Ein vergauggtes Leben: Gauggs Flucht in die USA

Affäre Gaugg. Vergangenen Mittwoch checkte er im Hilton in Miami ein, weit weg vom Wirbel in Österreich. Denn FP-Sozialsprecher und Alkofahrer Reinhart Gaugg wurde zur Symbolfigur für eine Partei, die Postenschacher anprangert, aber gern zugreift, wenn es paßt.

Frank Sinatra war da, Elvis Presley, Bob Hope und auch Sammy Davis Jr. Diesen Dienstag kam auch Reinhart Gaugg. Der Pool mit Lagunenkulisse wird ihn ebenso beeindruckt haben wie der Wasserfall, der sich über künstliche Felsterrassen stürzt. Schwer ist ihm wohl die Wahl gefallen zwischen Themenrestaurants mit Namen wie Bleau View, Beautysalons, die Edouard De Paris heißen, zwischen Golfplatz und Schnorchelkurs, Tenniscourt und Wasserski. Die synthetische Traumwelt des Hilton Fontainebleu Resort in Miami Beach hält einige Verlockungen für jemanden bereit, der einmal Pause machen will von der Realität.
Und das möchte Reinhart Gaugg derzeit bestimmt. Abschalten, ausspannen, vergessen.
Zum Beispiel jene feuchtfröhliche Nacht von Samstag auf Sonntag, die seine politische Karriere abrupt beendete. Natürlich war es eine Rechtskurve, die ihm zum Verhängnis wurde. Auf der Autobahnauffahrt vor Pörtschach trägt ihn die Fliehkraft nach außen, beinahe prallt er gegen die linke Leitschiene, dann bremst er abrupt ab. Erich Scharl, der Lenker des Taxibusses dicht hinter ihm, alarmiert die Polizei. Die Funkstreife Habicht 1 paßt Gauggs Mietwagen bei der Abfahrt Minimundus ab, dann geht alles ganz schnell. „Bin Nationalratsabgeordneter im Dienst und habe keinen Alkohol konsumiert“, säuselt Gaugg durchs halbgeöffnete Seitenfenster. „Geruch der Atemluft nach Alkohol“, notieren die Beamten mitleidlos, „lallende Aussprache“, „stark schwankender Gang“. Ein Dramaturg hätte kein passenderes Ende für die Politikerkarriere des 49jährigen Kärntners erfinden können: Gaugg trat ab, wie er politisch gelebt hatte – mit einer Mischung aus Draufgängertum, Selbstüberschätzung und Maßlosigkeit.
Reinhart Gaugg, das ist der wortgewaltige Sozialsprecher der FPÖ, der bis zuletzt um seinen Sondervertrag als Vizepräsident der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) kämpfte. Rücksichtslos und ohne Skrupel versuchte er, sich all jene Annehmlichkeiten zu sichern, die normalerweise im Kreuzfeuer freiheitlicher Kritik stehen. Gaugg, das ist der treuste Gefolgsmann Jörg Haiders, den er schon 1986, als dieser am Innsbrucker Parteitag die Macht übernahm, auf seinen Schultern trug, was er auch heute jederzeit wieder tun würde. Gaugg, das war vielleicht einmal der Vorkämpfer für die Rechte des kleinen Mannes in der FPÖ. In den letzten Wochen wurde er zur Symbolfigur für eine Partei, die Postenschacher und Privilegienrittertum zwar anprangert, aber selbst gern zugreift, wenn es paßt.

Im unfreiwilligen Exil
Momentan schlendert diese Symbolfigur durch den Shoppingpark des Fontainebleu Resort, hebt sein Zimmertelefon nicht ab. Auf Journalisten reagiert er mit unverhohlener Aggressivität – so wie diesen Mittwoch, als ihn FORMAT-Reporter Herbert Bauernebel vor Ort um ein Interview bat.

Die ganze Story finden Sie im FORMAT Nr. 33

Außerdem:

  • Haupt über Gauggs Verfassung: "Sorge um Gauggs Integrität"
  • Wie das Büro der Vizekanzlerin Gauggs Flucht organiserte

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