Ein Zug nach nirgendwo

Sture Gewerkschaft, Chaos-Politik, interne Rangeleien: Der „kapitale Sanierungsfall“ ÖBB ist für General Huber kaum zu steuern. Die Zahlen werden 2006 noch schlechter.

Die Sache war geschickt eingefädelt. Ein paar diskrete Hinweise aus ÖVP-Kreisen führten letzte Woche zu Journalistenfragen an Infrastrukturminister Hubert Gorbach, einen brisanten Gesetzesentwurf betreffend. Gorbach stieg darauf ein und bestätigte Pläne zur Änderung des Eisenbahnerdienstrechts. Noch am gleichen Tag avancierte die Sache zur Staatsaffäre – und blieb das bis heute. Gorbach ist das Ziel wüster Attacken. Die eigentlichen Hardliner, Staatssekretär Helmut Kukacka und seine VP-Kollegen, lehnen sich zufrieden zurück: Die Katze ist aus dem Sack, die Prügel steckt der Minister ein.

Für ÖBB-Boss Martin Huber und seinen Personalchef Franz Nigl war das Timing weniger perfekt. Huber weilte gerade auf der malaysischen Insel Langkawi im Urlaub, Nigl steckte mitten im Übersiedelungsstress von der City in die neue ÖBB-Zentrale am Wienerberg. So nahm das Chaos munter seinen Lauf. Gorbach warnte vor „einem Bankrott des Unternehmens“. Wilhelm Haberzettl empfahl dem Minister, „den Mund zu halten“, und kündigte Streiks an.

Die Situation bei den Bundesbahnen ist nahezu ausweglos verfahren. Die Gewerkschaft mauert gegen den Personalabbau und die Lockerung des Kündigungsschutzes. ÖBB-Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer stöhnt: „Einzigartige Sonderrechte sollen auf Kosten der Steuerzahler aufrechterhalten werden.“ Aber auch die von der Regierung groß gefeierte neue ÖBB-Struktur funktioniert nicht. SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder nennt sie den „größten Flop der Nation“. Gravierende Schwachstellen zeigen sich jedenfalls.

Die Bahn-Holding hat wenig Zugriffsmöglichkeiten auf die operativen Aktiengesellschaften. Womit man Exgeneral Rüdiger vorm Walde kaltstellen wollte, „das muss jetzt der Huber ausbaden“, poltert Haberzettl. Martin Huber, der sich selbst als Prellbock bezeichnet, will mehr Macht, um Entgleisungen zu verhindern. Er spricht von einem „kapitalen Sanierungsfall, ärger als erwartet“.

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