Exklusiv: Strafakte Rettberg

Die Ermittler sind im Libro-Krimi auf neue Geldverstecke des flüchtigen Ex-Libro-Chefs André Rettberg gestoßen. Der bricht in FORMAT erstmals sein Schweigen.

Die Fahndung nach dem seit 16 Tagen flüchtigen Ex-Libro-Chef André Maarten Rettberg läuft auf Hochtouren. Im Beisein des Bür-germeisters ließ die Kripo zu nächtlicher Stunde Rettbergs Privatdomizil in Bad Fischau von einem Schlosser aufbrechen. Drinnen hatte Licht gebrannt, doch das Gebäude war leer.

Kripobeamte kreuzten auch zu Hausdurchsuchungen bei Rettbergs Mutter in Salzburg, bei seiner Schwester in Niederbayern und bei seinen Schwiegereltern in Tirol auf – immer vergeblich. André Rettberg bleibt für Polizei, Staatsanwalt und Untersuchungsrichter wie vom Erdboden verschluckt.

Gegenüber FORMAT bricht der per internationalen Haftbefehl gesuchte 46-jährige ehemalige Top-Manager nun erstmals sein Schweigen. Aus seinem Schlupfwinkel lässt er über seinen Strafverteidiger Elmar Kresbach ausrichten: „Ich bin unschuldig. Ich möchte so schnell wie möglich Gespräche mit der Justiz führen, um die Vorwürfe zu entkräften – auch öffentlich.“

Neue Enthüllungen. Rettberg, gegen den wegen betrügerischer Krida (Höchststrafe: zehn Jahre Haft) ermittelt wird, weiter: „Voraussetzung für meine Rückkehr ist, dass mir freies Geleit gewährt wird. Ich hoffe in diesem Punkt auf ein Einsehen des Justizministeriums.“

Die Zweifel an Rettbergs Unschuld werden indes immer größer: Bereits vergangene Woche hatte FORMAT enthüllt, dass Rettberg zumindest 4,4 Millionen Euro in der in Wien firmierenden Esposa Liegenschaftsverwaltung GmbH geparkt hat.

Aus dem der Redaktion ebenfalls exklusiv und vollständig vorliegenden Gerichtsakt zum Kriminalfall Libro geht nun hervor, dass der mutmaßlich gebunkerte Libro-Schatz noch weitaus größer ist: Die Kripo stieß inzwischen auf weitere Geld- und Wertpapierdepots, deren Existenz Rettberg mit Anwaltshilfe bisher äußerst geschickt verschleiert hat.
Zitat aus dem Gerichtsakt vom 15. Jänner 2004 (Kapitel „Verheimlichen / Beiseiteschaffen von Vermögen“): „André Rettberg verweigert detaillierte Angaben zu seinem Vermögen beziehungsweise gibt falsche Angaben.“

Neue Geldverstecke. Die neuen Erkenntnisse im Detail:

  • Rettberg hat bisher vorgegeben, sein Vermögen in Libro-Aktien reinvestiert und beim Firmenkollaps alles verloren zu haben. Bei einer Vernehmung am 24. Juli 2003 gab er zu Protokoll: „Ich habe vor allem in Libro-Aktien investiert, damit aber letztendlich mein gesamtes Vermögen verloren“.

Kleiner Haken an dieser Version: Auf allfällige Aktiennachkäufe gibt es laut Gerichtsakt keinen einzigen Hinweis. Zitat aus dem Akt: „André Rettberg verweigerte deren Nachweis beziehungsweise verweigerte auch die Information, über welche Konto- bzw. Bankverbindungen die behaupteten Transaktionen stattgefunden hätten.“

André Rettberg hält aus seinem Versteck gegenüber FORMAT dagegen: „Das Geld, das an mich ausbezahlt wurde, habe ich völlig legal erworben. Tatsache ist, dass ich jetzt kein Geld mehr zur Verfügung habe.“

  • Die Spuren jener 4,4 Millionen Euro, die Rettberg von seinem Gewinn aus Aktienverkäufen in Höhe von insgesamt 189.283.389,02 Schilling nach Abzug von Verbindlichkeiten geblieben war, verwischte Rettberg laut Gerichtsakt nach allen Regeln der Kunst: So floss das Geld von einem Konto der Investkredit zuerst zur Schweizer Treuhandgesellschaft Jura Trust AG, von wo aus es über Liechtenstein schließlich auf einem Konto der Wiener VCH seiner Geschäftsfreunde und schließlich bei der Esposa im Wiener Palais Auersperg landete.

Dazu Rettbergs Partner Falko Müller-Tyl: „Diese Mittel wurden und werden ausschließlich dafür verwendet, um Rettbergs Anwaltsspesen und Gläubigervergleiche zu finanzieren. Ob das für irgendjemand ein Geschäft ist, wird sich erst herausstellen.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Die diskreten Geldflüsse des André Rettberg
PLUS: Wie sich der flüchtige Rettberg bei seinem letzten Verhör im August ’03 verteidigte
PLUS: Libro-Sonderdividende: Ermittlungen gegen zwölf Verdächtige

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