Gemeinsame Lösung der Politik und des Handels

Der Streit um die Sonntagsöffnung ist mehr als ein Ladenhüter: In den Nachbarstaaten im Osten ist der Shopping-Sonntag längst Realität.

Der Wirtschaftsstandort Wien befindet sich in einer regionalen und internationalen Wettbewerbssituation. Zu unseren Aufgaben als Interessenvertretung gehört auch, die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Unternehmertum mitzugestalten. Ziel ist es, für alle Unternehmerinnen und Unternehmer und damit für den Wirtschaftsstandort die Konkurrenzfähigkeit zu verbessern. Aus diesem Grund habe ich auch einen pragmatischen Zugang zur Frage der Ladenöffnung am Sonntag.

Um sachliche Argumente in einer emotional geführten Diskussion zu haben, wurden in einer Anfang 2006 präsentierten Studie die Handelsbetriebe genauso wie die in- und ausländischen Kunden befragt. Die Studie hat ergeben, dass sich die überwiegende Mehrheit der Einzelhandelsunternehmen gegen eine Sonntagsöffnung ausspricht. Auch im ersten Bezirk begrüßt nur ein Drittel der Einzelhandelsunternehmen eine Sonntagsöffnung. Die Gründe für die Ablehnung liegen primär in den zu hohen Zuschlägen zu den Lohnkosten, wodurch für die Unternehmer zwar eine Umsatz-, aber keine Gewinnsteigerung zu erwarten ist. Viele von den Klein- und Familienbetrieben befürchten auch negative Auswirkungen auf das eigene und das Familienleben ihrer Mitarbeiter. Auch sind fehlende Kinderbetreuungsplätze am Wochenende mit einer Sonntagsöffnung unvereinbar. Übrigens sind insgesamt knapp 90 Prozent der Wienerinnen und Wiener und rund zwei Drittel der internationalen Touristen mit den geltenden Ladenöffnungszeiten in Wien zufrieden.

Warum also sonntags öffnen, wenn bei der Mehrheit der direkt Betroffenen kein besonderer Bedarf gesehen wird? Außer Frage steht, dass unternehmerische Entscheidungen unter Berücksichtigung sich ändernder Rahmenbedingungen laufend zu hinterfragen sind.
Denkbar wäre: Evaluieren wir die Ergebnisse aus Berlin, und versuchen wir zusammen mit allen Betroffenen und gemeinsam mit dem Landeshauptmann, auch in Wien eine vor allem für die Händler passende Lösung zu finden. Denn, Hand aus Herz: Es ist immer leicht, etwas von anderen zu fordern, wenn man selbst dabei kein (unternehmerisches) Risiko trägt.

Peter Pelinka

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