Erdöl: endliche Vorräte mal wachsender Bedarf = explodierender Preis

Zwei Drittel der Weltölvorräte für den Verkehr.

Wirklich überraschen kann es niemanden, der nur ein wenig über den historischen oder geografischen Tellerrand hinausblickt: Dass Erdöl ein knappes und allein deshalb immer teurer werdendes Gut ist, verkünden Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Dennis Meadows, 1972 ein Autor des legendären „Club of Rome“-Berichts über „die Grenzen des Wachstums“, rief zuletzt im Jänner dieses Jahres gegenüber FORMAT seine diesbezügliche Prophezeiung in Erinnerung: Die globale Ölproduktion werde bald ihren Höhepunkt erreicht haben; und es werde immer kostspieliger, diese Ressource zu finden, zu nutzen und – so sein Hinweis auf den Krieg im Irak – zu bewachen. Der viel zitierte „Schmierstoff für die Weltwirtschaft“ drohe bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu versiegen. Selten wurde eine These von Meadows und Konsorten so rasch von der Wirklichkeit bestätigt wie diese.

Natürlich wird es kein abruptes Ende des „Erdölzeitalters“ geben. Noch werden täglich mehr Millionen Barrel denn je gefördert, freilich zu immer höheren Kosten. Vor allem: Der Verbrauch des Erdöls wächst noch viel stärker. Schließlich wollen auch die 2,5 Milliarden Chinesen und Inder, die derzeit etwa 12 Prozent des Weltvorrats verbrauchen, zum Wohlstand der 300 Millionen US-Amerikaner (verbrauchen derzeit das Doppelte) aufschließen, wollen Güter transportiert wissen und selbst Autos nutzen können. Folge: Experten meinen, dass schon in acht Jahren 15 Prozent des Weltbedarfs fehlen werden. Und dass in vierzig, fünfzig Jahren die bisher gefundenen „Vorratskammern“ leer sein werden. Die Konsequenzen sind in jeder Hinsicht dramatisch, aber globalwirtschaftlich logisch: Der Kampf um die bestehenden „Reichtümer“ wird härter, mit allen politischen, gar militärischen Konsequenzen. Die Suche nach neuen wird kostspieliger, das vorhandene Gut teurer. So wie bald auch beim noch (über)lebensnotwendigeren Rohstoff Wasser. Oder bei anderen Lebensmitteln wie Reis oder Getreide, deren Fehlen in den vergangenen Monaten bereits zu Hungeraufständen in Asien, Afrika und Mittelamerika geführt hat.

In Österreich merkt man von diesen Vorgängen in der Weltwirtschaft noch relativ wenig. Man ärgert sich über steigende Lebensmittelpreise, wundert sich über Engpässe in der Wasserversorgung europäischer Metropolen wie Barcelona oder Marseille, tobt jetzt über die hohen Treibstoffpreise. Und man sucht nach Schuldigen. Die Regierungen etwa (stehen auf nationaler Ebene diesen Entwicklungen völlig hilflos gegenüber), die Lebensmittel- und Erdölkonzerne (die sich da und dort ihr kräftiges „Körberlgeld“ holen), die Spekulanten (die kurzfristig Krisen verschärfen, aber nicht allein verursachen können). Sie alle können durch öffentlichen Druck dazu gebracht werden, die ärgsten Belastungen zu lindern: Regierungen können einschlägige Steuern senken, Spekulanten durch andere be­lastet werden, Konzerne durch kluges Konsumverhalten zu kurzfristigen Verbilligungsaktionen gezwungen werden.
Aber all das wird nichts an der wirtschaft­lichen Logik ändern, dass Rohstoffe bei end­lichen Vorräten und explodierenden Nachfragen sündhaft teuer werden. So teuer, dass man ihren Verbrauch kurzfristig einschränken und längerfristig Alternativen finden muss. Insbesondere im Verkehrswesen, für das fast zwei Drittel der Weltölvorräte verwendet werden.

Für die derzeit aufgewühlte österreichische Autofahrerseele müsste das bedeuten: weniger fahren, sparsamer fahren, möglichst viel auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Für die internationale Autoindustrie: noch rascher Alternativen zum Benzinmotor entwickeln. Und für die Herren der Weltpolitik und der Weltwirtschaft: viel Geld und Grips für neue Energieformen aufwenden. Und sich nicht mit kurzfristigen Lösungen zufrieden geben, die zu neuen Konflikten führen. Es spricht viel dafür, dass die globale Nutzung von Biotreibstoffen – in ihrer derzeitigen Form – den Verteilungskampf um Treibstoffe zwar aufschiebt, dafür aber einen anderen anheizt: jenen um die unmittelbar benötigten Nahrungsmittel.

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