bis an sein Lebensende nicht aufkommen können. Nach vier Jahren Gefängnis im Oktober 2005 entlassen, verkauft er heute auf einem Bauernhof in der Nähe von Straßburg Obst. Um endlich das Kapitel Meisterdieb abzuschließen, hat er ein Buch geschrieben, das am 5. 10. auf Deutsch erscheint. FORMAT hat den 36-jährigen spleenigen Kunstliebhaber in Straßburg zum Interview getroffen. Er weine noch jetzt über die verlorene Sammlung.

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Abrechnung: Stéphane Breitwiesers Buch „Bekenntnisse eines Kunstdiebes“ erscheint am 5. 10. bei Bertelsmann (€ 20,60) und erweist sich weniger als literarisches Werk denn als unglaubliches wie minutiöses Protokoll seiner Diebeszüge.

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