Handel: Tchibo röstet auf

Mit Young Fashion und Tchibo-Handys soll auch die Käuferschicht verjüngt werden. Echte Tchibo-Junkies, und die gibt es, warten nicht, bis es einen Spargeltopf aus Edelstahl zum Preis von 16,99 in den Filialen gibt. Sie bestellen das gute Stück lieber vorher über die Homepage.

Diese Intensivkäufer – von den Marketingleuten des Tchibo-Konzerns „Lover“ genannt – stöbern schon Tage vorher im Netz, um ja kein neues Angebot zu verpassen. Und die Angebote des einstmals reinen Kaffeerösters werden immer umfangreicher: von Haushaltsartikeln über Elektrogeräte, Bekleidung bis hin zum Auto. Unter der Marke TCM verkauft Tchibo mittlerweile rund 2.000 verschiedene Artikel in einer Stückzahl von mehr als 600 Millionen jährlich in ganz Europa. Trotz Internet hauptsächlich in den 54.000 Verkaufsstellen.
Neben dem Kaffeegeschäft betreibt der Multi mit Stammsitz in Hamburg seit drei Jahrzehnten erfolgreich diese Non-Food-Schiene. Derzeit stehen wieder einmal gleich mehrere Innovationen gleichzeitig ins Haus: Tchibo bietet erstmals Young Fashion an, testet den Verkauf von Kosmetikartikeln, verspricht den günstigsten Handytarif und macht Nestlé mit Cafissimo-Kaffeemaschinen Konkurrenz.

Eduscho wird zu Tchibo. In Österreich ist eine weitere Revolution im Gang. Hierzulande gehören den Deutschen auch hundert Eduscho-Filialen, die bislang parallel liefen. Damit ist es vorbei. Sukzessive werden blau-goldene Tchibo-Geschäftsschilder auf die Eduscho-Shops montiert. In der Übergangsphase weist noch die Zusatztafel „Eduscho Röstkaffee Depot“ auf die Herkunft hin. Aber als Handelskette hat Eduscho ausgedient. Nur als Kaffeemarke bleibt der Name erhalten. „Die Veränderung findet an den Portalen statt“, erklärt
Harald J. Mayer, Tchibo-Geschäftsführer. Künftig gibt es in allen 160 heimischen Filialen Tchibo- und Eduscho-Kaffee.

Von Österreich nach Tschechien expandiert. Mit 365 Millionen Jahresumsatz zählt Österreich zu den stärksten Auslandsmärkten. Von Wien aus verantwortet Mayer auch das gesamte Geschäft in Zentral- und Osteuropa sowie der Schweiz. Vor ein paar Tagen wurde die weitere Expansion in Tschechien zelebriert. Mayer und Tchibo-Vorstandsmitglied Peter M. Wolf eröffneten Filialen in Prag und Brünn. Bis zu zehn tschechische Filialen pro Jahren sollen folgen.
Der Hamburger Kaffeeröster vermittelt mit seinen kleinen Filialen zwar den Eindruck, ein Nahversorger zu sein, zählt aber mit 3,8 Milliarden Euro Umsatz zu den größten Gebrauchsgüterhändlern Europas. Die Familie Herz, Alleineigentümerin von Tchibo, freut sich über rund zehn Prozent Umsatzmarge, was fast 400 Millionen Jahresgewinn ergibt. 75 Prozent des Profits und 60 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Non-Food-Bereich. Über eine Milliarde Euro wird allein mit Bekleidung erzielt. Beim Röstkaffee ist Tchibo mit einem Absatz von 310 Millionen Pfund der fünftgrößte Produzent weltweit.

Erdbeershakes, Young Fashion und Tchibo-Phone. „Jede Woche eine neue Welt“ lautete der Slogan, mit dem Produkte wie Laufbekleidung oder Gartengeräte unters Volk gebracht wurden. Jetzt startet man mit „Doppelwelten“. Jede Woche werden den Kunden künftig zwei Themen offeriert.
„Mit dieser Idee sparen wir Logistikkosten, verdoppeln im besten Fall den Umsatz und steigern unsere Margen“, erklärt Mayer.

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