Gesichter des Aufschwungs: Der neue Gründer-Boom

28.000 neue Firmen in einem Jahr – noch nie wagten so viele Österreicher den Sprung in die Selbständigkeit: Die große Gründerwelle, ihre Chancen, ihre Risiken.

Roland Hofstätter ist der geborene Spieler. Und Roland Hofstätter hatte einen Traum: „Immer schon wollte ich mein eigenes Spiel entwickeln, das Spiel, in dem all das drin ist, was ich mir vorstelle, das Spiel der Spiele.“

Irgendwann entwarf er es am Reißbrett, doch in seinem Arbeitseifer schlug die Phantasie Purzelbäume: Da ein Schuss Monopoly, dort eine Prise Schach, dazu ein Quäntchen Skat – doch herausgekommen ist nur Hofstätters ganz persönliches Mensch ärgere Dich nicht: „Was ich mir da zusammengebastelt hatte, war so komplex, dass es absolut unspielbar war.“ Konsequenz: Hofstätter machte es einfach (und) besser – seine Spiele wurden zu preisgekrönten Erfolgen. Inzwischen ist der studierte Historiker Österreichs erfolgreichster Spieleautor sowie Eigentümer und Begründer von „White Castle Games“. Roland Hofstätter ist seine eigene Marke.

Brigitte Winkler-Lüth stand vor zwei Jahren am Scheideweg: „Ich fühlte mich in meinen vorigen Jobs wie ein Hamster im Rad. Ich lief und lief und kam nicht mehr weiter.“ Sie wollte sich verändern, musste aber erkennen, dass der Job, von dem sie träumte, einfach nicht existierte. Also schuf sie sich ihren Arbeitsplatz in Eigenregie – und machte sich als Beraterin für interkulturelle Kommunikation selbständig: Inzwischen trainiert sie Führungskräfte, etwa von Generali oder Alcatel Austria, im Umgang mit fremden Kulturen oder hält Vorträge an Fachhochschulen und Höheren Handelsschulen.

Der Spieleonkel und die Multikulti-Tante haben es vorgemacht: Sie sind ins kalte Wasser gesprungen und haben ein eigenes Unternehmen gegründet. Trotz aller anfänglichen Widrigkeiten – einig sind sich beide: „Es war der richtige Schritt, und ich will um keinen Preis mehr zurück.“

Hofstätter und Winkler-Lüth sind das Beispiel, das derzeit in Österreich Schule macht: Die rezessionsbedingte Katerstimmung ist vorbei, trotz Konjunkturflaute boomen die Unternehmensgründungen. Nie zuvor wurden so viele Firmen aus dem Boden gestampft wie im ersten Halbjahr 2003.
Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 14 Prozent auf 14.752. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2003 macht das 28.445 neue Mittel-, Klein- und Kleinstfirmen.

Markantes Detail: Parallel zum Anstieg der Gründungen ist auch der Anteil der Unternehmenspleiten zurückgegangen. „Wir haben deutlich mehr Geburten und weniger Sterbefälle“, resümiert Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Ermutigendste Zahl zur neuen Gründerzeit: „Die jungen Betriebe werden für 30.000 neue Arbeitsplätze in Österreich sorgen“, verspricht Leitl.

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