Geldwäscheskandal in Wien aufgedeckt: Geschäfte im Umfeld der Familie Pinochet

Über eine Bank-Austria-Filiale dürften jahrelang Schmiergelder südamerikanischer Potentaten gewaschen worden sein – ein Fall für Staatsanwalt und Wirtschaftspolizei.

Es war ein Verschubbahnhof für viele Millionen Euro. Das Konto mit der Nummer 10228-176-200 existiert bei der Bank Austria seit mehr als einem Jahrzehnt. Mysteriöse Bargeldtransfers von und nach Caracas, Hong-kong oder Zürich gewährte das Geld­institut in dem Zeitraum einfach und unbürokratisch – ohne zu viele Fragen zu stellen. Ein Service, das Kontoinhaber Alfred D. (Anm.: Name der Redaktion bekannt) zu jedem Zeitpunkt sehr schätzte. Manchmal waren es 10.000 Euro, dann wieder eine Viertelmillion, die der gebürtige Wiener mit Doppelstaatsbürgerschaft (Österreich/Venezuela) vom „Kundenzentrum am Hof“ etwa auf ein Konto der Großbank HSBC oder der Privatbank Julius Bär überweisen ließ.
Die diskrete Praxis endete zu Jahresbeginn jäh: Nämlich als die Transfers Dimensionen annahmen, die nicht mehr ohne weiteres ignoriert werden konnten. So wurde im Februar eine Auslandsgutschrift von 1,2 Millionen Euro verbucht. Geld, das kurze Zeit später wieder Off-Shore landete. Nun wurde es den Bank-Austrianern zu heiß: Erstmals stellten sie Alfred D. zur Rede. Die dramatische Folge des mehrstündigen Gesprächs: Die Bank zeigte ihren langjährigen Kunden beim Bundeskriminalamt an (BKA) – der schwere Verdacht: Geldwäscherei.

Seither sind knapp zwei Monate vergangen. In diesem Zeitraum stießen die Geldwäsche-Experten von Finanzmarkt-aufsicht und Wirtschaftspolizei auf hochbrisante Informationen. Eine 35 Seiten starke Sachverhaltsdarstellung der Bank Austria, die FORMAT exklusiv vorliegt, sowie die Zwischenergebnisse der Geldwäsche-Meldestelle im Innenministerium legen nahe, dass über die Bank Austria (BA) jahrelang Schmiergelder süd­amerikanischer Staatschefs gewaschen wurden.

Mittlerweile beschäftigt die Causa nicht nur die Wirtschaftspolizei, sondern auch die Wiener Anklagebehörde. Unter der Aktenzahl 14 St 131/08w lässt Staatsanwältin Alexandra Bachler nun offiziell prüfen, ob eine Verletzung von Geld­wäschebestimmungen vorliegt. Die Bank muss ihr die späte Anzeige von Alfred D. erklären. BA-Sprecher Tiemon Kiesenhofer: „Kein Kommentar zu einem laufenden Verfahren.“

Die Fujimori-Connection. „Alfred D. ist seit 19. November 1996 Kunde unseres Hauses“, heißt es in einem streng vertraulichen Bank-Austria-Dossier, das an das Innenministerium versandt wurde. „Insgesamt wurden (seit Jahresbeginn) rund drei Millionen Euro zugunsten Frau Lilia Troncoso Assen de Joy-Way auf das Konto von Alfred D. transferiert.“ Joy-Way sei als reiche Peruanerin dargestellt worden, deren Geld Alfred D. verwalten würde. „Dieses Treuhandverhältnis wurde uns bei Kontoeröffnung nicht bekannt gegeben.“ Hätten die diskreten Banker früher nachgefragt, hätten sie festgestellt: „Der Ehegatte von Frau Joy-Way, Herr Victor Joy-Way Rojas, ehemals Premierminister von Peru, sitzt derzeit eine Gefängnisstrafe wegen Bestechung, illegaler Bereicherung und Steuerbetrug ab. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Gelder aus diesen Straftaten stammen.“

Die Spürnasen des BKA schnüffeln indes einer noch heißeren Fährte hinterher. Sie vermuten, dass weitere südamerikanische Politgranden die peruanische Geldwaschanlage von Alfred D. nutzten – die prominentesten Beispiele: Perus Ex-Staatschef Alberto Fujimori und Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet.

Belastende Belege. Victor Joy-Way Rojas galt als Vertrauter Fujimoris. Das Auslandsvermögen des im Dezember 2007 wegen Machtmissbrauchs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilten Politikers wurde nie restlos aufgestöbert. Die nun geöffneten Bank-Austria-Konten sollen zumindest auf Fujimori-Kontakte hinweisen. Ähnlich die Connection zum verstorbenen Diktator Pinochet: „Am 27. Februar 2008 wurden 130.401 Euro auf ein Konto der Hongkong Shanghai Bank, Verwendungszweck ‚Ref. Guillermo Aguirre‘, überwiesen. Die uns zur Verfügung stehende Datenbank der Political Exposed Persons zeigt bei der Eingabe des Namens ‚Guillermo Aguirre‘ einen gleichnamigen Armeegeneral und Freund von Augusto Pinochet“ (BA-Dossier). Brisante Hinweise, denen die Staatsanwaltschaft Wien nun nachgeht. Behördensprecher Gerhard Jarosch gegenüber FORMAT: „Unsere Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Von Ashwien Sankholkar

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