Grasser: "VP ist einzige stabile Kraft"

Regierungsbildung: Finanzminister Karl-Heinz Grasser über seinen Austritt aus der FPÖ, die gute Zusammenarbeit mit dem neuen Mentor Wolfgang Schüssel und das Unbegreifbare an Jörg Haider.

Format: Der Wiener „Falter“ hat Sie im jährlichen Ranking „Best of Böse“ zum bösesten Österreicher 2002 gekürt. Kränkt Sie das?

Grasser: Ich lese den „Falter“ nicht und fasse die Nachricht daher mit einer gewissen Gelassenheit auf.

Format: Auch bei vielen ehemaligen Parteifreunden haben Sie ein Imageproblem. Wie gehen Sie mit dem Ruf um, ein politischer Überläufer zu sein?

Grasser: Es gibt doch kein Überläuferimage. Im Gegenteil: Ich sehe eine Stärkung meiner politischen Unabhängigkeit, auf die ich immer besonders Wert gelegt habe. Ich habe jetzt einen neuen Status in der Innenpolitik bekommen, im tagtäglichen Geschäft ist es aber ein wenig schwieriger geworden. Viele Freiheitliche gehen nach wie vor freundschaftlich mit mir um, andere verstehen meinen Schritt bis heute nicht.

Format: Sie haben jetzt zweimal mit den Ex-Kollegen aus der FPÖ verhandelt. Wie war die Stimmung?

Grasser: Es ist von Person zu Person verschieden. Jeder weiß, daß ich mit Thomas Prinzhorn und Hubert Gorbach befreundet bin. Wahre Freundschaft kennt keine parteipolitischen Grenzen.

Format: Stimmt es, daß Prinzhorn Ihnen sogar zum Seitenwechsel geraten hat?

Grasser: Darüber will ich nicht reden. Ich habe nicht den Nationalratspräsidenten Prinzhorn, sondern den persönlichen Freund Prinzhorn um Rat gefragt. Den hat er mir immer gegeben. Aber das ist eine private Angelegenheit.

Format: Wie haben Ihre FPÖ-Feinde in den Verhandlungen reagiert?

Grasser: Es hat keine negative, emotionale Debatte gegeben, es wurde sehr konstruktiv verhandelt.

Format: Keine zynischen Bemerkungen?

Grasser: Auch das nicht, nicht einmal einen sarkastischen Schmäh. Im Gegenteil: Herbert Haupt hat sich für die freundschaftliche Art der Verhandlungen bedankt. Wir verstehen uns im Grundsatz sehr gut. Nur ein Beispiel: Am Wahltag hat Haupt im Fernsehen einen sehr klaren Trennstrich zu mir gezogen, wollte mich sogar aus der Partei ausschließen. Drei Tage später hat er um ein Gespräch gebeten. Statt, wie ich geglaubt habe, alle Details meines Ausschlusses zu bereden, haben wir eine dreiviertel Stunde sehr freundschaftlich über seine Probleme geplaudert.

Format: Womit erklären Sie sich diesen Gesinnungswandel? Will die FPÖ um jeden Preis in eine Regierung?

Grasser: Ich habe die Reaktionen auf meine Entscheidung immer sehr irrational gefunden. Es ist hoch absurd, wenn einige langjährige Weggefährten jetzt so tun, als ob man sich mit mir nicht mehr an einen Tisch setzen könnte.

Format: Ihre FPÖ-Mitgliedschaft ist momentan ruhendgestellt. Werden Sie jetzt einen klaren Schritt setzen und austreten?

Grasser: Es wird eine konstruktive Lösung mit Herbert Haupt geben.

Format: Werden Sie Mitglied der ÖVP werden?

Grasser: Sicher nicht.

Format: Mitglied eines VP-Bundes?

Grasser: Nein. Jeder weiß, daß mir Parteipolitik fremd ist.

Format: Es gab das Gerücht, Sie würden nach Ihrem Rücktritt mit einer eigenen Partei in den Wahlkampf ziehen. Stimmt das?

Grasser: Das war eine sehr ernste Überlegung. Es gab aus Wirtschaftskreisen ausnehmend großzügige Finanzierungsangebote für einen solchen Schritt. Da ging es um einige Millionen Euro. Ich habe mit einigen Freunden darüber ausführlich diskutiert und mich schließlich entschieden, es nicht zu machen.

Format: Warum?

Grasser: Der Reiz war, eine fünfte Partei nachhaltig zu etablieren. Eine wirtschaftsliberale Partei würde diesem Land sehr gut tun. Auf der anderen Seite war die Zeit für eine optimale Vorbereitung viel zu kurz. Dazu war natürlich unklar, ob es mit einer solchen Partei gelingen würde, tatsächlich in Regierungsverantwortung zu kommen. Mich hat Opposition noch nie interessiert, denn nur in der Regierung kann man gestalten und verändern, sonst nicht. Weiters hätte ich mit einer Parteigründung die FPÖ nur zusätzlich gereizt, und es wäre zu dramatisch-emotionalen Reaktionen gekommen. Das wollte ich mir und meiner Familie nicht antun.

Interview: Klaus Dutzler, Andreas Weber

Das ausführliche Interview lesen Sie im neuen FORMAT.

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