Generation Praktikum

Sie sind jung, gut ausgebildet, flexibel – und billig. Für viele Jungakademiker ist ein befristeter Praktikantenjob oft der einzige Ausweg vor dem Absturz nach der Uni.

Neulich bei einer Wohnungsparty in Wien-Alsergrund: Eine Gruppe Endzwanziger diskutiert nach Mitternacht über Ausbildung, Jobaussichten und Karrierewege. Fast alle haben eine Fachhochschule oder ein Universitätsstudium abgeschlossen, dennoch arbeitet niemand der Diskutanten in einem angestellten Vollzeitarbeitsverhältnis. Alle stecken in prekären Arbeitsverhältnissen. Wünsche nach einem eigenen Auto, nach Familiengründung oder privater Pensionsvorsorge müssen in die Zukunft verlegt werden – mangels kontinuierlichen und ausreichenden Einkommens. Und wie immer bei Diskussionen dieser Art sagt auch diesmal einer, der gerade wieder einmal ohne Job dasteht: „Und wenn gar nichts mehr geht, mach ich halt noch ein Praktikum.“ Das heißt in der Regel: unentgeltliche oder schlecht bezahlte Arbeit bei vollem Arbeitseinsatz. Die Politik ruft dieser Generation „Kinder statt Partys“ zu. Unten vor dem Fenster fährt die erste Straßenbahn vorbei.

Karin M. (Name von der Redaktion geändert, Anm.) kommt mit dem Fahrrad. Immer, sagt sie, auch um 9.00 Uhr durch den Morgenverkehr. Auto oder U-Bahn-Karte kann sie sich nicht leisten. Die 27-jährige promovierte Psychologin, die anonym bleiben möchte, hat seit ihrem Studienabschluss im Juni 2003 eine klassische „Praktikantenkarriere“ hinter sich. 2004 jobbte sie sechs Monate beim Europäischen Parlament in Brüssel und erledigte die Medienarbeit für eine EU-Abgeordnete. „Für 60 Stunden Arbeit pro Woche habe ich 700 Euro im Monat bekommen“, erzählt Karin. Nach sechs Monaten wurde sie nicht wie erhofft übernommen, sondern landete wieder jobsuchend in Wien. Mehr als 30 Bewerbungen verschickte sie in den nächsten sechs Monaten, alle ohne Erfolg. „Prekär heißt, sich jeden Tag neu zu definieren. Ich habe auf meinem PC drei verschiedene Lebensläufe für Bewerbungsschreiben: einen für Unternehmen in der Wirtschaft, einen für den Sozial- und einen für den Kulturbereich.“ Schließlich fand sie wieder ein Praktikum in einem Kulturverein, bei dem sie bis heute arbeitet – für 200 bis 300 Euro pro Monat. Karin: „Ich lebe schon heute auf Kredit. Sogar mein Fernseher ist geleast.“ Zumindest das Wohnen ist kostenlos, Karin lebt in der Eigentumswohnung der Eltern.

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