Germanwings-Absturz: Copilot brachte Maschine auf Todeskurs

Germanwings-Absturz: Copilot brachte Maschine auf Todeskurs

Unglücksflug 4U9525: Von den 150 Menschen an Bord des Airbus A320 der Germanwings hat niemand überlebt.

150 Menschen an Bord des Germanwings-Flugs 4U9525 von Barcelona nach Düsseldorf sind beim Absturz der Maschine vom Typ Airbus A320 über Südfrankreich ums Leben gekommen. Das Flugzeug wurde nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen vom Copilot auf Sinkflug und vermutlich mit Absicht auf Todeskurs gebracht.

Am Donnerstagmittag wurden erste Details zum Absturz der Germanwings-Maschine des Fluges 4U9525 bekannt gegeben. Nach ersten Auswertungen des Voice Recorders soll der Co-Pilot das Flugzeug bewußt auf Sinkflug eingestellt haben, wurde in einer Pressekonferenz am Donnerstagmittag bestätigt. Zuvor hatte der Pilot das Kommando an den Copiloten übergeben und das Cockpit verlassen. Kurz danach war das Flugzeug vom Co-Piloten auf Sinkflug gebracht worden.

Laut Aufzeichungen auf dem Voice Recorder hat der Pilot versucht wieder ins Cockpit zurückzukehren, der Copilot das allerdings verhindert. Auch nach den Klopfzeichen des Piloten wurde die Tür zum Cockpit nicht geöffnet.

Hintergrund: Cockpit-Türen sind besonders stabil und können von außen nur durch Eingabe eines Codes geöffnet werden, der nur der Besatzung bekannt ist. Die Eingabe des Codes aktiviert eine Kamera zur Identifizierung und einen Alarm im Cockpit. Der Pilot hat 30 Sekunden Zeit, um das Öffnen der Tür zu blockieren, indem er einen 'deny'-Knopf drückt, der den Zugang zum Cockpit verhindert."

Der Copilot soll bis zum letzten Moment vor dem Absturz der Maschine "schwer geatmet haben", hieß es bei der Pressekonferenz des untersuchenden Staatsanwalts Brice Robin. Was bedeutet, dass der deutsche Copilot bis zuletzt am Leben war. Gesprochen hat er nicht mehr, obwohl neben der Flugsicherung auch andere um Kontaktaufnahme mit der Germanwings-Maschine bemüht waren.

Im letzten Abschnitt der Aufzeichnung sei ein Alarm zu hören gewesen, offenbar durch die Annäherung an den Boden, auch eine Art Einschlag, weil die Maschine möglicherweise einen Berg streifte. Zuletzt seien Schreie zu vernehmen gewesen.

Absichtlicher Absturz

"Es sieht so aus, als ob der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat", erklärte der Staatsanwalt. Hinweise auf einen terroristischen Anschlag gebe es nicht. Die Motive des 28-jährigen Copiloten sind unklar. Auf Facebook reagierte Germanwings mit dem Posting:

Uns sind die schockierenden Aussagen der französischen Behörden seit kurzem bekannt, in denen berichtet wird, dass der...

Posted by Germanwings on Thursday, March 26, 2015

Verkehrspiloten werden nur zu Beginn ihres Berufslebens intensiv auf ihre psychische Eignung und Stabilität getestet. Es gibt jedoch klare Vorgaben an die Crews, auffälliges Verhalten bei Kollegen zu melden. Die Beschäftigten sind angehalten, schon bei kleinsten Anzeichen etwa von Alkoholismus, Depressionen oder psychischer Instabilität Alarm zu schlagen. Selbst beim Briefing vor dem Start kann der Kapitän noch jedes Besatzungsmitglied vom Flug ausschließen, wenn es sich auffällig verhält. Auch ein Co-Pilot hat das Recht, den Kapitän abzulehnen.

Der 28-Jährige Copilot. sei zu 100 Prozent flugtauglich gewesen, ohne Einschränkungen und Auflagen, sagte Lufthasa Vorstandschef Carsten Spohr, er habe alle Tests und Prüfungen bestanden: "Wir haben keinerlei Erkenntnis, was den Kopiloten zu dieser schrecklichen Handlung veranlasst haben könnte." Für Spohr ist es "das furchtbarsten Ereignis in unserer Unternehmensgeschichte".

Mehrere Fluglinien, darunter Easyjet, Norwegian Air Shuttle und Air Canada wolen als Folge des Unglücks ihre Vorschriften ändern. Künftig sollen zu jeder Zeit mindestens zwei Personen im Cockpit sein müssen.

Ermittlungen laufen

Noch am Donnerstag haben Ermittler mit der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung des verdächtigen Germanwings-Copiloten begonnen. Sie betraten am Donnerstag das Haus am Stadtrand, in dem er gewohnt hat. Grundlage ist ein Ersuchen der französischen Justiz.

