Geflügelte Golf-Connection der Scheichs:
Wachstumspotenzial der arabischen Airlines

Wenn Scheichs Flügel wachsen, dann heißen diese Emirates oder Qatar Airways. Wirtschaftliches Kalkül und eine massive Wachstumsstrategie der Airlines machen die Region zur Wachstumslokomotive.

Am Persischen Golf findet Wachstum anscheinend schneller und vor allem unbeeindruckt von sämtlichen Finanzkrisen im Rest der Welt statt. "Auf die EU-Airlines kommt ein massiver Wettbewerbsdruck aus dem Mittleren Osten zu. Carrier wie Emirates, Qatar Airways und Etihad planen bis 2010 ein Wachstum von 200 Prozent", bestätigt Stefan Höffinger, Geschäftsführer von Arthur D. Little in Österreich. Das Beratungsunternehmen hat erst kürzlich eine Studie zu den Kostenvorteilen der Middle- East-Carrier veröffentlicht. Kerosin, Flottenbestand, Löhne und Steuern generieren insgesamt einen Kostenvorteil von bis zu 30 Prozent. Ein Faktum, das die meisten Airlines am Golf nicht müde werden zu bestreiten. Wirtschaftliches Kalkül und eine nachhaltige Wachstumsstrategie seien die Motoren, so der O-Ton vom Golf. Ob nun mit oder ohne Subventionen – die Golf-Connection hat sich die lukrative Langstrecke zur Rennstrecke erkoren, denn die lokalen Märkte sind zu klein. Daher wird expandiert.

Emirates als Wachstumsmotor
Neben den Bauvorhaben spielt Emirates Airlines, der National Carrier Dubais, im Masterplan der Maktoum AG, wie Dubai auch genannt wird, eine tragende Rolle. Bereits heute befördert die Fluglinie 22 Mio. Passagiere, bis 2015 sollen es 40 Mio. sein. Völlig unbescheiden hat Emirates für den Airbus 380 gleich 58 Bestellungen aufgegeben. Dass der erste der Riesenvögel kurz nach Auslieferung aufgrund elektronischer Probleme bereits in der Werkstatt steht, ist zwar peinlich, aber eher für den Produzenten Airbus.

Abu Dhabi: Konkurrenz belebt Geschäft
In unmittelbarer Nachbarschaft, in Abu Dhabi, dem reichsten der sieben Emirate, wurde vor vier Jahren Etihad Airways gegründet. Deren Wachstumsziel ist ebenso aggressiv: Auf der diesjährigen Farnborough Airshow in Großbritannien, dem Ort, wo alljährlich die großen Bestellungen bei Boeing und Airbus publik gemacht werden, hat Scheich Ahmed bin Saif Al-Nahyan 43 Mrd. US-$ für 100 Flugzeuge ausgegeben. Auszuliefern bis 2010. Und damit es nicht zu knapp wird, gleich nochmals eine Kaufoption auf 100 weitere nachgereicht. James Hogan, ein alter Hase in der Luftfahrt am Golf, wurde zum CEO bestellt. Davor war Hogan eher glückloser Manager von Gulf Air, der ersten Fluglinie am Persischen Golf, an der Abu Dhabi, Bahrain, Oman und Qatar beteiligt waren. Sie begann zu bröckeln, als die einzelnen Eigentümer ihre eigenen Airlines gründeten. Etihad schmückt sich heute damit, die jüngste Flugzeugflotte weltweit zu besitzen und expandiert nur dorthin, wo Wachstum passiert. Österreich ist nicht dabei, und die Airline wird, laut Udo Fischer, Etihad-Boss in Deutschland, auch in Zukunft dem heimischen Markt fernbleiben.

Qatar: Mini-Emirat gibt Gas
Nicht minder selbst bewusst gibt sich Qatar Airways. Ihr Stützpunkt, das knapp 11.500 Quadratkilometer große Emirat, sitzt auf den weltweit größten Flüssiggas-Reserven, hat den Ehrgeiz, Dubai Konkurrenz zu machen und Emirates zu überflügeln. Qatar Airways fliegt seit November 2003 auch Wien an und ist eines der Aushängeschilder des umtriebigen Emirs Hamad bin Khalifa Al-Thani. Die Airline wurde erst kürzlich von Skytrax zur besten im Mittleren Osten gewählt.

Doch Dubai schläft nicht: Neben dem Ausbau des bestehenden Flughafens wird bereits am größten Flughafen der Welt gebaut. Jährlich soll der Dubai World Central – so sein unbescheidener Name – 120 Millionen Passagiere abfertigen.

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