Ferdinand Piech: Der letzte Auto-Patriarch

Ferdinand Piëch über sein Leben. Der Ex-Volkswagen-Chef, Enkel von Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche und Miteigentümer der gleichnamigen Sportwagenschmiede, blickt in einem spektakulären Buch auf sein Leben zurück. FORMAT bringt weltexklusiv Auszüge aus der Auto-Biographie des mächtigsten und reichsten österreichischen Managers.

Als in Wien die ersten Bomben fielen, kam ich aufs Schüttgut und wurde 1943 in Zell am See eingeschult. Einzige Erinnerung an die erste Klasse ist die Peinlichkeit, die ich empfand, weil die Hand tintenverschmiert wie eh und je war, als wir an „Führers Geburtstag“ den Arm in die Höh reißen mußten.

Der Über-Grossvater
Was die Genialität meines Großvaters Ferdinand Porsche betrifft, so lese und höre ich öfter von seinen langen Schatten, die mich wohl unweigerlich verfolgen müßten und wohl auch zu Komplexen geführt hätten. Es ist ein recht griffiges Thema für Hobbypsychologen.
Genie ist sowieso ein undeutlicher Begriff, mit dem ich meine Schwierigkeiten habe. Mein Großvater war in seinem Metier und in seinem Jahrhundert herausragend. Ich sehe seine Bedeutung nicht als Erfinder, sondern als Konstrukteur mit einer fast renaissancehaften Spannweite. (…)
Was die nachhaltigste Schöpfung des Ferdinand Porsche betrifft, den Käfer, werden die Gefühle bei mir mehrschichtig. Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß der Volkswagen-Konzern am Erbe des Käfers fast zugrunde gegangen wäre. Natürlich ist daran nicht mein Großvater schuld – der lebte längst nicht lang genug, um das zu beeinflussen. Überdies forderte er als glühender Ingenieur laufend das Neue – er hätte sich im Grab umgedreht, hätte er sehen müssen, daß seine Konstruktion noch nach dreißig, vierzig Jahren aktuell war. 21 Millionen Autos eines Typs fertigzubringen hätte er wahrscheinlich nicht als Großtat empfunden, dazu war er viel zu kreativ. Um ehrlich zu sein: Er hätte es wohl zu verhindern gewußt, daß ein und dasselbe Ding zigmillionenmal reproduziert wird.

Audi Quattro
Audi war eine sparsame Firma. Als ich am 1. August 1972 meine Stelle antrat, wurde ich in der Suite des Doktor Prinz im Rappensberger Hof in Ingolstadt untergebracht. Prinz war auf Sommerurlaub, seine Anzüge hingen im Schrank. (…)
Das Beste, was Audi passieren konnte, war unverwechselbare Einzigartigkeit auf einem bestimmten Gebiet. Sie ergab sich in Form des ersten permanenten Allradantriebs für Personenautos, und er sollte „quattro“ heißen. (…)
Das schönste Erlebnis ergab sich im Jänner auf der Turracher Höhe, einer notorisch steilen Straße in Kärnten, auf der man an manchen Tagen mehr Auto-, Reifen- und Schneekettenmenschen trifft als Touristen. Wir hatten unsere diplomatische Allradoffensive begonnen und versuchten, die wichtigsten VW-Leute zu gewinnen, einen nach dem anderen.
Ohne Vertriebschef W. P. Schmidt würde überhaupt nichts gehen, da machten wir uns keine Illusionen. Unter einem allgemeinen Vorwand luden wir Schmidt auf die Turrach, bemühten uns abends um österreichischen Hüttenzauber und beeindruckten ihn morgens mit den tatsächlich fabelhaften Eigenschaften des „falschen“ (allradgetriebenen) Audi 80.
Der Zufall wollte es, daß an jenem Tag auch das Management eines führenden Schneekettenerzeugers auf der Turrach war. Als die Herren uns erkannten, baten sie, ihre neuesten Produkte vorführen zu dürfen. Sie durften. Ich rumpelte mit Schmidt in einem dieser Fahrzeuge herum, wir zeigten uns höflich beeindruckt. Inzwischen hatten unsere Leute den äußerlich völlig normalen Audi 80 in Stellung gebracht, mit Sommerreifen mitten auf der Steigung der Schneefahrbahn. Wir stiegen rasch um und fuhren los, und unsere Ingenieure erlebten derweil, wie uns das perplexe Kettenvolk mit offenen Mündern nachstarrte.
Solche Erlebnisse sind für das Gewinnen von Mitstreitern unendlich kostbar, und den Doktor Schmidt hatten wir von diesem Moment an mit im Boot – bei aller Skepsis eines Vertriebschefs, natürlich: Er fragte uns damals, wie viele Autos wir davon bauen wollten, und wir sagten vierhundert. Schmidts Antwort wurde später bei Audi berühmt: „Wem, um Himmels willen, soll ich denn vierhundert von den Dingern verkaufen?“

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