Endlich mehr Urlaub für weniger Geld:
20 clevere Tipps für den Sommertrip

Die gute Nachricht: 2008 ist ein Spätbucher-Jahr, umso stärker buh­­len Reiseveranstalter mittels kurzfristiger Schnäppchen um den Sonnensüchtigen. Günstige Angebote gibt es bereits jetzt, mit fortschreitendem Sommer ist mit noch mehr Urlaub für noch weniger Geld zu rechnen.

Die schlechte Nachricht: Urlaub wird im Allgemeinen nicht billiger. „Am Reiseveranstaltermarkt herrscht Preisdisziplin“, bestätigt Josef Peterleithner, Konzernsprecher des größten österreichischen Reiseveranstalters, der TUI. Langfristig werden Treibstoffpreise und Klimawandel dazu beitragen, dass die Reisepreise steigen, vor allem das Fliegen wird teurer. Überkapazitäten, die noch in den vergangenen zwei Jahren die Veranstalter dazu zwangen, viele Schnäppchen auf den Markt zu werfen, gibt es heuer nicht. Die Großen der Reisebranche haben weniger eingekauft, gespart wurde zum größten Teil bei den Flügen. Also gibt es auch nichts zu verschleudern. Mit schwingt die latente Angst, die Rezession könnte das Reisebudget um empfindlich viele Euros kürzen.

Drückt die allgemein flaue Wirtschaftslage also auch auf das Urlaubsbudget? Nein! Zumindest nicht in Österreich, wo die Reise-Brieftasche mit 2.426 Euro um 7 Prozent über dem europäischen Durchschnitt gefüllt ist, wie eine aktuelle Um­frage des französischen Meinungsforschungs­instituts IPSOS und der Notfall- und Service­organisation Europ Assistance ergab. Damit rangiert Österreich knapp hinter den noblen Briten, die mit 2.584 Euro über das höchste Urlaubsbudget Europas verfügen. „Die Österreicher sind wieder bereit, mehr Geld in ihren Urlaub zu investieren. Dafür sind auch die Erwartungen an die gebotenen Leis­tungen gestiegen“, meint Jean-Fran­çois Diet, Geschäftsführer von Europ Assis­tance Österreich. Auch an Reiselust mangelt es hierzulande nicht. Obwohl sie um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken ist: Es bleiben 62 Prozent reisefreudiger Österreicher, die sich heuer einen Urlaub gönnen wollen, 87 Prozent davon planen einen „klassischen Sommerurlaub“ von ein bis zwei Wochen. Und das trotz einem atypischen Reisejahr, geprägt von verzögerten Sommer­buchungen und der Fußballeuropameisterschaft, die 500.000 Österreicher mit einer Urlaubssperre für die Dauer der EURO belegt, wie der Trendforscher Andreas Reiter vom Zukunftsbüro Format gegen­über bestätigt. Dass sich deswegen das Buchungsaufkommen für den Juni in Grenzen hält, spürt kaum einer der österreichischen Reiseanbieter. Denn der Monat vor den großen Ferienmonaten wird traditionell mit Sonderangeboten gefüllt und ist weniger gut gebucht. Wie gerufen kommt daher die EURO: Sie erleichtert die Vermarktung der Schnäppchen.

Günstige „Fluchthelfer für EURO-Müde“ und Angebote für jene, die weder Urlaubssperre noch schulpflichtige Kinder berücksichtigen müssen, gibt es eine Menge (siehe Kasten). Wie viel unter dem sonst üblichen Preis die Anti-EURO-Angebote nun wirklich liegen, will keiner der Veranstalter genau in
Zahlen ausdrücken, aber „sie sind günstiger, mit zusätzlich inkludierten oder ermäßigten Leistungen“, so TUI-Sprecher Peterleithner. Beim größten österreichischen Touris­tikkonzern, der Verkehrsbüro Group, reist die Begleitperson um die Hälfte des Reisepreises nach Griechenland oder Teneriffa. Ins Austria Trend Life Resort Loipersdorf reist die zweite Person überhaupt kostenlos mit. Die Last-Minute-Tochter der Gruppe, Billige Reisen, zelebriert einmal pro Monat den „Crazy Day“. „Wir hatten im Mai sensationelle Buchungen, teilweise geht es schon ab 199 Euro für eine Woche nach Griechenland“, erklärt Martin Bachlechner, Vorstandsdirektor der Verkehrsbüro Group. „In den kommenden Monaten konzentrieren wir uns in der Restplatzvermarktung auf Griechenland, Österreich und Kroatien.“ Das Österreich-Angebot läuft über die Verkehrsbüro-Tochter Eurotours, die auch Hofer Reisen beliefert und Reisen zu „Diskont-Preisen“ anbietet.

