Frank Stronach holte Christoph Daum nach Wien

In Patriarchenmanier holte Frank Stronach den deutschen Startrainer Christoph Daum nach Wien. Mit ihm hat der Austria-Mäzen endlich einen Coach gefunden, der aus seinem Holz geschnitzt ist.

Es war ein Coup, keine Frage. In einer Blitzaktion servierte Austria-Mastermind Frank Stronach seinen Trainer Walter Schachner, einen „ehrlichen Arbeiter“ (Schachner über Schachner), ab und ersetzte ihn durch den berühmten, aber auch skandalumwitterten Deutschen Christoph Daum. So macht das der Austrokanadier, denn „wer das Geld hat“, so Stronachs Credo, „bestimmt die Regeln“. Und wer diesen Stil nicht gut findet, dem sagt Stronach unbekümmert, was er denkt. Während die Öffentlichkeit noch Tränen um die verdiente Austria-Legende „Schoko“ Schachner vergoß, sprach Stronach in seinem weichen amerikanischen Steirisch in die ORF-Kameras: Er wolle sich nicht mit zweiten oder dritten Plätzen begnügen, aber in Österreich gebe es eine „ein bisserl verweichlichte Gesellschaft“.

Tags darauf bekommen die Austria-Spieler in der Kabine des Wiener Horr-Stadions ähnliches zu hören. Christoph Daum hält seine erste Motivationsansprache; für die Mannschaft mögen die Worte hart geklungen haben, für Stronach tönten Daums Parolen mit Sicherheit wie süße Schalmeienklänge. Er sei „kein Trainer, der Werbung für Schlaftabletten macht“, so der Deutsche, „wenn ihr’s braucht, werde ich euch Feuer unterm Arsch machen“.

Der „Weltklub“
Kampf der Verweichlichung, Feuer unterm Arsch – mit Frank Stronach und Christoph Daum haben sich zwei ausgeprägte Persönlichkeiten gefunden, die über weit mehr Gemeinsamkeiten verfügen als über einen selbstbewußten, deutlichen Sprachstil. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge“, sagt der Trainer. „Wir haben uns vom ersten Augenblick an verstanden“, sagt der Konzernboß.

Einig sind sich Daum und Stronach auch über ihre Ziele, und sie scheuen sich nicht, sie vollmundig beim Namen zu nennen. Die Austria als „Weltklub“ („Sportwoche“) schwebt dem Unternehmer vor, und Daum ist ganz bei Stronach, wenn er betont, in Wien „etwas Großes“ aufbauen zu wollen. Wenn beide davon sprechen, irgendwann in mittlerer Zukunft die Champions League zu gewinnen, klingt das nicht wie ein Traum, sondern wie ein kühl durchkalkulierter Unternehmensplan.

Stronachs schnell dahingesagtes Wort von der „verweichlichten Gesellschaft“ trägt einiges dazu bei, seine Sympathie für den neuen Austria-Coach zu erklären. Sowohl der Multimilliardär als auch der erfolgreiche Trainer sind Arbeiterkinder, aufgewachsen ohne die geringste Chance, in irgendeiner Form zu verweichlichen.

Hunger in Kanada Der junge Franz Strohsack lernt im steirischen Weiz Werkzeugmechanik, verläßt 1954 Österreich und lernt in seinen ersten kanadischen Jahren den Hunger kennen. „Dieser Hunger“, sagt er heute, „der ist schon etwas ganz anderes als der, wenn man eine Diät macht. Das vergißt man nicht.“

Als Stronach der Armut entfloh und sein Glück in Kanada suchte, war Christoph Daum gerade ein Jahr alt. Der Bergarbeitersohn, dessen Vater an den Folgen eines Grubenunglücks gestorben war, hat zwar nie Hunger gelitten, aus einfachen Verhältnissen kommt aber auch er. „Alle hatten nix“, sagt er über seine Jugend in der „Malocher-stadt Duisburg“ (Daum), wo er in den Hinterhöfen das Fußballspielen lernte.

Autoren: Reinhard Christl, Klaus Kamolz

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