Format über die Märkte der Zukunft

Exporteure feierten in den letzten Jahren in Osteuropa enorme Erfolge. Wohin liefern sie künftig ihre Waren?

Wenn Walter Geyer von Ru­mänien erzählt, redet er so schnell, dass man kaum folgen kann. „Das Land hat einen riesigen Aufholbedarf bei der Infrastruktur“, sagt Geyer euphorisch, „bisher gibt es dort nur 140 Kilometer Autobahn, aber 1.500 weitere sind geplant. Die Rumänen be­finden sich noch immer in einem großen Aufholprozess.“ Der Wiener Unternehmer ist seit 1994 mit seiner Firma Geyer & Buchegger am Schwarzen Meer tätig und verleast Baufahrzeuge, Busse, Trucks und Container an Klein- und Mittelbetriebe. Vergangenes Jahr erwirtschaftete Walter Geyer rund dreißig Millionen Euro, fast hundert Prozent davon im Ausland. Neu abgeschlossen hat das Unternehmen mit nur 25 Mitarbeitern Verträge über fünfzig Millionen Euro. „Durch den Autobahnbau in Rumänien ist der Bedarf nach Transportfahrzeuge für Baumaterialien groߓ, erklärt Geyer das Wachstum seiner Firma.

Österreichs Exporte boomen, und damit auch die Ausfuhren in Schwellenländer. Die Republik Österreich erhöhte daher vergangenes Jahr den Haftungs­rahmen für Exportversicherungen. Denn einige Risiken, vor allem für langlebige Investitionsgüter und in risikoreicheren Ländern außerhalb Europas und den USA, werden von kommerziellen Versicherern nicht übernommen. Dieser Markt ist daher der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) vorbehalten. Sie agiert dabei auf Namen und Rechnung des Staates und hat vergangenes Jahr statt 35 nun 45 Milliarden Euro jährlich zur Ver­fügung.

„Wir hätten Kunden abweisen müssen, wenn der Rahmen nicht erhöht worden wäre“, sagt OeKB-Vorstand Rudolf Scholten, der 2006 mit Exporthaftungen rund siebzig Millionen Euro Überschuss erwirtschaftete (siehe Interview ab Seite 54). Doch wo liegen für österreichische Exporteure die Märkte der Zukunft? Und welche Geschäfte sind dabei besonders riskant?
In der OeKB entfällt immerhin ein Drittel des Haftungsobligos auf Osteuropa, und insgesamt belaufen sich die heimischen Ausfuhren in diese Region auf 15 Milliarden Euro – rund 15 Prozent der Gesamtexporte. Und dies wird sich in der kommenden Dekade wohl kaum ändern: Vor allem Russlandgeschäfte sind bei der OeKB besonders gewachsen. Während vor einigen Jahren noch Umschuldungspositionen aus der Ära des Kalten Kriegs in den Büchern zu finden waren, sind zuletzt nur normale Versicherungen und Kredite vergeben worden. „Die Wirtschaftsaussichten in Russland sind sehr positiv. Daran werden auch die Präsidentschaftswahlen nichts ändern“, glaubt Sylvia Doritsch-Isepp, OeKB-Direktorin für Exportgarantien, Internationales und Services, „und der hohe Ölpreis wird die Wirtschaft auch längerfristig gut in Schwung halten.“

In den kommenden zehn Jahren, so meinen Experten, wird der osteuropäische Raum deshalb immer noch ein Motor für heimische Ausfuhren bleiben. Nur langsam kommen allerdings exotischere Märkte hinzu, wie etwa Indien und China. Das Land der Mitte ist in der OECD-Ri­sikobewertung weit günstiger eingestuft als etwa die Türkei oder Kroatien (siehe Kasten rechts) – und damit bei Export­garantien billiger. „Vor allem Infrastruktur und Umwelttechnologien sind in China und Indien sehr gefragt. Die österreichischen Unternehmen sind in diesen Bereichen sehr gut aufgestellt“, ergänzt Ferdinand Schipfer, OeKB-Di­rektor für Exportgarantien. Wie etwa das oberösterreichische Un­ternehmen Angerlehner. Erst kürzlich zog die Hoch- und Tiefbaufirma einen 20 Millionen Euro schweren Auftrag für das erste Kanalsanierungsprojekt im indischen Kolkata (früher Kalkutta) an Land. In Delhi realisiert Angerlehner ein ähnliches Vor­haben. Der Exportanteil von derzeit 25 Prozent soll in den nächsten Jahren deutlich angehoben werden. „Unser Ziel ist es, die Auslandsumsätze auf mehr als 60 Prozent der Umsätze zu steigern“, so Alfred Angerlehner, der vergangenes Jahr rund
30 Millionen Euro lukrierte.

Auch das Wiener Unternehmen AME International (Umsatz 2007: 11,6 Mil­lio­nen Euro, zu hundert Prozent im Ausland) hat sich nach Asien gewagt. AME – die Geschäftsführer sind ehema­lige Ma­nager des Krankenhausbetreibers Vamed – stattet Spitäler mit medizinisch-technischen Geräten aus, führt IT-Projekte im Gesundheitsbereich durch und berät Privatspitäler beim Markteintritt in anderen Ländern wie Vietnam, Indonesien und Sri Lanka. Besonders aktiv ist AME in China, wo das Unternehmen seit 1995 tätig ist. „China ist sicher unser stabilster und kontinuierlichster Markt“, erzählt AME-Ge­schäftsführer Ekkehart Stremitzer. Stabil, das bedeutet in den meisten Ländern nicht nur eine sichere politische und wirtschaftliche Entwicklung, sondern vor allem vertrauenswürdige Geschäftspartner. Das größte Risiko für Exporteure ist die Zahlungsunfähigkeit ihrer Kunden. „Mit einer Haftungsgarantie kann das Risiko natürlich minimiert werden“, rät AME-Co­geschäftsführer Heinz Messinger.

Vor allem in afrikanischen Staaten sind die Risiken noch immer enorm. Die meis­ten Länder, für die es von Versicherungen überhaupt keine Deckung gibt, befinden sich auf dem Schwarzen Kontinent. Afrika klingt aber für viele wegen seiner Rohstoffvorkommen nach dem Geschäft der Zukunft. Doch die Realität ist bislang anders: 2006 beliefen sich die österreichischen Ausfuhren in Länder wie Nigeria, Uganda und Kenia auf rund 1,7 Milliarden Euro und machten damit weniger als zwei Prozent der Gesamtexporte aus.

Anfang März nimmt die Österreichische Entwicklungsbank, eine Tochtergesellschaft der OeKB, ihre Ge­schäfte auf. Die Bank soll Projekte zwischen einer Million und 25 Millionen Euro in Entwicklungsländern finanzieren. Welche regionalen Schwerpunkte gesetzt werden, wird noch diskutiert. Der Gesamtrahmen beträgt rund 900 Millionen Euro. „Unsere Aufgabe ist es, den Privatsektor in diesen Ländern zu fördern“, sagen die Entwicklungsbank-Chefs Andrea Hagmann und Michael Wancata. Die neue Bank hat vorrangig entwicklungspolitische Ziele, die Förderung der Ausfuhren steht erst an zweiter Stelle.

Von Natalie Amann, Barbara Nothegger

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