Glamour fürs Volk: H&M-Lagerfeld-Coup

Die Nachfrage nach der Lagerfeld-Kollektion für H&M brachte einen PR-Schub im Wert von 30 Millionen. Jetzt kommt Nachschub aus Slowenien.

Der Kaiser ist verstimmt. Dass der schwedische Textilriese Hennes & Mauritz seine eigens fürs breite Volk entworfene Luxuslinie in nicht einmal der Hälfte der weltweit über 1.000 Filialen angeboten hat, sei „peinlich“, so Karl Lagerfeld. „Das finde ich nicht nett, besonders den Kunden in kleinen Städten gegenüber. Das ist Snobismus im Anti-Snobismus“, sagte der Starschneider in einer ersten Reaktion auf den Massenansturm auf seine Kollektion.

Nicht weniger unangenehm ist ihm die Eigenmächtigkeit der Schweden bei der Anpassung seiner extrem körpernahen Schnitte an Durchschnittsleiber. „Was ich entworfen habe, ist eine Mode für schmale, schlanke Leute“, so der 65-jährige Deutsche, der selbst vor drei Jahren 42 Kilo abnahm, um besser in die hautengen Hosen seines Designerkollegen Hedi Slimane zu passen.

Die Bestseller sind ausverkauft. „Wir leben in der Realität und nicht am Laufsteg“, kontert H&M-Österreich-Chefin Claudia Oszwald die Vorwürfe Lagerfelds, kleine Konfektionsgrößen einfach größer gemacht zu haben. Genau eine Woche nach den tumultartigen Szenen am Erstverkaufstag der 30-teiligen Lagerfeld-Kollektion hat Oszwald andere Sorgen. Sie versucht unter Hochdruck, für die Wiener City-Filialen Restbestände aus anderen Zweigstellen und Slowenien herbeizuschaffen. Aussichtslos sind diese Bemühungen bei den Bestsellern der Kollektion, dem schwarzen Blazer, den Blusen und dem T-Shirt mit dem stilisierten Konterfei von „Kaiser Karl“. Diese Teile waren binnen Minuten überall ausverkauft.

Der Erfolg habe alle Erwartungen übertroffen und für ein vorweihnachtliches Umsatzplus im bisher stagnierenden Geschäftsjahr gesorgt, so Konzernsprecher Mathias Geduhn. Exakte Angaben zu Stückzahlen und Umsatz werde die AG aber erst im nächsten Finanzbericht darlegen.

Obwohl H&M-Officials zunächst verlauteten, die Kollektion sei ein einmaliges Highlight, überraschte der Sprecher der deutschen Zentrale Mittwochabend mit der Ankündigung, das besonders beliebte T-Shirt (14,90 Euro) werde neu aufgelegt. Ein Entschluss, der die Interessen von eBay-Spekulanten grob stören dürfte: Im Internet-Auktionsforum finden sich derzeit die ausverkauften Stücke mit teilweise sattem Preisaufschlag, insbesondere das speziell fürs H&M-Verkaufspersonal gefertigte schwarze T-Shirt avancierte über Nacht zum Kultobjekt. „Das ist das Beste, das uns passieren kann“, freut sich Oszwald. Für eine Werbekampagne, die diesen Effekt erzielt, müsste der bisher als frecher Prêt-à-porter-Kopist verschrieene Textildiskonter 30 Millionen Euro hinblättern, schätzen Marketingexperten.

Und auch der Meister selbst profitiert vom Schulterschluss mit H&M: Der Designer, der mit seinen Nobelmarken Chanel, Fendi und Lagerfeld Gallery exklusive Modelle für Eliten entwirft, wird nun millionenfach getragen, noch dazu von einer Generation, die 30 Jahre jünger ist als Lagerfeld und sich aus dem Hause Chanel allenfalls einen Lippenstift leisten kann.

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