Ein Leben für die Freiheit (der reichen Leute)

Der neoliberale Wirtschaftsberater von Reagan und Thatcher starb in der vergangenen Woche. Drei Experten diskutieren seine Theorien.

Mit seinen Theorien, Traktaten und Zeitungsglossen hat Milton Friedman ein Bündel von (kohärenten) Erkenntnisinteressen bedient: Liberalisierung aller Märkte, Zurückdrängung des Sozialstaats, Schwächung der Gewerkschaften und Aufgabe einer aktiven Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Seine Theorien hat er so (abstrakt) konstruiert, dass die Interessen ihrer Nutznießer (die reichen Leute) als Allgemeininteressen einer „freien Gesellschaft“ erschienen. In den 1950er und 1960er Jahren hatten der Keynesianismus und die mit ihm verbundene Prosperität den Ausbau des Sozialstaats und eine Offensive von Gewerkschaften und Sozialdemokratie gefördert. Damit drohte eine langfristige Verschiebung der Macht zuungunsten der Vermögenden. Unter deren Interessensvertretern in Politik, Wissenschaft und Medien gewannen Friedmans Forderungen daher an Einfluss.

Sie wurden in Etappen umgesetzt: Aufgabe des Systems fester Wechselkurse, zwei „Dollarabstürze“ samt nachfolgenden Ölpreisschocks destabilisierten die Wirtschaftsentwicklung, Arbeitslosigkeit und Inflation stiegen. Dies wurde als Widerlegung des Keynesianismus „verwertet“.

Die von Friedman inspirierte Hochzinspolitik der 1980er Jahre dämpfte das Wirtschaftswachstum weiter, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung stiegen. Dies ließ Friedmans Forderungen nach Sozialabbau und Lohnzurückhaltung als „Sachzwänge“ erscheinen. Damit vertiefte sich die Wirtschaftskrise, insbesondere in den neoliberalen „Reformländern“ wie Deutschland. In den USA haben Friedmans Positionen ihre politische Schuldigkeit getan, sie werden nicht mehr ernst genommen. In Europa sind Sozialstaat und Gewerkschaften noch stärker, hier lohnt es sich für die Eliten, neoliberale Positionen weiter zu vertreten. Aber nicht mehr (allzu) lange: Sie nützen zu wenigen und schaden zu vielen.

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