Grünes Licht für den Lokführer

Der neue ÖBB-Chef Martin Huber in seinem ersten großen Antritts-interview: Er verteidigt die umstrittenen Frühpensionierungen und spricht über die Chancen einer ÖBB-Sanierung.

Format: Herr Huber, Sie treten am 2. November in den ÖBB an. Ihre Botschaft an Mitarbeiter, Kunden und Steuerzahler?
Huber: Die lautet recht simpel, dass wir ein Unternehmen sind, in dem der Kunde stärker im Vordergrund stehen muss. Und wenn die Bahn besser wird, profitiert auch der Steuerzahler.
Format: Bisher haperte es an der Kundenorientierung?
Huber: Diverse Studien haben das eine oder andere Manko aufgezeigt.
Format: Sind Sie sicher, unter Ihrer Führung die ÖBB-Sanierung zu schaffen?
Huber: Ich würde von Sanierung bei einem Unternehmen sprechen, das keine Chance mehr hat, Geld zu kriegen. Das ist bei uns nicht der Fall, weil der Staat als Eigentümer haftet. Ich bezeichne die Aufgabe positiv als Restrukturierung.
Format: Und die werden Sie schaffen?
Huber: Das hängt davon ab, inwieweit das Management in die Lage versetzt wird, nötige Maßnahmen umzusetzen ...
Format: Sie meinen von der Politik?
Huber: Ja. Läuft es ab wie in den letzten sieben Tagen, wird es schwierig. Das Thema Frühpensionierungen hat so polarisiert, dass nur noch davon die Rede ist.
Format: Es ist auch schwer einzu-sehen, wären Sie mit Ihren 44 Jahren bald einer der ältesten ÖBB-Mitarbeiter.
Huber: Ich bin nicht beleidigt, ironisch als Greis bezeichnet zu werden. Aber im Ernst: Es ist gar nichts entschieden. Frühpensionierungen sind eine von mehreren Möglichkeiten.
Format: Eine Möglichkeit, die Sie wohl keinesfalls durchbringen werden?
Huber: Politisch nicht. Rechtlich besteht sie, das möchte ich schon festhalten. Wenn sie nicht gewollt ist, muss die Politik sie abschaffen. Die Bahnvorstände sind dem Aktienrecht verpflichtet. Und das schreibt vor, ich muss das Unternehmen betriebswirtschaftlich führen. Wenn es keine Kündigungsmöglichkeit gibt, muss mir erlaubt sein, über legale Alternativen nachzudenken.
Format: Finanz- und Infrastrukturminister haben Frühpensionierungen dezidiert ausgeschlossen?
Huber: Die Restrukturierung der ÖBB ist Auftrag an den Vorstand. Das kostet in jedem Fall Geld – am meisten in der derzeitigen Situation.
Format: Meinen Sie nicht, dass die verheerende Wirkung, die eine solche Aktion in der Bevölkerung haben würde, der Preis ist für wirtschaftliche Vorteile (Pensionisten sind billiger)?
Huber: Ich verstehe, dass es ein hochsensibles Thema ist. Ob sie diesen Preis zahlt, muss sich die Politik überlegen. Ich meine: Wer A sagt, soll auch B sagen. Wer eine sinnvolle Bahnreform will, muss auch die Maßnahmen dazu wollen.
Format: Vielleicht hätten Sie das Thema nach dem 1. Jänner 2005 angehen sollen, wenn Frührenten für den Finanzminister um 15 Prozent billiger werden?
Huber: Wir haben nie gesagt, das heuer ruck, zuck über die Bühne bringen zu wollen. Wir haben schlicht nachgedacht, weil die Businesspläne für 2005 anstehen.

Das komplette Interview lesen Sie im neuen FORMAT

Verleihung des trend Austrian Financial Communications Award 2017. V.l.n.r: Franz C. Bauer (trend), Willy van Riet (Finanzvorstand Wienerberger), Klaus Ofner (IR-Chef Wienerberger) und Henning Zülch (Leipzig Graduate School of Management).

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