FORMAT: Mrs. Siemens tritt an - Brigitte Ederers tritt Himmelfahrtskommando an!

Brigitte Ederer lässt sich als neue Chefin des zweitgrößten Industriekonzerns auf ein Himmelfahrtskommando ein. Österreichs mächtigste Managerin wird beim Mutterkonzern um ihren Sonderstatus kämpfen müssen.

Albert Hochleitner fällt es offenbar doch nicht ganz leicht, loszulassen. Zwar hat der Top-manager am Dienstag nach einer ungewöhnlich langen Aufsichtsratssitzung der Siemens Österreich AG den Vorstandsvorsitz abgegeben. Bei der Weihnachtsfeier des zweitgrößten Industrieunternehmens im Lande steht der 65-jährige frisch gebackene Siemens-Aufsichtsrat doch wieder im Rampenlicht: Dort ist dem 14 Jahre lang regierenden Mister Siemens ein frenetischer Abgangsapplaus seiner insgesamt 30.300 Mitarbeiter sicher.

Nach sechseinhalb Stunden hat am Dienstag Hochleitners Kandidatin die Aufsichtsratssitzung als neue Mrs. Siemens verlassen. Brigitte Ederer, 49, studierte Volkswirtin, Ex-Arbeiterkammerreferentin, SPÖ-Abgeordnete, EU-Staatssekretärin und Wiener Finanzstadträtin, darf nach bloß fünf Jahren im Siemens-Vorstand nun den Chefsessel übernehmen. Ederer über ihre Befindlichkeit: „In den vergangenen sechs Monaten hat mich die Größe der bevorstehenden Aufgabe gelegentlich schon ein wenig nachdenklich gestimmt.“

Bei der überraschenden Kür der bekennenden Sozialdemokratin hielt sich der Weltkonzern Siemens eisern an sein Ritual. Obwohl Anfang Juli designiert, musste sich Ederer bis zur offiziellen Hofübergabe am 13. Dezember ans vom Konzern verordnete Schweigegelübde halten. Nun ist die „Gitti“ ans Kopfende des Vorstandstisches aufgerückt, wo sie ihren sechs männlichen Kollegen des gerade umbesetzten Vorstandes entgegenblickt. „Irgendwie ist das amüsant“, gesteht Ederer, „aber auch ein wenig seltsam“ (siehe Interview im neuen FORMAT).

Obwohl der scheidende Albert Hochleitner am Mittwoch wieder eine Rekordbilanz präsentiert hat, hinterlässt er auch jede Menge an handfesten Problemen. Damit lässt sich seine Nachfolgerin auf ein Himmelfahrtskommando ein – es reicht von der langfristigen Absicherung des Sonderstatus der Österreicher innerhalb des Weltkonzerns über die diffizile Integration der übernommenen VA Tech bis zu möglichen Grabenkämpfen im eigenen Vorstand.

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