Hans Peter Haselsteiner: "Die Menschen werden verhetzt“

Hans Peter Haselsteiner: "Die Menschen werden verhetzt“

Hans Peter Haselsteiner: "Das ungelöste Asylthema ist eine Verfallserscheinung, eine Schande und eine Gefahr für die europäische Einigung."

Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner über das endlose griechische Drama, warum ein Grexit besser gewesen wäre und warum die ungelöste Asylfrage eine Schande für Europa ist. Der Aufstieg der extremen Rechten werde so nur beschleunigt.

FORMAT: Herr Haselsteiner, Europa befindet sich im Umbruch. Das Asylthema und die Griechenland-Krise verschärfen die Diskussion um eine geeinte Union. Sind wir jetzt endgültig im Zeitalter der Entsolidarisierung angelangt?
Hans Peter Haselsteiner: Man muss wieder einmal darauf hinweisen, dass die Sünden der Griechen in der Vergangenheit liegen, und dass sie einer korrupten und unfähigen politischen "Elite“ aufgesessen sind. Im Prinzip haben sich die Politiker durch extreme Staatsverschuldung ihre Macht erkauft und ihre Wähler korrumpiert. Dafür müssen die Bevölkerung, aber auch kommende Generationen die Rechnung bezahlen. Jetzt sitzen die Griechen einem Populisten auf, der ihnen weismachen will, dass man ohne Medizin gesunden kann, weil die "Heilkräfte des Kosmos“ entsprechend wirken. Wenn dieser Schwindel auffliegt, wird es ein böses Erwachen geben.

Die europäischen Gläubiger werden aber auch schmerzliche Einbußen hinnehmen müssen.
Haselsteiner: Die europäischen Gläubiger wollten ja eine Lösung. Und es lag nicht in ihrem Interesse, diese gewaltigen Summen wertberichtigen zu müssen. Bei einem Grexit ist dieses Szenario leider unabdingbar, es sei denn, es geschieht ein Wunder.


Bei einem Grexit hätte sich die Brutalität auf wenige Monate erstreckt. Die jetzige Lösung bedeutet jahrelanges Leiden für die Griechen.

Nach den Marathonverhandlungen in Brüssel hat Alexis Tsipras dem harten Sparpaket zugestimmt. Ist es zu brutal
Haselsteiner: Für die Griechen ist beides gleich grausam, ob sie die Sparauflagen erfüllen oder sich vom Euro verabschieden. Bei einem Grexit würde sich die Brutalität allerdings nur auf einige Monate erstrecken, dafür wären die Griechen die Schulden los, und das würde einen Neustart erlauben. Die jetzt ins Auge gefasste Lösung bedeutet ein jahrelanges Leiden.

Die Solidarität mit den ärmeren EU-Ländern wird aber immer häufiger infrage gestellt.
Haselsteiner: Das ist richtig. Es wird immer schwieriger werden, die Bevölkerung wohlhabender Länder zu überzeugen, dass es auch in ihrem eigenen Interesse liegt, Europa als Ganzes zu erhalten und damit auch zumindest teilweise zu finanzieren.


Das ungelöste Asylthema ist eine Verfallserscheinung, eine Schande und eine Gefahr für die europäische Einigung

In Österreich wie in anderen Ländern ist ein Rechtsruck spürbar. Warum bekommt die FPÖ momentan so viel Zulauf?
Haselsteiner: Die Menschen werden in Österreich von den rechten Populisten verhetzt wie die Griechen von den Linken. Sie schüren die Neiddebatte, verbreiten ökonomischen Stumpfsinn und hetzen gegen Minderheiten. Aber leider haben sie trotzdem "Gläubige“.

Zur Person

Hans Peter Haselsteiner ,71, ist ein österreichischer Industrieller und ehemaliger Politiker (LIF). Bis 2013 war er Vorstandsvorsitzender des Strabag-Konzerns. Aktuell ist der Unternehmer Gesellschafter der Baufirma Breg, der Mölltaler Gletscherbahnen und der Sol-IT - Solutions & IT GmbH sowie Miteigentümer der Westbahn.
Weniger bekannt ist, dass sich Haselsteiner für Obdachlose einsetzt. Er ermöglichte u. a. Wohnungen für die VinziRast, seine Privatstiftung finanziert Sozialzentren für notleidende Menschen in Österreich und Moldawien, und er rettete das Flüchtlingsprojekt von Ute Bock.

=> Lesen Sie das ganze Interview im FORMAT Nr. 29/30 2015
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