FORMAT: Kripo-Ermittlungen zu Libro-
Konkurs nach vier Jahren abgeschlossen

Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Ermittlungsbereich Wirtschaftskriminalität, zum Libro-Konkurs 2002 sind nach vier Jahren abgeschlossen. Zwölf Aufsichtsräte rund um den ehemaligen Aufsichtsratspräsidenten der Libro AG, Kurt Stiassny, die ehemaligen Vorstände André Rettberg und Johann Knöbl sowie vier Wirtschaftsprüfer der Kanzleien Auditor und KPMG wurden von der Kripo bei der Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt wegen Verdachtes auf Betrügerische Krida, Untreue und Bilanzfälschung angezeigt. Den Verdächtigen droht bis zu zehn Jahren Haft. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner aktuellen Ausgabe. Alle betroffenen einstigen Organe der Libro-AG weisen die Darstellung der Kripo gegenüber FORMAT zurück. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Dem Magazin liegt exklusiv eine in vier Schriftsätze unterteilte Strafanzeige mit 250 Seiten Umfang (Aktenzahl GZ P-105.371/02-Wi) vor. In dem Dokument heißt es unter dem Kapitel "Beschreibung der Tat" wörtlich: "Die Vorstände der LIBRODISK Handels AG (Libro AG), André Maarten Rettberg (Vorstandsvorsitzender), Mag. Johann Knöbl (Finanzvorstand) und die Aufsichtsräte der Libro AG Mag. Kurt Stiassny (Aufsichtsratsvorsitzender), Univ.Prof. Dr. Christian Nowotny (stv. Aufsichtsratsvorsitzender), sowie die Wirtschaftsprüfer der Libro AG Dr. Bernhard Huppmann (Auditor Treuhand GmbH.) und Dipl. Ing. Michael Vertneg (Auditor Treuhand GmbH) und die Gutachter Dr. Gottwald Kranebitter (KPMG) und Mag. Freidrich Lang (KPMG) sind verdächtig, in bewusstem und geplantem Zusammenwirken im Jahresabschluss der Libro AG für das Geschäftsjahr 1998/99 (per 28. Feber 1999, Bestätigungsvermerk vom 21. April 1999) die wirtschaftliche Lage der Geselschaft absichtlich verfälscht dargestellt bzw. unrichtig wiedergegeben und falsche Angaben gemacht zu haben, indem sie erhebliche Umstände verschwiegen, ergebniswirksame Anpassungen/Wertberichtigungen nicht durchführten und ungerechtfertigte Aufwertungen vornahmen, um damit eine der Höhe nach ungerechtfertigte Dividendenausschüttung zu ermöglichen."

Die Kripo geht bei der Strafanzeige laut FORMAT im Kern davon aus, dass Aufsichtsräte, Vorstände und Wirtschaftsprüfer die Libro-Bilanz 98/99, auf deren Basis eine Sonderdividende in Höhe von 440 Millionen Schilling ausgeschüttet worden war, und die als Grundlage für den Börsegang gedient hatte, gezielt manipuliert haben. Statt der dargestellten hohen Gewinne habe Libro schon damals 25 Millionen Schilling Jahresverlust geschrieben. Vor allem die deutsche Libro-Tochter sei bewusst viel zu hoch bewertet worden. Die Anleger wären damit dazu verleitet worden, unwissentlich in ein defizitäres Unternehmen zu investieren. Kurt Stiassny dazu gegenüber FORMAT: "Die Vorwürfe sind herbei konstruiert. Sie sind unter anderem durch zahlreiche von uns in Auftrag gegebenen Studien widerlegt."

Sollte die Anzeige vor Gericht bestehen, drohen den Beteiligten nicht nur Haftstrafen, auch Schadenersatzforderungen auf Basis der Prospekthaftung der tausenden Kleinaktionäre, die insgesamt 1,1 Milliarden Schilling investiert hatten, gegen Organe, Prüfer und Banken wären die Folge. Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger sagte gegenüber FORMAT, dass er einen außergerichtlichen Vergleich anstreben werde, weil derartige Klagen langwierig und schwer zu gewinnen seien. Die Konkursmasse der Libro AG hat bereits einen derartigen Vergleich mit den ehemaligen Organen geschlossen und dabei 13 Millionen Euro kassiert. Auch die Telekom Austria, die für eine Sperrminorität an Libro auf Basis einer mutmaßlich falschen Bilanz 1,2 Milliarden Schilling gezahlt hatte, wäre laut FORMAT als börsenotierter Konzern gezwungen, das Geld zurückzufordern.

Brisant ist die Causa auch deshalb, schreibt FORMAT, weil mit Kurt Stiassny und Christian Novotny zwei Prominente der österreichischen Wirtschaft im Mittelpunkt der Anzeige stehen. Stiassny ist Chef der UIAG (Unternehmens Invest AG) und bereitet derzeit den Börsegang des Büromöbel-Herstellers Bene vor. Nowotny gilt als Koryphäe im Aktien-, Wirtschafts - und Handelsrecht, und lehrt als Professor an der Wirtschaftsuni Wien. In der Anzeige heißt es laut FORMAT wörtlich: "Aufgrund der vorliegenden zahlreichen Zeugenaussagen und sichergestellten Unterlagen besteht der begründete Verdacht, dass in der vorliegenden Struktur sämtliche Kontrollorgane (Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsrat) nicht nur versagt, sondern konkret an der Verwirklichung tatbildmäßiger Erfolge mitgewirkt haben."

Auch für den einstigen Libro-Shootingstar André Rettberg, der wegen Verschleierung seiner Vermögensverhältnisse nach dem Konkurs bereits zu drei Jahren Haft (acht Monate unbedingt) verurteilt wurde, bringt die Anzeige neue Probleme, schreibt FORMAT. Er soll unter anderem über einen Treuhandvertrag zehn Prozent an der Pagro Handels Ges.m.b.H. bzw. am Papier Centers Walter Babel GmbH, die bis zuletzt ein Hauptlieferant von Libro war, gehalten haben. Diese Firma soll Libro zu Preisen beliefert haben, die bis zu 25 Prozent über dem Marktüblichen lagen. Rettberg, der für FORMAT nicht erreichbar war, hat diesen Vorwurf in der Vergangenheit mehrfach zurück gewiesen, schreibt FORMAT.

Die Anzeige zeichnet auch ein dramatisches Sittenbild über die Zustände bei der Libro AG vor dem Konkurs, berichtet FORMAT. So sei eine mit Rettberg befreundete Familie als "Trend-Scouts" nach Paris gereist und habe Libro darüber nach Besuchen von Disneyland, einer Buffalo Bill Wild West Show oder eines neuen McDonalds an der Champs Elysees 497.660 Schilling "Leistungshonorar" verrechnet. Eine Dokumentation dazu fanden die Ermittler nicht. "Fotos waren ausschließlich im Familienalbum abgelegt", heißt es in der Strafanzeige trocken.

Ein Beweis für persönliche Bereicherung Rettbergs oder anderer Organe liege damit noch nicht vor, schreibt FORMAT. Rettberg, für den in der Causa die Unschuldsvermtung gelte, habe mehrfach betont, sich im Zuge des Libro-Konkurses nicht persönlich bereichert zu haben.

Die gesamte Story zur Libro-Affäre finden Sie im aktuellen FORMAT!

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