Fangnetz für die AUA

Für die krisengeschüttelte Austrian Group zeichnet sich eine österreichische Lösung ab. Niederösterreich, Wien und Tirol bringen sich für einen Einstieg per Kapitalerhöhung in Stellung.

Nur nicht zum Wahlkampfthema werden. Alfred Ötsch, Chef der krisengeschüttelten Austrian, will keine zusätzlichen Turbulenzen riskieren. Entsprechend verwirrend ist die derzeitige Kommunikationsstrategie der Fluglinie. Hartnäckige Gerüchte über einen möglichen Einstieg des Landes Niederösterreich und der Stadt Wien machten die Runde, von beiden halbherzig dementiert, von der Austrian selbst nicht kommentiert.

Tatsache ist: Bei der jüngsten Hauptversammlung im Mai ließ sich Ötsch eine Kapitalerhöhung von den Aktionären absegnen. Binnen der nächsten fünf Jahre darf sich Ötsch bis zu 350 Millionen Euro vom Kapitalmarkt holen. Geld, das die mit 1,7 Milliarden Euro verschuldete Fluglinie, die heuer voraussichtlich nochmals 150 Millionen Euro Jahresverlust schreiben wird, dringend braucht, um eine Zukunftsperspektive als Unternehmen in mehrheitlich österreichischem Besitz zu haben. „Wir brauchen das Geld nicht für die Aufrechterhaltung des Betriebes, sondern um unser Geschäft auszubauen“, hat Ötsch schon mehrfach betont.

Politisch brisant sind die Details der geplanten Geldspritze für die vor allem vom hohen Kerosinpreis gebeutelte Airline trotzdem. Denn im Hintergrund formiert sich tatsächlich eine Art großkoalitionäres Auffangnetz für die trudelnde AUA – mit dem niederösterreichischen VP-Landeshauptmann Erwin Pröll und dem roten Wiener Bürgermeister Michael Häupl als Frontmännern. Die AUA hat dem Vernehmen nach die Investmentbank Merrill Lynch mit der Abwicklung der Kapitalerhöhung beauftragt. Das konkurrierende Investmenthaus Goldman Sachs hatte zuvor gemeinsam mit der Raiffeisen Investment AG als Partner den Auftrag abgelehnt. Grund: mangelnde Erfolgsaussichten bei der Platzierung der Aktien am Finanzmarkt.

Merrill Lynch kann nun aber mit einem Rettungsanker arbeiten. Der aktuelle Stand der Planung: Die Kapitalerhöhung wird kurz nach der Nationalratswahl am 1. Oktober starten. In einem ersten Schritt kommen die Finanzpartner zum Zug. Zeichnen wird das so genannte Österreich-Syndikat, dem neben der Wiener Städtischen Versicherung auch die drei Banken BA-CA, Bawag PSK und RZB angehören. Städtische-General Günter Geyer und Bawag-PSK-Boss Ewald Nowotny bestätigen unisono: „Wir sind dabei.“

Sollte diese Gruppe die benötigte Gesamtsumme nicht aufbringen wollen, springen Niederösterreich und Wien in die Bresche. Beide sind interessiert, weil sie auch Mehrheitseigentümer des Flughafens Wien sind, der mit einer AUA in ausländischer Hand drastische Umsatzeinbrüche zu gewärtigen hätte. „Wir sprechen darüber“, bestätigt ein hochrangiger niederösterreichischer Landespolitiker. Und Bürgermeister Häupl antwortet auf die Frage nach einem Engagement Wiens: „Ich will nichts ausschließen.“

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