Format-BildungsSerie, Teil 1: Nicht genügend!

Überfüllte Klassenzimmer, frustrierte Lehrer, demotivierte Schüler. Unser Schulsystem steckt in der Krise. Was in den letzten Jahren schief lief und welche Konsequenzen aus PISA- und OECD-Schelte zu ziehen sind.

B ei uns im Unterricht“, sagt Schulleiterin Andrea Eder, „sollen sich alle wohl fühlen.“ „Kasernenhoftöne“, Drill und Massenunterricht sind im Unterrichtsalltag schon lange verpönt. Statt grauer Theorie wird praxisnah und spielerisch gelehrt, statt schlechter Zensuren gibt es Lob für das Lernen aus Fehlern. Andrea Eder leitet freilich keine der 3.324 österreichischen Volks- und 1.170 Hauptschulen und steht auch keiner der 327 allgemein- und 296 berufsbildenden höheren Schulen vor – sie leitet die Welpenschule Lucky Dogs im 22. Wiener Gemeindebezirk.

Der Vergleich mag unpassend erscheinen – aber er zeigt, warum sich die Unterrichtsministerin bei der Beantwortung der dringlichen Anfragen in der Sondersitzung des Nationalrats am vergangenen Dienstag so schwer tat. Österreichs Schulen leiden unter Zuständen, die in keiner Hundeschule mehr geduldet würden: Mehr als 1,2 Millionen Schüler drängen sich in überfüllten Klassen – nicht nach Neigungen und Fähigkeiten, sondern immer noch strikt nach Geburtsjahrgang getrennt. Unterrichtet werden sie nach pädagogischen Konzepten, die aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts stammen. Statt Zusammenhänge zu vermitteln, wird in zusammenhanglos aneinander gereihten 50-Minuten-Einheiten lexikalisches Wissen gepaukt, bevorzugt im Frontalunterricht. Wer Teamgeist zeigt, wird fürs Schummeln bestraft, und Fehler führen zu schlechten Noten statt zu neuen Erkenntnissen. Kein Wunder, wenn die Zensuren laufend schlechter ausfallen. In der zuletzt 2003 durchgeführten weltweit größten Klausurarbeit mussten 4.900 Schüler zwei Stunden lang Aufgaben in Mathematik, Lesen, Physik, Biologie und Erdkunde lösen. Am Ende stellten die Prüfer des „Programme for International Students Assessment“, kurz PISA genannt, der österreichischen Bildungspolitik ein Zeugnis aus, das ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer wochenlang in ihrer Schultasche versteckte, ehe sie es mit bangem Herzklopfen der Öffentlichkeit präsentierte. In Mathematik reichten die Leistungen der 15- bis 16-Jährigen gerade für den 15. Rang unter den 29 OECD-Staaten, beim Lesen landet Österreich auf Platz 19, und in den naturwissenschaftlichen Fächern gar nur auf dem 20. Rang.

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