Ein Wählerdrittel durch die Bawag beeinflusst

Hat die SPÖ zehn Tage vor der Wahl noch eine Chance, den Rückstand auf die ÖVP aufzuholen?

Verschiedene Umfragen sagen, dass gut ein Drittel der Wähler durch die Bawag-ÖGB-Affäre in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst wird. Damit ist sie das wichtigste Thema im Wahlkampf und hat vorher dominierende Fragen zu Arbeit, Bildung und Gesundheit völlig überschattet. Die Schlagkraft von SPÖ-Kernpositionen wurde dadurch geschwächt, die für die ÖVP unangenehme Pflegediskussion war auch bald vom Tisch. Den Rest besorgte die selbstzerstörerische interne Kritik gedemütigter Gewerkschafter am Spitzenkandidaten Gusenbauer, wodurch die SPÖ monatelang mit sich selber beschäftigt war. So betrachtet, hat die Bawag-ÖGB-Affäre die Nationalratswahl schon recht früh entschieden. Das deckt sich auch mit allen Umfragen: Anfangs lag die SPÖ immer deutlich vor der ÖVP, zum Höhepunkt des Skandals fiel sie aber fünf bis sechs Prozentpunkte zurück, nun hat sich der Vorsprung der ÖVP auf zwei bis drei Prozentpunkte eingependelt.

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass es die SPÖ in den wenigen verbleibenden Tagen bis zur Wahl noch schafft, zur ÖVP aufzuschließen, vor allem, weil durch die jüngsten Flöttl-Aussagen zu Vranitzky-Honoraren und angeblicher SP-Parteifinanzierung das schon etwas abgekühlte Thema wieder neu aufgekocht wurde. Immerhin versucht Gusenbauer aber nun, eine Gegenoffensive und die ÖVP in den Bawag-Sumpf mit hineinzuziehen. Das Ganze sei nichts als Verleumdung, die ÖVP habe schon früher von den Skandalen rund um Bawag, Elsner, Flöttl gewusst und dies für den Wahlkampf aufgehoben, so lautet seine Vorwärtsstrategie.

Andererseits hat aber die VP ihren größten Trumpf bisher im Ärmel behalten. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat sich aus dem bisherigen Wahlkampfgetöse herausgehalten und seine Minister zu den TV-Debatten geschickt. Die ÖVP wollte damit die Breite und Kompetenz ihres Regierungsteams zeigen, andererseits steigt der Kanzler zum Höhepunkt des Wahlkampfes ziemlich frisch und unverbraucht in den Ring. Die Wahl wird dadurch entschieden werden, ob diese Strategie aufgeht oder ob Gusenbauer im letzten Moment mit seinen Gegenangriffen die eigenen, vom Bawag-ÖGB-Skandal recht verunsicherten Wähler noch mobilisieren kann.

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