Faymanns SchachZüge

Horst Pöchhacker, Chef des Baukonzerns Porr, hatte das optimale Timing: Der neue ÖBB-Aufsichtsratspräsident in spe wollte vergangenen Mittwoch im Wiener Klub der Wirtschaftsjournalisten eigentlich über die Bauwirtschaft dozieren. Doch die versammelten Journalisten interessierten sich für eine ganz andere Frage: Wie will der 68-jährige Topmanager den ÖBB künftig seinen Stempel aufdrücken?

Pöchhacker, seit seiner Hochschulzeit SPÖ-Mitglied, ist für den Job als Strippenzieher bei der Bahn geeignet wie kaum ein anderer: „Schon meine beiden Großväter waren Fahrdienstleiter bei der Bahn“, so der Baumanager über seine Qualifikation. Spätestens im September zieht er ins ÖBB-Kontrollgremium ein – auf ausdrücklichen Wunsch des neuen roten Verkehrsministers Werner Faymann. Nun soll Zug um Zug – so Faymanns Plan – die gesamte Bahn umgekrempelt werden: Aufsichtsrat, Vorstand und die komplette Unternehmensstruktur.
Faymann stellt auch im eigenen Ministerium die Weichen neu und will seine zwei Sektionen für Straße und Schiene besser aufeinander abstimmen – samt Installierung eines Koordinators. Favorit für den Spitzenjob ist Herbert Kasser, derzeit Leiter der Abteilung Infrastrukturfinanzierung im Finanzministerium.

Innerhalb der ÖBB wird aber Horst Pöchhacker der starke Mann sein – und die Bahnreform dirigieren. Er folgt auf Aufsichtsratsboss Wolfgang Reithofer, Chef des Ziegelherstellers Wienerberger, der bei der ÖBB-Hauptversammlung im Mai sein Mandat zurücklegen wird.
Von Pöchhacker ist zu erwarten, dass er den ÖBB-Konzern mit dem ihm eigenen Durchhaltevermögen allmählich nach seinen Vorstellungen umbaut. Ausdauer hat der ehemalige Leichtathlet
und Jugendmeister im Speerwurf schon bisher bewiesen: In seinem gesamten Erwerbsleben hat er ausschließlich für den Porr-Konzern gearbeitet. 1962 stieß er zum Unternehmen, direkt nach dem Studium des Bauingenieurswesens an der Technischen Universität. Seit 1982 führt der gebürtige Wiener den Porr-Vorstandsvorsitz, der Sprung in den ÖBB-Aufsichtsrat ist sein erster Wechsel.

Zähigkeit und Besonnenheit sind seine wesentlichsten Charakteristika. „Wichtige Entscheidungen treffe ich grundsätzlich erst nach einer langen Überlegungsphase“, beschreibt Pöchhacker seinen Arbeitsstil. Ob dieser Bedachtsamkeit streut ihm sogar ÖVP-Verkehrsexperte Helmut Kukacka Rosen: „Pöchhacker ist unbestritten ein qualifizierter Mann.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT

SPÖ: Doris Bures steht nicht für Vorsitz zur Verfügung

Politik

SPÖ: Doris Bures steht nicht für Vorsitz zur Verfügung

Auto & Mobilität

Audi startet mit erstem Elektro-Auto in die Zukunft

Kern legt SPÖ-Parteivorsitz zurück, will in EU-Politik

Politik

Kern legt SPÖ-Parteivorsitz zurück, will in EU-Politik