Gleichstellung von Patienten und Pflegepatienten

Die ÖVP und immer mehr Bundesländer sind mit Erwin Buchingers Pflegefinanzierungsmodell unzufrieden. Macht eine Versicherung Sinn?

Wer Patient in Österreich ist, zahlt zwar zwanzig Prozent Selbstbehalt, wiewohl er vorher schon Kassenbeiträge und Steuern gezahlt hat, aber er kann dann das ambulante und stationäre System aufsuchen, wenn er es braucht. Wer zum Pflegepatienten, zum „Austherapierten“ erklärt wird, ist entsichert, zahlt bis zu achtzig Prozent Selbstbehalte. Er muss damit rechnen, dass man hinter seinem Ersparten, seiner Eigentumswohnung her ist, und er muss sich, wiewohl hochbetagt und in Not, zum Manager seines Gebrechens machen.

Wer kommt, wer hilft, wer betreut, was kostet das, wer unterstützt mich, wo rufe ich an, wo melde ich mich an? Bisher war alles klar, jetzt ist alles unklar. Sie sind aus den klaren Versorgungsstrukturen wie Hausärzten und Spitälern draußen, die unbekannten neuen Helfer machen Angst. Was soll ich, mit wem, und bei wem soll ich?

Die Angehörigen, so es sie gibt, versuchen zu helfen. Auch sie betreten das Neuland von Pflege und Betreuung. Hat man die bürokratischen Hürden mit dem Pflegegeld gemeistert, den wortkargen Gutachter hinter sich gebracht und landet in Stufe 1 mit satten 148 Euro für fünfzig Stunden Pflege, geht sich ein Stundenlohn von 2,80 Euro für den Helfer aus. Dafür arbeitet niemand im Land.

Die Sanierung des Schwarzmarkts mit neuen bürokratischen, unklaren Regeln wird niemals gelingen. Erst die Einführung einer in der Verfassung garantierten Pflege und Betreuung für alle Alten, finanziert aus vermögensabhängigen Steuern, wie Schule und Gesundheitssicherung vom Bund organisiert, dazu die längst fällige Unterstützung der 400.000 pflegenden Frauen, fast alle ohne Einkommen und unterversichert, bringt Ruhe und Sicherheit für Pflegende und Gepflegte.

Beendet das Ausräubern hilfsbedürftiger Alter knapp vor dem Tod, das Schnüffeln in ihren Ersparnissen. Stattdessen: eine Gleichstellung von Patienten und Pflegepatienten durch die Schaffung einer sozialstaatlichen Pflegesicherung. Das ist ein würdiger Umgang mit dem Alter.

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