Erster Schritt zur Verringerung von Strukturdefiziten

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer will die Spekulationsfrist von einem Jahr abschaffen. Was sagen vier FORMAT-Finanzexperten dazu?

Mit seinem Vorschlag zur Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf von Wertpapieren orientiert sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer an einem international vorherrschenden Trend. Hierzulande werden derzeit nur Veräußerungsgewinne besteuert, die innerhalb einer „Spekulationsfrist“ von einem Jahr anfallen: im Rahmen des regulären progressiven Einkommensteuertarifs mit maximal 50 Prozent. Viele Länder kennen keine Behaltefrist, sondern besteuern Veräußerungsgewinne generell; dafür aber häufig mit einem relativ niedrigen einheitlichen Steuersatz. Gelegentlich wird (etwa in den USA) ein zeitlich gestaffelter Steuersatz angewendet: Je länger der Anleger die verkauften Wertpapiere gehalten hat, desto geringer ist der Steuersatz, um langfristige Finanzanlagen etwa für die Altersvorsorge zu fördern.

Auch Deutschland, das bislang ebenfalls nur kurzfristige Spekulationsgewinne im Veranlagungsverfahren besteuert, geht in diese Richtung. Ab 2009 wird eine zeitlich unbefristete, an der Quelle einbehaltene Abgeltungssteuer von 25 Prozent erhoben: auch, um die umfangreiche Steuerhinterziehung einzudämmen. Eine entsprechende Reform der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen in Österreich könnte zur Verringerung bestehender Strukturdefizite im österreichischen Abgabensystem beitragen: was – neben der geplanten Entlastung – eine wesentliche Zielsetzung der anvisierten Steuerreform 2010 sein sollte.

Auch die Lohn- und Einkommensteuer weist nämlich strukturellen Reformbedarf auf. Der mit problematischen Arbeitsanreizwirkungen verbundene hohe Eingangssteuersatz von gut 38 Prozent sollte gesenkt werden. Zur Vermeidung der kalten Progression wäre die Einkommensgrenze, oberhalb derer der Spitzensteuersatz fällig wird, entsprechend der Inflation anzuheben.

Die Steuerausfälle hieraus könnten zumindest teilweise durch die zu erwartenden Mehreinnahmen aus einer reformierten Veräußerungsgewinn-besteuerung kompensiert – und somit eine Strukturverbesserung bei Lohn- und Einkommensteuer erreicht werden.

Kommentar
Oliver Greiner, Strategieberater bei Horváth & Partners.

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