Frank Stronachs kleiner Bruder

Privatjet versus Goiserer: Frank Stronach hat in den Schweizer Alpen einen Bruder, der wie die Gegenthese zum schillernden Milliardär wirkt.

Gerade einmal 150 Franken, etwa 90 Euro, gab der Schweizer Pilger Hans Adelmann in fünf Wochen auf dem Jakobsweg aus. Bloß einen Rucksack mit Regenponcho und Schlafsack hatte er auf dem 1.100 Kilometer langen Weg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela dabei. Die Nächte verbrachte er in einfachen Herbergen, Klöstern, Kirchen oder gleich unter freiem Himmel. Bescheidenheit ist er gewohnt: Bis zu seiner Pensionierung arbeitete Adelmann als Landschulwart im Kanton St. Gallen. In den vergangenen 15 Jahren hat er auch schon mehr als 1.700-mal den immer gleichen Berg bestiegen – die Hundwiler Höhe in den Appenzeller Alpen.

Adelmann legt weder Wert auf Öffentlichkeit, noch hat diese bisher viel nach ihm gefragt. Doch da gibt es einen Punkt in der Vita des 67-Jährigen, der sein Leben in einen Kontext stellt, der für Klatschpresse, Philosophen und Familienforscher gleichermaßen interessant ist. Der sonnengegerbte Asket mit Vollbart, rauem Händedruck und Schweizer Gebirgler-Akzent wirkt wie die ultimative Gegenthese zum prominenten Milliardär Frank Stronach, der Adelmanns Reisebudget für den Jakobsweg locker bei einem einzigen Mittagessen verbrät.

Das allein würde Adelmann auch noch nicht zum Gegenstand journalistischer Recherchen machen – hätten er und der schillernde Magna-Gründer nicht denselben Vater. Die beiden sind ein Brüderpaar, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte: Auf der einen Seite steht der Mann, dem eine zünftige Brettljause lieber ist als jede Gänseleberterrine und der das aus der Hand geschlürfte Quellwasser dem feinsten Champagner vorzieht, auf der anderen der schillernde Fußballmäzen und Pferdenarr, der als Unternehmer drauf und dran ist, sich mit Chrysler jetzt auch noch eine amerikanisches Industrie-Ikone einzuverleiben.

FORMAT traf Franks kleinen Bruder auf dessen Hausberg, von dem aus der Blick weit über das Appenzeller Land bis zum Bodensee fällt. „Ich beobachte die Karriere meines Bruders und bewundere ihn“, sagt er. „Er führt konsequent das Leben, das er sich immer erträumt hat. Frank hat seine eigene Welt, und er hat alles erreicht, was ein Mensch erreichen kann.“ Beneiden allerdings würde er ihn keine Sekunde lang, so der wie Stronach in Österreich geborene Adelmann. „Für mich selbst spielt Geld überhaupt keine Rolle. Ich finde mein Glück und meine Freiheit in der Natur. Ich habe mein eigenes Leben und akzeptiere jedes andere.“

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