Führungs-Kraft

Ein dichter Terminkalender und permanenter Entscheidungsdruck verlangen ein perfektes Körper-Management: Immer mehr Wirtschaftsbosse finden ihre physische und mentale Balance in der Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining.

Es mag nach einer subtilen, dialektischen Ironie klingen, dass man sich ausgerechnet im Sitzen gehen lässt. Aber körperlich betrachtet ist der Büroalltag nun einmal der natürliche Feind der Figur. Und dabei macht es keinerlei Unterschied, ob man im Chefsessel sitzt oder auf einem Praktikantenschemel hockt. Von der schleichenden Abwanderung der Muskelmasse Richtung Bauch und Hüften bleibt niemand verschont. Gerade Führungskräfte, bei denen neben einem wöchentlichen Arbeitspensum jenseits der 70-Stunden-Marke auch noch der permanente Entscheidungsdruck gierig an der physischen Substanz nagt, gelten als prädestinierte Kandidaten für körperliche Unausgewogenheit und die damit verbundenen Probleme wie Verspannungen im Halswirbelbereich oder chronische Rückenschmerzen. Und auch die mentale Ebene der physischen Fitness sollte tunlichst nicht unterschätzt werden; wobei sich zu der geflügelten – und wissenschaftlich längst unterfütterten – Weisheit des römischen Satirikers Juvenal, laut der nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohne, auch eine ordentliche Portion Zeitgeist gesellt hat. Die moderne Gesellschaft wird zunehmend optischer, der Lifestyle fordert mittlerweile auch vom starken Geschlecht sichtbare Reize. Zahlreiche internationale Studien belegen überdies, wie stark das äußere Erscheinungsbild auch die Berufswelt, quer durch alle Ebenen, beeinflusst.

Den ästhetischen Blick auf den eigenen Körper mit persönlichen Eitelkeiten gleichzusetzen greift daher wesentlich zu kurz.

Das erklärt vermutlich auch den Umstand, dass Fitness-Studios, wo sich das Dilemma zwischen einem schmalen Zeitbudget und breiten Schultern am effektivsten auflösen lässt, keineswegs einen Kundenrückgang verzeichnen, wenn die ersten Frühlingstage die Outdoorsaison einläuten. Ganz im Gegenteil, für nicht wenige liefern die persönlichen An- und Aussichten auf den kommenden Badeurlaub (auch Coke-light-Mann-Effekt genannt) genau jenen entscheidenden Motivationsschub, um erstmals mit Crosstrainer, Drückbank und Rudermaschine zu kokettieren; und erfahrungsgemäß ergibt sich in den meisten Fällen daraus eine fixe Langzeitbeziehung; denn welchem Trainingsprogramm auch immer man sich schlussendlich verschreibt, der Schlüssel zum Erfolg trägt immer den gleichen Namen: Kontinuität.

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