Gerichtsshow des Jahres: Bawag-Prozess. Gerichts-Fahrplan. Flöttls neueste Aussagen.

Der Bawag-Gerichtsakt umfasst über 60 Bene-Ordner und mehr als 70.000 Seiten. Auf der Anklagebank: Maximal zehn Jahre Gefängnis stehen auf Betrug, Untreue bzw. Beihilfe, ein Jahr auf Bilanzfälschung

Joggen viermal in der Woche, ausreichend Wasser trinken und gesunde Ernährung – so das Fitnessprogramm von Ernst Schillhammer. Der Strafverteidiger von Ex-Bawag-IT-Vorstand Josef Schwarzecker trainiert seit knapp zwei Monaten für den Vienna City Marathon im April 2008. Für den am Montag beginnenden Bawag-Prozess ist das kein Nachteil. Ein gesunder Verstand in einem gesunden Körper, oder wie Juristen gerne zitieren: „Mens sana in corpore sano.“ Schillhammer: „Ab nächster Woche ist totale Konzentration gefordert. Wenn man körperlich fit ist, geht alles leichter.“

Sein Berufskollege Gerald Toifl, der Ex-Bawag-Boss Johann Zwettler durch das Verfahren boxen soll, erwartet sich paradoxerweise vom Prozess mehr Lebensqualität. Toifl: „Auf mich wirkt es entspannend, mehrere Wochen hindurch nur für einen einzigen Klienten verfügbar zu sein.“ Ein Prozesstag werde mit sieben Stunden veranschlagt. „Da geht sich nicht viel nebenbei aus“, meint Toifl. Wie er sich vorbereite? „In die relevanten Teile des Gerichtsakts sind wir bereits eingelesen.“ Das schließt auch seinen Mandanten ein: „Herr Zwettler hat sich penibel vorbereitet, alle Akten genau studiert.“ In einem Verfahren, das sich um dubiose Stiftungen in Liechtenstein oder komplizierte Finanzgeschäfte in der Karibik dreht, sei es hilfreich, einen Bilanzexperten als Mandanten zu haben.

Der ultimative Praxistest steht Schillhammer, Toifl und den knapp zwanzig Spitzenjuristen im Bawag-Verfahren aber erst bevor. Wenn Richterin Claudia Bandion-Ortner am Montag im großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts den wohl größten Wirtschaftsprozess der Zweiten Republik einläutet, werden sich Ex-Bawag-General Helmut Elsner und acht weitere Beschuldigte für die Spekulationsverluste zwischen 1998 und 2000 – Gesamtschaden: 1,44 Milliarden Euro – verantworten müssen. In dem mindestens dreieinhalb Monate dauernden Verfahren werden mehr als fünfzig Zeugen geladen, darunter Exkanzler Franz Vranitzky und Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT

Wirtschaft

Nach Air Berlin Pleite: Zittern bei Niki-Mitarbeitern

Geld

Börse: Europa und Schwellenländer bleiben attraktiv

Geld

Zwischenruf: Der EZB wird der Euro zu schnell stark