Es fehlt das gute Beispiel der Politik und der Konzerne

Der Vorschlag von Minister Josef Pröll hat einen ernsten Hintergrund. Der CO2-Ausstoß soll verringert werden, aber wie?

Der Appell des Umweltministers an die Urlauber, auf Fernreisen zu verzichten, ist gut gemeint, wird aber ins Leere gehen. Zum Ersten stellt der Urlaub für die meisten Menschen die populärste Form von Glück dar und ist, neben Weihnachten, die emotional wichtigste Zeit im Jahresverlauf. Man freut sich darauf, plant, spart und will sich diese Vorfreude nur ungern verderben lassen. Gebote und Verbote sind da am allerwenigsten willkommen. Zum Zweiten wirkt der pädagogisch erhobene Zeigefinger besonders im Freizeitbereich oft sogar kontraproduktiv. Je mehr andere da vorgeben, desto weniger hat das aus Sicht der Betroffenen mit Freizeit oder Urlaub zu tun.

Dazu kommt drittens, dass wir alle unsere lieb gewordenen Gewohnheiten pflegen wollen und Veränderungen nur sehr ungern vornehmen. Von freiwilligem Verzicht aus Vernunftgründen gar nicht erst zu sprechen, und die im Laufe der Zeit gewonnene Mobilität spielt in diesem Zusammenhang eine besonders große Rolle.

Dazu kommt noch etwas: Bei allem Zuwachs an sogenannter Freizeit wird die wirklich „freie Zeit“ für den Einzelnen selbst immer knapper. Ein Paradoxon, dem man sich daher ganz besonders und bewusst im Urlaub entziehen will. Selbstbestimmung ist da angesagt. Das Entscheidende für die konkrete Verweigerung des Flugreiseverzichts werden aber die, erst im Laufe der aktuellen Diskussion bekannt gewordenen, Begleitumstände sein.

Und da hat die Politik Erklärungs- und Handlungsbedarf. So argumentiert der Durchschnittsurlauber: Amerikaner und Chinesen machen, was sie wollen. Staaten und Industriekonzerne kaufen sich von Emissionsbeschränkungen frei. Die Automobilindustrie hält sich nicht an die gewünschten Vorgaben. Der Flugverkehr trägt nur etwa drei Prozent zum weltweiten Schadstoffausstoß bei, und da soll mein Flugverzicht im Urlaub ein wichtiger Umweltbeitrag sein? Solange die Großen und Mächtigen nicht mit wirklich gutem, nachhaltigem Beispiel vorangehen, wird sich im Urlaubsverhalten daher gar nichts ändern.

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