Frank Stronach - Kunstmäzen: Millionendeal in der Oper

Der Termin dauerte kaum eine Stunde. Begleitet von seiner Kulturberaterin Elisabetta Hartl, traf sich Magna-Boss Frank Stronach mit dem Chef des Wiener Musikvereins, Thomas Angyan. Dem Kulturmanager war der Sportsponsor Stronach bis dahin nicht als Kunstfreund aufgefallen.

Doch bald traute Angyan seinen geschulten Ohren nicht mehr: Nach kurzem Small Talk sagte Stronach dem Musikverein satte fünf Millionen Euro Förderung zu. 4,5 Millionen sollten in den Umbau des Gebäudes fließen, in die „Hardware“, wie sich der milliardenschwere Austrokanadier ausdrückte. Der Rest ist für die „Software“ bestimmt – für die Talenteförderung.

Jetzt hat Stronach noch mehr Überraschungen parat. Im FORMAT-Interview kündigt er an, dass sein jüngstes Engagement in Sachen Mozart und Mahler keine Eintagsfliege bleiben soll. Während die von ihm finanzierte Wiener Austria trotz gewaltiger Geldspritzen eine Blamage nach der anderen hinlegt, bleibt Stronach als Kunstsponsor erfolgreicher am Ball. Gleich nach dem Musikverein gab er 50.000 Euro für den neuen eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper aus. Und betont, dass er sich auch künftig der Musik widmen will.

„Musik ist wichtig für das Wohlbefinden dieser Nation“, diagnostiziert der gebürtige Steirer. Insgesamt gehen zwei Prozent des Magna-Gewinns für Soziales und Sponsoring auf, jährlich satte zwanzig Millionen Euro. Stronach: „Wie viel davon in die Kunst fließt, hängt nur von den angebotenen Projekten ab.

Sensation für die Musikwelt. Für die heimische Musikwelt ist dieser Auftritt Stronachs eine mittlere Sensation, und das zur rechten Zeit. Denn zwar sind auch Konzerne wie Siemens, Nestlé, Uniqa oder Audi sowie private Mäzene wie der steirische Industrielle Helmut List als finanzkräftige Kunstfreunde aktiv.

Doch mit dem Amerikaner Alberto Vilar zieht sich gerade ein großer Musikmäzen aus Österreich zurück – er hat an den Börsen sechshundert Millionen Euro verspielt und kein Geld mehr. Dieses fehlt nun bei Staatsoper, Musikverein und Salzburger Festspielen. Stronach springt in die Lücke.

In der Oberwaltersdorfer Magna-Zentrale fühlen auch bereits zahlreiche kulturelle Institutionen vor. Sie wollen an Stronachs Förderkuchen mitnaschen. Das Management der Salzburger Festspiele und Volksoperndirektor Rudolf Berger haben Kontakt aufgenommen. Doch selbst die Granden der Szene werden höflich weiterverwiesen – an die 27-jährige Elisabetta Hartl.

Hartl, die in einem kleinen Büro hinter der Oper residiert, fristete bisher ein unauffälliges Dasein als Musikeragentin. Große Stars hat sie selten unter Vertrag. Dafür ist es ihr gelungen, Big Spender Stronach für Chöre und Orchester zu erwärmen. Und zwar bei einem Society-Event mit dem bezeichnenden Titel „Kunst trifft Sport.“

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PLUS: Interview mit Frank Stronach: „Auch in der Kunst zählt die Leistung“
PLUS: Hintergrund: Kunstsponsoren in Österreich

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