FORMAT Serie: Meine erste Million. Der lange Weg zu Wohlstand und Reichtum

Am Anfang war ein Bauchladen. Rakesh Sardana, arm wie eine Kirchenmaus, aber voller Tatendrang, legte damit 1975 den Grundstein für seine erste selbst verdiente Million: Nachdem er als fliegender Händler im Prater Seidenschals verkauft hatte, „expandierte“ der damals 21-jährige gebürtige Inder und mietete einen Stand am Christkindlmarkt vor dem Rathaus.

Auch hier fand sein Sortiment, das der clevere Kaufmann um Geschenkartikel und Modeschmuck erweitert hatte, reißenden Absatz. Bei Spannen weit jenseits der hundert Prozent war die erste Schilling-Million schnell verdient. „Ich war eine One-Man-Show und hatte keine Ausgaben“, erinnert sich Sardana, „es hat richtig Spaß gemacht.“

Während sich Sardana in seinen Anfangsjahren mangels eigener Heizung in kalten Winternächten mit einem Haarföhn wärmte, ist er inzwischen längst auch Euro-Millionär: Heute betreibt er 25 Airportshops in Wien, weitere Läden am Pier 4 des JFK-Airports in New York sowie die Retailketten Mostly Mozart und Tie Rack. Gesamt-Jahresumsatz: zwanzig Millionen Euro. „Heute sind die Chancen, es zum Millionär zu bringen, viel größer als damals“, macht er allen, die es versuchen wollen, Mut.

Die Zahl der so genannten High Networth Individuals (HNI), also jener Personen, deren liquides Vermögen eine Million Euro übersteigt, steigt laut dem vom Beratungsunternehmen Cap Gemini und der Investbank Merryll Lynch herausgegebenen World Wealth Report 2005 stetig: Gleich 63.300 Österreicher dürfen sich derzeit als Euromillionäre fühlen, fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr.
Jene, die nicht das Glück einer fetten Erbschaft oder eines hohen Lottogewinns hatten, versuchen immer öfter als Entrepreneure auf eigene Faust zu Wohlstand oder gar Reichtum zu kommen. Laut einer Schätzung der Wirtschaftskammer werden in Österreich allein heuer 29.917 Unternehmen neu gegründet – mehr als je zuvor. Vor zehn Jahren waren es nicht einmal halb so viele.

Die Aussichten auf Gewinne in Millionenhöhe sind dabei laut Rainer Ribing, Leiter des Gründer Service Österreich, je nach Branche unterschiedlich gut. Allen, die es möglichst rasch zu HNIs bringen wollen, empfiehlt er die eher bürgerlichen Branchen Handel, Gewerbe und Handwerk. Bribing: „Gerade in diesen Bereichen ist mit einer oft nur kleinen Innovation sehr viel möglich.“
Bei einem Blick auf die Wege von Österreichs Topunternehmern zur ersten Million gilt freilich wie im Lotto: Alles ist möglich. Manche Geschichten erscheinen noch unwahrscheinlicher als
ein Solosechser: Manja König, einst hauptberufliche Hausfrau, verdankt ihren Reichtum einem Chaos, das ihre Kinder angerichtet hatten: Die mixten Flüssigkeiten aus den Vorratsschränken und verschütteten den Cocktail am Parkettboden.

König wischte mit einem verknitterten Hemd auf und stellte fest, dass dieses nach dem Waschen so glatt wie frisch gebügelt war. Sie erkannte die Chance aufs große Geld und brachte „Swobb“ auf den Markt: Das Mittel, als Spray oder als Waschmittelzusatz erhältlich, macht das Bügeln überflüssig. Vor wenigen Wochen brachte ihr der Verkauf der Firma samt Patent sagenhafte achtzig Millionen Euro ein. „Es ist angenehm, beim Einkaufen nicht mehr aufs Geld schauen zu müssen.“
Scheinbar mit Glück ist auch Public-Relations-Ikone Wolfgang Rosam zur ersten Million gekommen. Er legte an der Börse 400.000 Euro in Banken- und Versicherungstiteln an und durfte sich binnen drei Jahren über eine Verdreifachung seines Vermögens freuen. Dass es mehr als Zufall gewesen sein muss, bewies Rosam spätestens vor drei Jahren beim Verkauf seiner Agentur Publico an den deutschen PR-Riesen Pleon. Seither ist Rosam zwanzig Millionen Euro schwer.

Überhaupt stehen in den allermeisten Fällen hinter der ersten Million beinharte Geschäftsmodelle, die staubtrocken exekutiert werden müssen. So erlernte der jetzige KTM-Boss Stefan Pierer als Manager bei der damals angeschlagenen Hoval Heizungstechnik das Sanieren, um diesem Handwerk anschließend auf eigene Rechnung nachzugehen. Pierer investierte seine Hoval-Abfertigung in Beteiligungen an Konkursfällen und kassierte ab, als ihn sein Seniorpartner aus der gemeinsamen Firmengruppe auszahlte. „Er wollte nur aufbauen, ich war jung und wollte auch Geld verdienen“, erinnert er sich.
Auch Norbert Zimmermann, Gesellschafter und Chef der Berndorf-Gruppe, ist die Million nicht in den Schoß gefallen: Bei der Berndorf-Privatisierung 1988 halste er sich bei einem Management-Buyout hohe Schulden auf, eher er die erste Million auf der Haben-Seite verbuchen konnte.

Klare Tendenz, die bei den erfolgreichen Unternehmerkarrieren zu erkennen ist: Früh übt sich, wer ein Millionär werden will. Der heute geschätzte fünfzig Millionen Euro schwere Investor Michael Tojner machte seine erste Million schon als Student. Er zog in dem damals noch von einer verschlafenen Schlosshauptmannschaft regierten Schloss Schönbrunn einen professionellen Eisvertrieb auf und setzte bis zu 5.000 Stanitzel am Tag ab. Ähnlich früh startete Alexander Knechtsberger, der seine studentische Partylaune als Eventveranstalter zu Geld machte. Neben Feten in Diskos wie dem U4 machten ihn unter anderem Maturareisen zum Millionär. Knechtsberger: „Ich bin da während meines Jusstudiums hineingerutscht, obwohl meine Eltern ursprünglich dagegen gewesen sind.“

Ermutigend: Auch die ganz Großen haben klein begonnen. So verdiente der heute milliardenschwere gelernte Werkzeugmacher Frank Stronach seine erste Million mit einem Großauftrag von DaimlerChrysler für Metallaufhängungen von Autosonnenblenden. Mirko Kovats wiederum musste seine erste Million als Osteuropa-Vertreter für Werkzeugmaschinen, Industrieanlagen und Industriehydraulik verdienen, ehe er zum Industrietycoon aufstieg.
Es muss indes nicht immer eine Unternehmerkarriere sein, die zur ersten Million führt. Dank Mitarbeiterbeteiligung und Erfolgsprämien schaffen das auch Manager. Die jetzige Chefin der SEG Immo AG, Silvia Wustinger-Renezeder, wurde Millionärin, als sie zu Beginn ihrer SEG-Karriere das heruntergewirtschaftete Hotel einer Freundin ihrer Mutter zu einer Büro- und Wohnimmobilie umbaute. Der Erfolgsbonus bedeutete
für sie den Aufstieg in die Millionärsliga.

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