FORMAT: Schlagabtausch in Regierung um weitere AUA-Privatisierung geht weiter

Der AUA drohen noch ärgere Turbulenzen, wenn sie zum Spielball des Wahlkampfes wird. Als Partner der Airline wird von der Beratungsfirma Boston Consulting die Lufthansa präferiert. Aus Investorensicht kommen auch KLM und Aeroflot infrage.

Die Nerven liegen blank. Die Turbulenzen rund um die Austrian Airlines beschäftigen Politik, Eigentümer und Investoren. Und der Aktienkurs glich in den letzten Tagen einer Hochschaubahn, zuletzt mit eindeutiger Abwärts­tendenz. Am Montag sollen nun in einer Aufsichtsratssitzung die Weichen für ein weiteres Vorgehen bei der angeschlagenen Airline beschlossen werden. Ein Tagesordnungspunkt: der Optionsbericht, den die AUA bei dem auf Airline-Fusionen spezialisierten Beratungsunternehmen Bos­ton Consulting in Auftrag gegeben hat.

Wie FORMAT aus informierten Kreisen erfuhr , wird in diesem Papier die Lufthansa als logischer Partner der AUA präferiert. Aus Investorensicht wären allerdings sowohl Air France-KLM als auch die russische Aeroflot mögliche Kandidaten. Die jeweiligen Vorteile liegen auf der Hand: Fliegt die AUA mit dem Kranich im Geschwader, können Synergien gewonnen werden. Bei den Russen steht der monetäre Aspekt im Vordergrund, die französisch-holländische Allianz Air France-KLM ist eine Alternative, falls sich die Lufthansa doch ziert.

Von mehreren Seiten wird nun befürchtet, dass der rot-weiß-rote Carrier zum Spielball im Wahlkampf wird. ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch, AUA-Aufsichtsrat: „Ich würde mir wünschen, dass beide Regierungsparteien so vernünftig sind, das Thema AUA aus dem Wahlkampf auszuklammern und einen Auftrag zur weiteren Privatisierung zu erteilen. Denn wenn nicht schnell eine gute Lösung mit einem strategischen Partner gefunden wird, kann sich die Situation der AUA stark verschlechtern.“ Insbesondere die ÖVP drängt auf ­rasche und umfassende Privatisierungsschritte. Infrastrukturminister Werner Faymann hat angedeutet, dass auch die SPÖ einen strategischen Partner für die AUA für möglich hält – falls der Staatsholding ÖIAG (sie hält derzeit 42,75 Prozent an der AUA) eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent erhalten bleibt. Die Differenzen der Regierungsparteien vor dem nächsten Ministerrat am 13. August sind jedenfalls noch groß.

Nicht mit dem Rücken zur Wand. Die angeschlagene AUA hatte Mitte Juli bereits eine Gewinnwarnung ausgegeben. Beim Halbjahresergebnis wird ein Minus von 60 Millionen Euro erwartet, für das Gesamtjahr rechnet AUA-General Alfred Ötsch mit einem Verlust von 90 Millionen. Das ebenfalls Montagabend präsentierte Halbjahresresultat wird nach Einschätzung eines
anderen Aufsichtsrates jedenfalls besser ausfallen als erwartet, „vermutlich doch Resultat einer richtigen strategischen Aufstellung in Richtung Osteuropa und Naher Osten“. „Wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand“, sagt auch Wieltsch. Aus der Kapitalerhöhung dürften noch Reserven in Höhe von 150 Millionen da sein. Und die 96 Flieger stehen mit einem Wert von knapp zwei Milliarden in den Büchern. Banken und Analysten gehen dennoch davon aus, dass die AUA ab Ende 2008 frisches Kapital braucht. Denn der Airline-Branche werden auch für die nächs­ten Monate keine Höhenflüge prognostiziert, ganz im Gegenteil: „Die Krise, die wir mitmachen, ist nicht temporär, die hohen Treibstoffpreise werden weiter bleiben“, warnt Martin Gross, Chef von Emirates Austria. Er hat die Preiserhöhungen längst an die Passagiere weitergegeben.

AUA zum Schnäppchenpreis? „Der Druck in der Branche wird dazu führen, dass es noch mehr Zusammenschlüsse geben wird“, prognostiziert Martin Gaebges von der BARIG (Board of Airline Representatives). „Aussagen von heimischen Politikern, die nach wie vor meinen, die AUA könnte alleine überleben, sind blauäugig. Je später ein Partner gesucht wird, desto güns­tiger wird die Airline zu kaufen sein. Im worst case werden wir zum Fall Alitalia“, warnt Airliner Niki Lauda. Jedenfalls Besorgnis erregend: Am Mittwoch war die AUA an der Börse gerade mal so viel wert wie drei Airbusse, rund 225 Millionen Euro.

Scheidung von Lufthansa würde teuer. Bei genauer Analyse bleiben der AUA jedoch nicht viele Möglichkeiten übrig. Ernstlich geprüft werden können wohl nur die Lufthansa, Air France-KLM und die Aero­flot. Die kürzlich ins Spiel gebrachte Royal Jordanian dementierte ebenso wie die Air China, an einem Einstieg bei der AUA inter­essiert zu sein. In den Armen der Lufthansa könnte die AUA zusätzliche Synergien finden: Schon jetzt stimmen sie über die Star Alliance ihre Flugrouten ab und betreiben im technischen Bereich ein gemeinsames Joint Venture. „Ein Ausstieg aus der Star Alliance hätte fatale Folgen für die AUA. Ein Umstieg zu einem anderen Partner würde Hunderte Millionen kosten“, warnt Ex-AUA-Vorstand Mario Rehulka. Er selbst wechselte im Jahr 2002 mit der AUA vom Swissair-Bündnis Qualiflyer zur Star Alliance. Ein Wechsel der Buchungssysteme und der Kundenbindungsprogramme würde zwei Jahre dauern. Hinzu kommt, dass die AUA massiven Angriffen der Lufthansa ausgesetzt wäre.

Freilich: Eine Annäherung an die russische Aeroflot hätte für die institutionellen Anleger wie etwa die LVBG, die indirekt der Bank Austria zugerechnet wird, großen Charme: Sie hat große Forderungen gegenüber der AUA, die Lufthansa würde deren Schuldenberg von einer Milliarde Euro nicht so ohne Weiteres übernehmen. Ein Werben von Air France-KLM kann die AUA auch kaum ablehnen, schon aus taktischen Gründen. Lufthansa-Chef Mayrhuber hat schon wissen lassen, dass er zwar Interesse an der AUA hat, jedoch nicht zu jedem Preis. „Zu viel Interesse könnte den Preis unnötig treiben. Unser Einstieg ist eine sehr hypothetische Frage.“ Außerdem hat er „am AUA-Haus noch kein ‚Zu verkaufen‘-Schild entdeckt“. Der gebürtige Oberösterreicher kann warten. Im Gegensatz zur AUA hat er keine Eile. Steigende Treibstoffpreise, die Dutzende Fluggesellschaften an den Rand des Ruins getrieben haben, tangieren ihn weniger: Er will das Rekordergebnis vom Vorjahr (plus 63 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro) 2008 wiederholen.

Von Gabriela Schnabel

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