Goldgrube oder Bruchbude?

Nach der Petrom-Übernahme durch die OMV fragen sich Fondsmanager und Anleger, wie viel der heimische Ölkonzern nach diesem Deal wert ist.

Blitzlichtgewitter im Prunksaal des rumänischen Regierungspalastes.

Kurz zögert die Hand, dann zieht sich der Namenszug „Wolfgang Ruttenstorfer“ unter das dicke Vertragskonvolut. „Wenn man die Größe der Transaktion sieht, dann ist das sicherlich die wichtigste Unterschrift meiner Karriere“, konstatiert der OMV-General, als am vergangenen Freitag der spektakulärste Deal der österreichischen Industriegeschichte perfekt gemacht wurde.

Der heimische Mineralölkonzern übernahm um insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro die Mehrheit an der rumänischen Petrom, dem größten rumänischen Ölkonzern, der bislang zu 92 Prozent im Staatsbesitz stand. Der OMV ist damit gelungen, was die Langfriststrategie des Unternehmens auch dringend erforderte: eine bedeutende Übernahme in Osteuropa.

Schwierige Restrukturierung. Doch schon im Vorfeld des Takeovers gab es auch immer wieder warnende Stimmen, die auf den großen Restrukturierungsbedarf bei der Petrom hinwiesen. Ist der rumänische Konzern vielleicht doch eine Bruchbude und nicht die erhoffte Goldgrube? Und lohnt es sich jetzt noch, OMV-Aktien zu kaufen, um von dem Deal zu profitieren?

Die Börse als basisdemokratische Ausformung des Kapitalismus hat darauf – zumindest kurzfristig – eine klare Antwort gegeben: Seit die OMV im Mai von der rumänischen Regierung zum exklusiven Verhandlungspartner erkoren wurde, stieg der Kurs der Aktie von etwa 140 Euro um 31 Prozent auf zuletzt 184 Euro an. Doch darüber, ob die Rally weitergeht, gibt es unter Experten unterschiedliche Auffassungen.

„Die Petrom-Übernahme ist ein Meilenstein für die OMV, aber wie sich der Kurs weiter entwickelt, wird vor allem von der Art der Finanzierung abhängen“, analysiert Friedrich Erhart, auf österreichische Aktien spezialisierter Fondsmanager der Capital Invest. Dazu hat sich OMV-Finanzchef David Davis bislang nichts Konkretes entlocken lassen. Sollte die Finanzierung über eine Kapitalerhöhung erfolgen, rechnet Erhart mit Kursrückgängen. „Die Transaktion ist für die OMV von größter strategischer Bedeutung und langfristig sicherlich der richtige Weg“, meint
Wolfgang Matejka, Veranlagungschef der Meinl Bank, „aber die Petrom hat eben alle Nachteile staatlicher Unternehmen in Osteuropa wie veraltete Technologie und absurd hohe Mitarbeiterzahlen. Das muss man erst in den Griff bekommen.“

Tatsächlich sind die Dimensionen abschreckend: Mit 57.000 Mitarbeitern ist Petrom der größte Arbeitgeber des Landes. ZumVergleich: Die OMV hat 6.100 Beschäftigte. Und auch wenn diese Zahlen nicht ganz vergleichbar sind (siehe nebenstehendes Interview), so geben sie doch einen Eindruck von der Dimension der Aufgabe, der sich Ruttenstorfer und Kollegen gegenübersehen.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: OMV-Aktie günstiger als die meisten Konkurrenten
PLUS: OMV-Chef Ruttenstorfer zur Petrom-Übernahme.

13 Coaching-Mythen

13 Coaching-Mythen: #3 Hirnnutzung

13 Coaching-Mythen: #2 Der Frosch im Topf

13 Coaching-Mythen

13 Coaching-Mythen: #2 Der Frosch im Topf

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller und der "Sedric", der vollelektrisch und autonom fahrende Minivan.

Auto & Mobilität

Elektro-Schock: VW investiert 70 Milliarden Euro in die E-Zukunft