Auch die Luftaufsicht gab unterdessen bekannt, dass bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des Copiloten keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. Zuletzt sei dem 28-Jährigen Ende Jänner bescheinigt worden, dass keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte gegen ihn vorliegen. Auch bei den vorherigen zwei Überprüfungen blieb Andreas L. ohne jede belastende Erkenntnis.

Eine Videobotschaft unseres Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr. #indeepsorrow

Posted by Lufthansa on Wednesday, March 25, 2015

Video-Botschaft von Lufthansa Vorstandschef Carsten Spohr

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat davor gewarnt, den Absturz der Germanwings-Maschine bereits als Selbstmord des Kopiloten einzustufen. Bei den neuen Erkenntnissen der Ermittler handle es sich um "einen ersten Zwischenbericht", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg dem "Handelsblatt" (Online-Ausgabe) am Donnerstag. "Viele Fragen sind noch offen." So sei noch nichts über den technischen Zustand des Flugzeugs bekannt. "Aus unserer Sicht sind noch andere Möglichkeiten als Vorsatz denkbar. Deshalb brauchen wir eine Auswertung des Flugdatenschreibers", mahnte Handwerg vor vorschnellen Schlüssen.

Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO e.V. erklärte hingegen, sie habe "keine Erkenntnisse, die der Darstellung der Staatsanwaltschaft in Frankreich entgegenstehen". In einer Mitteilung der Flugbegleitergewerkschaft hieß es: "Es muss also davon ausgegangen werden, dass tatsächlich dieses Einzelschicksal, über dessen Hintergründe noch nichts bekannt ist, zu dieser Tragödie geführt hat."

Beim Absturz des Airbus A320 der zur Lufthansa gehörenden deutschen Fluggesellschaft Germanwings sind alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Trümmer der Maschine, die auf dem Weg von Barcelona in Spanien nach Düsseldorf war, wurden weit verstreut in den südlichen Alpen in der Region von Barcelonnette gefunden.

Unter den Opfern sind 67 Deutsche und zwei Babys. Auch eine deutsche Schülergruppe war an Bord. In der Maschine waren weiters sechs Besatzungsmitglieder - zwei Piloten und vier Flugbegleiter.

Nach Informationen der Website Airfleets.net war die Unglücksmaschine vom Typ A320 am 6. Februar 1991 an die Lufthansa ausgeliefert worden.

Geflogen wurde die Maschine von einem erfahrenen Piloten, der seit über zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings im Einsatz war. Er absolvierte 6.000 Flugstunden mit dem Airbus. Die Maschine flog Dienstag früh mit 122 Passagieren von Düsseldorf nach Barcelona. Um 10.01 Uhr startete der Flug von Spanien zurück nach Deutschland.

Die Maschine erreichte ihre reguläre Reiseflughöhe von 12.000 Metern, behielt diese aber nicht einmal eine Minute bei. Um 10:45 Uhr ging sie direkt nach dem Aufstieg wieder in den Sinkflug über. Weshalb, ist unklar. Die Piloten haben bei der Flugsicherung weder das Verlassen ihrer Flughöhe beantragt noch setzen sie einen Notruf ab. Um 10:53 Uhr riss der Kontakt zu den Piloten ab. Die Maschine befand sich zu dem Zeitpunkt noch auf einer Höhe von 6000 Fuß (knapp 2000 Meter). Kurz danach stürzte sie in den französischen Alpen, etwa 100 Kilometer nördlich von Nizza, in unwegsamem Gebiet ab.

Vor der Germanwings-Zentrale am Flughafen Köln Bonn wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt, Mitarbeiter zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder.

Germanwings (Airline-Code 4U) wurde 2002 gründet. Mit der Billigtochter will die AUA-Mutter Lufthansa die Low-Cost-Carrrier wie Ryanair oder EasyJet in Schach halten. 2013 wurden alle Lufthansa-Direktverbindungen abseits der Drehkreuze München und Frankfurt zu Germanwings verlagert. Für 2015 wollte die Lufthansa im Europaverkehr abseits der Drehkreuze schwarze Zahlen schreiben.

Die Flotte von Germanwings besteht aus rund 60 Flugzeugen der Airbus A320-Familie. Dazu kommen rund 20 Regionaljets des Typs Bombardier CRJ900, die von Eurowings geflogen werden. Auch um Druck auf die streikfreudigen Lufthansa-Piloten auszuüben, plant der größte Luftfahrtkonzern Europas derzeit, das "Wings"-Konzept auszubauen. In Wien sollen für Eurowings im Herbst zwei A320-Maschinen stationiert werden.

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