Format: Sonderangebote an der Börse

Niedrige Bewertungen, gepaart mit hohen Renditen, rücken die Börse Wien ins Visier von Firmenjägern: RHI, Intercell und Wienerberger sind einige der begehrten Objekte.

Es war ein eher langweiliger Tag an der Wiener Börse: Der vergangene Freitag zeichnete sich durch wenig Umsatz und das seit Wochen fast schon gewohnte Minus für den ATX aus. Umso auffälliger war das Handelsvolumen bei der Aktie des Edelstahlunternehmens Böhler-Uddeholm. Fast 250.000 Stück wechselten den Besitzer. Auch am darauf folgenden Montag war das Kaufinteresse noch sehr groß. Und das, obwohl die Tage von Böhler an der Wiener Börse seit der mehrheitlichen Übernahme durch die voestalpine gezählt sind. Kein attraktives Papier mehr, sollte man meinen. Die wahrscheinliche Erklärung für das Kauf­interesse liegt am Kurs: Mit 64 Euro ist die Aktie um neun Euro billiger als zum Zeitpunkt des Voest-Einstiegs. Es ist daher wohl Voest-Chef Wolfgang Eder selbst, der zum günstigen Preis nimmt, was er kriegen kann. Laut FORMAT-Informationen hält der Stahlriese aktuell bei knapp 85 Prozent Böhler-Anteilen. Ab 90 Prozent kann ein sogenanntes Squeeze-out mit Zwangsabfindung der verbliebenen Aktionäre durchgeführt werden. Die Investor-Relations-Abteilung von voestalpine schwächt zwar ab: „Wir kaufen nur von Zeit zu Zeit zu.“ Man will sich den Kurs nicht selbst hochtreiben. Dennoch: Die Börsenkrise be­schleunigt die Pläne von Eder.

Appetit macht ein Blick auf den Kurszettel der Wiener Börse auch anderen Inves­toren. Viele Aktien sind nach den Kurs­einbrüchen der letzten Monate zum Schnäppchenpreis zu haben. So nützte Anwalt Rudolf Fries die Schwäche der Immofinanz-Aktie aus und erwarb gleich einmal knapp neun Prozent des Unternehmens. Der Saudi-Scheich Al Jaber schnappte sich 20 Prozent der AUA. Auch KTM-Haupteigentümer Stefan ­Pierer hat kürzlich wieder zugeschlagen: Über seine Beteiligungsfirma UIAG legte er ein Übernahmeangebot für das Softwarehaus Brain Force, dessen Aktie im Vergleich zu ihrem Höchststand nur noch die Hälfte wert ist. Finanzexperten sind sich großteils einig, dass es in dieser Tonart weiter­gehen wird. Einer, der gerade einen rund 100 Millionen Euro schweren Deal vorbereitet, ist der Kärntner Investor Wolfgang Auer von Welsbach (AvW). Den Namen des Ziels will er nicht verraten, meint aber: „Wir werden heuer in Wien verstärkt Übernahmen sehen. Einige Werte sind so günstig geworden, dass man die Zeit nützen sollte, seine Position zu festigen.“ Genau das hat AvW beim Feuerfestkonzern RHI vor, wo er rund sechs Prozent besitzt und weiter aufstocken möchte: Auch nach dem Erwerb von knapp 30 Prozent durch den Milliardär Martin Schlaff ist bei der RHI das Thema Übernahme laut AvW nicht vom Tisch: „Wäre ich Schlaff, würde ich jetzt ein Angebot an die anderen Aktionäre legen.“ Das könnte bald folgen: entweder von Schlaff oder, wie manche glauben, von einem russischen Oligarchen.

Für die Aktienanalysten ist RHI jedenfalls einer der heißesten Takeover-Kan­didaten an der Wiener Börse. Die Kurs­ziele der Banken lauten auf rund um 40 Euro, das aktuelle Niveau liegt bei 27 Euro. Ähn­liches gilt für den Wiener­berger-Konzern, der einen noch größeren Streu­besitzanteil hat und deshalb nicht vom Gutdünken eines Kernaktionärs abhängig ist. „Viele Gesellschaften sind jetzt sehr günstig zu haben“, bestätigt Erste-Bank-Analyst Günther Artner. Der 3-Banken-Fondsmanager Alois Wögerbauer glaubt, dass das niedrige Kurs­niveau, gepaart mit attraktiven Divi­den­denrenditen (zwischen vier und fünf ­Prozent), viele Fi­nan­z­­­­in­vestoren anlockt: „Sie beginnen sich zu formieren.“ Seit seinem Höchststand im letzten Sommer hat der Wiener ATX immerhin ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Offen ist für einige allerdings noch, wer als Käufer auftreten soll. Manche Experten, wie der CA-IB-Mann Alfred Reisenberger, wenden zwar ein, dass Finanzinves­toren wie die berüchtigten Heuschrecken-Fonds nicht mehr so flüssig sind – weil die Kredite teurer und die Banken vorsichtiger wurden. Trotzdem meint etwa der auf Mergers & Acquisitions (M&A) spezialisierte KPMG-Partner Gottwald Kranebitter: „Ich sehe eine Reihe von Motoren für Übernahmen: Finanzinvestoren, die stark renditeorientiert denken, oder Strategen, die in Richtung Marktabsicherung abzielen – und auch Staatsfonds.“ Letztere plagen, vor allem wenn sie aus China oder dem Mittleren Osten kommen, keinerlei Geldsorgen.

Kranebitter geht für Österreich nur davon aus, dass die Übernahmen – nach Böhler-­Uddeholm und Bawag im letzten Jahr – etwas kleiner ausfallen: „Das Volumen wird zwischen 50 und 250 Millionen Euro liegen. Größere Deals sind zurzeit schwerer finanzierbar.“ Als Zielbranchen ortet die KPMG Energie, Versorger, Finanzdienstleister und Telekom­unternehmen. Für vermehrte Deals in Wien spricht auch das seit zwei Jahren geltende kern­aktio­närsfreundliche Übernahmerecht. Es er­laubt eine Beteiligung an einem börsennotierten Unternehmen bis zu einer Schwelle von 30 Prozent, ohne dass der Investor ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre legen muss – was zum Beispiel Martin Schlaff bei der RHI bislang ausgenutzt hat. Größtenteils in Streubesitz stehende Konzerne wie Wienerberger geraten am häufigsten ins Visier von Firmenkäufern. Schwieriger gestalten sich Fälle à la bwin oder Erste Bank. Beim Sportwetten­anbieter bwin, wo immer wieder britische Konkurrenten als Interessenten genannt werden, kommt ein Käufer an Kernaktionär Hannes Androsch mit seinen knapp zehn Prozent nur schwer ­vorbei. Bei der Erste Bank würde ein Angreifer auf zwei verkaufsunwillige Privatstiftungen als wesentliche Eigen­tümer stoßen. Eine leichte Beute könnte die finan­ziell angeschlagene Billig-Airline SkyEurope sein. Das Unternehmen braucht und sucht einen Partner. Jeder, der bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, wird dem Hauptaktionär York vermutlich willkommen sein. Fraglich ist aber, ob mit SkyEurope Geld zu verdienen ist.

Von Angelika Kramer, Barbara Nothegger

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