Budgetschonend urlauben heißt den starken Euro ausnützen. „Es ist ein legitimer Wunsch, im Urlaub dorthin zu reisen, wo der Euro am meisten Wert hat. Der gesamte asiatische Raum ist durch den Dollar sowie durch die verstärkte Nachfrage nach Bausteinreisen zusätzlich äußerst attraktiv geworden“, klärt TUI-Chef Pümpel auf. Am günstigsten ist der Urlaub in der Türkei, wo 100 Euro laut aktueller Erhebung der Bank Austria die Kaufkraft von 144 Euro haben (siehe Grafik). Deutlich billiger wurden im Vergleich zum Vorjahr vor allem die USA wegen ihrer schwachen Währung. Statt 120 Euro vor einem Jahr erhalten Urlauber jetzt in den Staaten einen Gegenwert von 137 Euro. Das ist sogar mehr als in Ungarn, das sechs Prozent teurer wurde. Das vorteilhafte Währungsverhältnis schlägt sich auch im Angebot der Reiseveranstalter nieder: USA-Spezialist FTI legte heuer einen besonderen Schwerpunkt auf den Nordwesten, der bei fast allen Veranstaltern als Geheimtipp gehandelt wird. Oregon ist ideal, um die pure Wildnis zu ge­nießen und Bären zu beobachten, und sehr gut mit Kalifornien zu kombinieren, schwärmt Sylvia Moser von FTI. Günstiger sind im Zuge des Dollar-Verfalls auch alle Asien-Ziele geworden, die an die US-Währung gekoppelt sind. Thailand, eigentlich eine Winterdestina­tion, wird heuer auch im Sommer stärker nachgefragt. Stefan Bruckbauer, Vize-Chefvolkswirt der Bank Austria: „Bei exotischen Ländern ist es wegen der je nach individuellem Anspruch sehr unterschiedlichen Preisniveaus schwierig, einen absoluten Kaufkraftwert anzugeben. Relativ gesehen sind Mexiko mit minus 17 Prozent und Südafrika mit Minus 15 Prozent deutlich günstiger als vor einem Jahr. Dafür wurde Brasilien 7,9 Prozent teurer.“

Zu den typischen Kostenfallen im Ur­laub gehören jedes Jahr die hohen Handy-Roaminggebühren (Tipps dazu siehe Kasten) sowie die Maut- bzw. Benzin­kosten bei erdgebundenen Reisen. Das Abrufen der eigenen Mailbox wird teuer, zu empfehlen sind SIM-Karten des jeweiligen Urlaubslandes. Damit die Urlaubsfreuden nicht getrübt werden und das Auto am Ende mehr frisst als eine vierköpfige Familie, ist ein Blick auf den Benzinkostenvergleich des ARBÖ ratsam. Zwar ist das Jammern hierzulande groß, doch Österreich rangiert im unteren Mittelfeld und gehört mit 65,60 Euro pro vollgefüllten Tank zu den günstigen Ländern. Einmal Volltanken lohnt sich im benachbarten Ausland, in der Slowakei, in Tschechien und Ungarn. Wer mit dem Mietwagen in Griechenland oder Spa­nien unterwegs ist, darf öfter tanken und spart im Vergleich zu Österreich 4,20 Euro. Am wenigsten belastend, ist eine Tankfüllung dazwischen. Sollte Ihr Urlaub also nach Kroatien führen, Pausen an der slowenischen Adria einlegen.

Von Romana Kanzian, Mitarbeit: B. Mayerl, L. Traumüller

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