„Für mittlere Einkommen“

Kanzler Gusenbauer über Bildungs- und Steuerreform und warum er dafür ist, Gehalts- und Pensionsbeziehern heuer überdurchschnittlich mehr Geld zukommen zu lassen.

FORMAT: Das traditionelle Sommerloch zeigte sich diesmal kaum, es wurde auch in der Koalition über viele Themen diskutiert oder gestritten. Welches davon haben Sie für das wichtigste gehalten?
Gusenbauer: Zweifellos das Bildungs-thema. Da geht es um grundsätzlich gegensätzliche Konzepte: Die ÖVP will die Schüler möglichst früh trennen und schon bei den Dreijährigen beginnen, dann wieder die Sechs- und noch einmal die Zehnjährigen in gute und schlechte einteilen. Wir Sozialdemokraten wollen einen anderen Weg und allen Kindern einen höheren Bildungsstand ermöglichen. Österreich hat das Problem, dass 20 Prozent unserer Fünfzehnjährigen wesentliche Defizite beim Schreiben und Lesen haben. Ob wir weiter ein wohlhabendes Land bleiben, hängt auch damit zusammen, dass wir diese Schwäche beheben und so die gesamte Bevölkerung besser in die Wertschöpfung einbeziehen, und nicht nur damit, ob die besten zehn Prozent noch ein wenig gescheiter werden.
FORMAT: Gegen eine gemeinsame Schule bis 14 Jahre legt sich Ihr Koalitionspartner aber weiter quer.
Gusenbauer: Aber auch dort gibt es eine interessante Differenzierung. Der führende Schulpolitiker der letzten Jahre in der ÖVP, Bernd Schilcher, teilt ebenso unsere Auffassungen wie die steirische ÖVP oder die Industriellenvereinigung. Daher glaube ich, dass eine weitere Debatte sinnvoll ist, in der die klassischen ideologischen Frontlinien überwunden werden.
FORMAT: Trotz aller Debatten wird es aber auch in den nächsten Jahren diese gemeinsame Schule der Sechs- bis Vierzehnjährigen nicht flächendeckend geben.
Gusenbauer: Für mich ist das finnische Bildungsmodell ein Vorbild: Die finnischen Schüler zählen in allen Kategorien europaweit zu den Besten. Dort hat man bis zur flächendeckenden Einführung der Gesamt- und Ganztagsschule zwölf Jahre gebraucht.

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